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Apr 22

Bellyboot – Auswahl und Anschaffung

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Seit Jahren bin ich nun schon am Überlegen, mir ein Bellyboot anzuschaffen.
In meiner Vorstellung musste es klasse sein, nahezu lautlos über das Wasser zu gleiten, zu Angelstellen die dem Angler von Land verborgen bleiben.
Keine Fußgänger die „Haben Sie schon etwas gefangen?“, „Gibt es hier überhaupt Fische“ , etc. aus dem Handbuch „Wie nerve ich die Angler am Besten“ fragen. Einfach nur die Natur und Ruhe genießen und entspannen.
Auch der Punkt des Transports war ein Thema. Ein Bellyboot lässt sich einfach mit dem Auto transportieren und schnell aufbauen. Den ersten Erkundigungsschritt machte ich vor längerer Zeit in unserem Forum. Schnell merkte ich aber, dass es sehr unterschiedliche Meinungen und Geräteempfehlungen gab.
Somit wurde mir langsam klar, dass wird keine einfache Entscheidung und ich müsste mich tiefer mit dem Thema beschäftigen.
Es dauerte dann noch einmal 3 Jahre, bis ich mich erneut mit dem Thema Bellyboot auseinander setzte.
Um es anderen,die sich auch mit dem Gedanken tragen ein Bellyboot anzuschaffen, etwas zu erleichtern, halte ich hier meine Erkenntnisse fest.

Überlegungen
Die Fragen „Welches Bellyboot soll ich mir kaufen?“, „Welches Zubehör benötige ich?“, „Wo überall kann ich damit angeln?“, und „Brauche ich so etwas wirklich?“ stellten sich mir.

Jedes Thema für sich genommen ist schon so umfangreich, dass man damit sicherlich mehrere Buchseiten füllen könnte. Nun will ich hier aber einen kleinen Bericht verfassen und kein ganzes Buch, somit werde ich mich auf Zusammenfassungen beschränken.

Welches Bellyboot?
Am Markt sind Bellyboote unterschiedlichster Hersteller zu finden.

Während man früher offensichtlich auch Bellyboote mit O-Form zu kaufen bekam, findet man heute eigentlich nur noch welche in U-Form und V-Form. Wobei die U-Form eine sehr untergeordnete Rolle zu spielen scheint, so dass sich auf Grund der besseren Wendigkeit die V-Form durchgesetzt hat.
Hier spiel auch die Sitzposition noch eine wichtige Rolle. Ist diese im Wasser, so soll sich das Bellyboot schlechter steuern lassen. Befindet sich die Sitzposition über Wasser, so ist der Wasserwiederstand deutlich geringer und das Bellyboot dadurch wendiger und mit weniger Kraftaufwand zu bewegen.

Eine weiterer Aspekt ist die Sicherheit. Hier haben Bellyboote mit mehreren Kammern die Nase vorn.
Bekommt ein Schlauch ein Loch, so betrifft der Luftverlust nicht das komplette Bellyboot sondern nur einen Teil davon. Das Sinken des Bootes wird dadurch verhindert.
Wichtig ist natürlich auch noch die Wartbarkeit. Die Luftschläuche sollten auswechselbar sein.

Nachdem ich diese Punkte herausgearbeitet hatte, wusste ich schon einmal, was ich generell für ein Bellyboot suche. Es sollte eine V-Form haben, die Sitzposition sollte über dem Wasser sein und es sollte mehrere auswechselbare Luftkammern haben.
Selbstredend, dass es mehrere Modelle am Markt gibt, auf welche diese Beschreibung zutrifft.

Meine Wahl fiel dabei auf das **Guideline Drifter Modell 2013.**
Es ist sehr stabil, hat sechs Luftkammern, eine V-Form und die Sitzposition befindet sich über dem Wasser. Die Qualität und der annehmbare Preis waren weitere Pluspunkte, die zu der Auswahl geführt haben.

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Wie auf den beiden Bildern deutlich zu erkennen, ist die Sitzposition erhöht und man sitzt doch recht bequem. Das Bellyboot liegt relativ stabil im Wasser.

Klar, für viele wirkt es befremdlich und Gespräche wie „Mami, was macht denn der Mann da?“ bekommt man schon mal mit.
Wer aber auch über sich selbst lachen kann, dürfte damit keine Probleme haben.

Welches Zubehör?

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Nachdem das Bellyboot nun gekauft war, könnte man meinen, dass war’s. Leider nicht, man benötigt doch noch einiges an Zubehör, um sich damit auf das Wasser begeben zu können. Glücklicherweise ist dies aber größtenteils kein spezielles Zubehör, und kann z.B. auch beim Watangeln eingesetzt werden.

Wathose
Um eine Wathose kommt man nicht herum. Zum einen soll diese vor Feuchtigkeit und zum anderen vor zu starker Auskühlung schützen. Hier gibt es eigentlich nur zwei Arten von Wathosen, die in Frage kommen, die Neopren-Wathose und die atmungsaktive Wathose.
Die Neopren-Wathose schützt vor Kälte durch ihre dicke Neoprenschicht. Je dicker die Schicht, desto besser der Schutz. Allerdings hat die Neopren-Wathose auch den Nachteil, dass man in ihr schwitzen kann. Gerade für die warmen Sommermonate ist diese nicht optimal geeignet.
Die atmungsaktive Wathose kann den Schweiß abtransportieren. Die Hose selbst schützt aber nicht vor Kälte.

Bei diesem Thema muss man leider sagen, dass es zwei unterschiedliche Lager gibt. Die einen schwören auf die atmungsaktiven Wathosen, die anderen sind zufrieden mit der Neopren-Wathose. Um optimal ausgerüstet zu sein, müsste man wohl jeweils eine Neopren-Wathose und eine atmungsaktive Wathose besitzen.
Wichtig, falls man die Hosen auch zum Watangeln einsetzen will, ist eine Filzsohle an den Stiefeln, welche einen deutlich besseren Halt als eine Gummisohle gibt.

Da ich in der kalten Jahreszeit starte, habe ich mich für eine Neopren-Wathose entschieden, die Team Cormoran Neopren Wathose mit einer 5mm starken Neoprenschicht. Ein kleiner Vorteil dieser Hose ist auch der gummierte Sitzbereich. Dieser hält einen gut auf dem Sitzpolster des Bellyboots.

Flossen
Flossen werden für den Vortrieb benötigt. Hier gibt es spezielle „einfache“ Bellybootflossen, welche mir allerdings nicht so gut gefallen haben. Ich stelle mir vor, dass mit diesen Flossen nicht so viel Vortrieb zu schaffen ist als mit richtigen Taucherflossen.

Bei den Taucherflossen gibt es sogenannte Geräteflossen, welche dafür gedacht sind, über Füßlinge gezogen zu werden. Auch Gummistiefel passen dort teilweise.
Hier fiel meine Wahl auf die Geräteflossen Mares AvantiX-3 mit Sicherheitsverschluss. Die Flossen sind relativ preisgünstig und trotzdem professionell ausgelegt.
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Schwimmweste
Klar ist das Thema „Sicherheit“ immer sehr wichtig, deshalb sollte man sicherlich immer mit einer Schwimmweste unterwegs sein. Ich habe mir dafür eine einfache Weste gekauft, die auch beim normalen Bootfahren zum Einsatz kommt. Besser sind allerdings selbstaufblasende Rettungswesten, die deutlich komfortabler zu tragen sind. Hier kann ich nur jedem Empfehlen, sich in einem Fachgeschäft beraten zu lassen.

Kescher / Landungshilfe
Der Platz im Bellyboot ist beschränkt und einen Karpfenkescher wird man nur schwer unterbekommen. Hier habe ich mir einen größeren Meerforellenkescher zugelegt. Dieser passt wunderbar hinter den Sitz. Als weitere Landungshilfe nutze ich einen Lipgrip.

Anker
Genau wie bei einem normalen Boot ist man natürlich auch mit dem Bellyboot dem Wind und der Strömung ausgesetzt. Ein Klappanker ist damit immer Hilfreich, um an einer bestimmten Stelle zu bleiben.
Sicher, man kann auch vieles während des Angelns mit den Flossen wieder ausgleichen. Dies geht jedoch nur bei geringer Strömung und geringem Wind.
Außerdem könnte man auch mal einen Wadenkrampf bekommen und dann wird man sicherlich froh sein, wenn man nicht quer über den See gepustet wird.

Weiteres Zubehör
Natürlich lässt sich ein Bellyboot noch mit Rutenhaltern, Echolot, Radio etc. ausrüsten. Hierbei soll es aber in diesem Bericht belassen werden. Das oben genannte Zubehör beschränkt sich auf das in meinen Augen notwendige.

Wo angeln?
Wo kann man jetzt überall mit so einem Bellyboot angeln?

Die Frage habe ich mir ausgiebig gestellt und aus inzwischen eigener Erfahrung ist das Stillwasser kein Problem, sofern nicht großer Wellengang herrscht und der Wind nicht zu stark bläst.
Auch in der Ostsee findet das Bellyboot bei vielen Anglern Einsatz. Ich selbst werde es demnächst auch testen, natürlich nur bei Ententeichwetter.
Im Fließwasser habe ich so meine Bedenken, habe jedoch auch von Anglern gehört, die in der Elbe mit dem Bellyboot auf Waller angeln.

Letztlich ist es so, man muss mit höchster Vorsicht die Gegebenheiten einschätzen und im Zweifelsfall lieber von dem Einsatz eines Bellyboots abstand nehmen. Wir alle haben nur ein Leben.

Brauche ich so etwas wirklich?
Nein, natürlich nicht. Ich brauche es genau so wenig wie den 100. Wobbler, die 10. Spinnrute oder die 8. Multirolle.
Das Ganze ist ein Hobby, und das wird nicht unbedingt mit Vernunft und Bedarf betrachtet.

Wer sich jedoch für ein Bellyboot entschieden hat, der wird damit belohnt, der Natur ganz nah zu sein. Da ein Bellyboot nicht die Scheuchwirkung hat wie ein normales Boot, wird er noch mehr von der Unterwasserwelt mitbekommen. So gibt es z.B. Berichte, dass große Fische sich unmittelbar in die Nähe des Boots stellen, weil sie es als Deckung nutzen.

Es macht richtig Spaß, damit umher zu paddeln und man kommt an Stellen, die einem Uferangler verwehrt bleiben.

Hast du weitere Fragen zum Bellyboot? Melde dich doch einfach in unserem Forum (http://www.angler-online-forum.de) an und stelle diese der Community.

Petri Heil
Olaf vom Angler-Online-Team

Bezugsquellen

Bellyboot Guideline Drifter
adh-fishing
Siems GmbH & Co. KG
Zur Bergermühle 3
31228 Peine
http://www.adh-fishing.de

Geräteflossen Mares AvantiX-3
http://www.amazon.de (tauchshop)

Team Cormoran Neopren Wathose
Pro-Fishing GmbH
Osteriede 1
30827 Garbsen
http://www.pro-fishing.de

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