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Jan 18

Angeln im Winter

 
Wer sich in den Wintermonaten überwindet ans Angelwasser zu gehen, wird in der Regel nicht viele Gleichgesinnte antreffen. Viele Angler haben die Saison mit Beginn der kalten Jahreszeit abgeschlossen, da sie unter diesen widrigen Bedingungen keine nennenswerten Fänge mehr erwarten. Angelgerät im Winterschlaf ? Warum eigentlich ? Auch im Winter lassen sich schöne Fische fangen …

Natürlich sind in den Wintermonaten etwas andere Anforderungen an Ausrüstung, Köder und Futter zu stellen.
Ob Spinnfischer oder Ansitzangler: Das wichtigste ist, dass man sich am Wasser auch bei ungemütlichem Wetter wohl fühlt. Dazu gehört in erster Linie eine geeignete Bekleidung – wer friert, verliert schnell die Freude am Angeln. Deshalb sollte also zuallererst in eine brauchbare und warme Bekleidung investiert werden.
 
Bewährt hat sich hier das Zwiebelschalenprinzip: Mehrere Kleidungsstücke übereinander isolieren besser als eine einzige dicke Jacke. Dazu eine isolierende wetterfeste Hose, ein paar Thermostiefel, eine ordentliche Wollmütze und ein paar Handschuhe und der Ausflug ans Angelwasser kann beginnen. Auch ein guter Thermoanzug mit entsprechender Unterbekleidung erfüllt die Anforderungen bei Kälte sehr gut.
 
Man muss sich in der Bekleidung wohlfühlen, aber dennoch vernünftig bewegen können. Wenn es richtig kalt wird, nehme ich dazu noch meine beiden Taschenöfen in Betrieb. Sie spenden 10-12 Stunden angenehme Wärme. Ein guter Wetterschutz wie Brolly oder Schirmzelt kann den oftmals sehr unangenehmen kalten Wind gut abhalten.
 

 
Die Erfolgsaussichten auf einen guten Fang sind im Winter nicht schlecht, wenn man ein paar grundsätzliche Dinge beachtet. Dies gilt natürlich nicht nur für die Räuber, sondern auch für eine ganze Reihe von Friedfischen vom Karpfen über Rotauge bis zum Döbel. Auch der Barsch ist ein winteraktiver Fisch, da er als Frühjahrslaicher nun bestrebt ist, ordentlich Masse und Energie aufzubauen.
 

 
Wer Quappen in seinen Gewässern hat, hat im Winter ein lohnendes Ziel. Diese Räuber beginnen nun ihre Laichwanderung und werden erst bei Kälte richtig aktiv … bestens geeignet sind die frühen Abendstunden.
 

 

Man sollte sich beim Angeln im Winter keinesfalls selbst unter Erfolgsdruck setzen, sondern den Ausflug ruhig und mit Geduld angehen. Oftmals alleine am Wasser, kann man die Ruhe und die Natur genießen. Und weil die Erwartungshaltung gegenüber den warmen Monaten ohnehin geringer ist, freut man sich über jeden gefangenen Fisch ganz besonders.

 
Das wichtigste ist, erstmal die Standplätze der Fische zu finden. Dazu sollte man wissen, das es sich im Gegensatz zu den warmen Monaten mit der Temperaturverteilung im Wasser im Winter genau gegensätzlich verhält: Nach längeren Kälteperioden ist das Oberflächenwasser in tiefen Gewässern kälter als das Wasser in Grundnähe, es wird aus physikalischen Gründen hier nie kälter als 4 Grad. Wasser hat bei 4 Grad die höchste Dichte und aus diesem Grund findet man es unmittelbar über dem Gewässerboden …
In flachen Gewässern gibt es oftmals Ausnahmen von dieser Regel, hier kann durch die Gewässerbewegung z.B. durch Wind die Schichtung sogar ganz oder teilweise fehlen …
 

Die meisten Fische ziehen sich nun Richtung Gewässergrund zurück, man findet sie an den tiefsten bzw. wärmsten Gewässerstellen – dies gilt sowohl für Raub- als auch für Friedfische. Gut, wer die Strukturen und Tiefen seines Gewässers kennt, dies erspart das mühsame Ausloten.

 
Für Fliessgewässer gilt: Am besten geeignet sind die ruhigen und strömungsarmen Bereiche, auch Scharkanten, Hafenbecken, Steganlagen und Buchten. Die Fische meiden das kräftezehrende Schwimmen in der Strömung und suchen solche Stellen auf, die ihnen Schutz und Nahrung bieten und gleichzeitig ihren Energiehaushalt schonen.
 

 
Trotzden können sich auch Bereiche in der Strömung direkt unterhalb von Wehren und Einmündungen lohnen, wenn man es auf auf die aktiven Winterdöbel abgesehen hat. Andere Friedfische wie Brassen, Rotaugen oder Zährten lassen sich ebenfalls an den kalten Tagen fangen, wenn man den richtigen Platz gefunden hat. Eine gute Gewässerkenntnis bietet hier Vorteile.
 
Allerdings lassen es alle Fische im Winter aufgrund des reduzierten Stoffwechsels ruhiger angehen. Sie brauchen weniger Nahrung, müssen aber auch mit den Kräften besser haushalten. Dies bedeutet für uns eine andere Auswahl an Gerät und ggf. auch an Ködern.
 
Während die Räuber nun lieber einen großen Happen bevorzugen, müssen wir bei den Friedfischen ggf. auf feineres Gerät und kleinere Köder umsteigen. So können z.B. zwei Maiskörner oder Maden den Erfolg bringen, während der Boilie missachtet wird … Wenn gefüttert wird, sollte man sehr sparsam mit feinem Futter beginnen, dass die Fische nicht sättigt. Dunkles Futter hat sich in kaltem Wasser als vorteilhaft erwiesen.
 
Für die Spinnfischer gilt es nun, die Köder sehr langsam zu führen um die trägen Räuber zum Anbiss zu animieren. Diese werden nur zupacken, wenn die Aussicht auf Erfolg sehr groß ist und keine kräftezehrenden Verfolgungsjagden nötig sind – jeder vergebliche Angriff kostet sie unnötig Energie. Für Winterhechte und Zander dürfen wir die Köder auch mal etwas größer wählen …
 

 

 
Die großen Hechte geben bei tiefen Temperaturen ihr Einzelgänger-Dasein auf und rotten sich oftmals an tiefen Stellen in der Nähe von Futterfischen zusammen, diese Ansammlung von Futterfischen gilt es zu finden. Gefangen hat man die Omas deshalb noch lange nicht, wenn man aber einen günstigen Zeitpunkt der Fresszeiten erwischt, setzen sie sich bei einem langsam geführten großen Happen schon mal in Bewegung, um ihren Hunger zu stillen.
 
Es gibt auch im Winter Tage, die zum Angeln ganz besonders geeignet sind. So lohnt es sich, nach längeren Schlechtwetter- oder Kälteperioden die darauf folgenden wärmeren und sonnigen Tage zu nutzen. Ein paar Plusgrade Temperaturunterschied erwecken die Lebensgeister der Flossenträger ungemein …
 

 
Fazit: Angeln kann auch im Winter durchaus erfolgreich sein und richtig Spaß machen, wenn man ein paar grundlegende Dinge beachtet. Mit der richtigen Bekleidung und Ausrüstung kann man sich auf das Angeln konzentrieren und muss nicht vorzeitig durchgefroren und frustriert von dannen ziehen. Richtig vorbereitet, kann man auch in den ungemütlichen Wintermonaten richtig gute Angeltage erleben, die dann oftmals auch zu Fangtagen werden …
 
… und sollte es dann wirklich einmal so aussehen, ist natürlich auch das Eisangeln – dort wo es erlaubt ist – eine gute Möglichkeit an den Fisch zu kommen.
 

 

 
Zum Eisangeln gibt es weitere interessante Beiträge:

Eisangeln – mit dem Zocker / Tunker auf Räuber

Eisangeln – punktgenaues Anfüttern

Eisangeln – gut gemeinte Hinweise

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Gruß und Petri Heil H. Günter
 

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