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Dez 03

Crankbait, Twitchbait, Hardbait, Jerkbait u.a. – noch Fragen ?

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Der Kunstködermarkt ist heute kaum noch überschaubar und die Fachbegriffe wohl nur noch von Experten zu verstehen. Dazu kommt, das diese Köderbezeichnungen in Übersee und bei uns teilweise völlig verschiedene Bedeutungen haben. Ich möchte hier mal den Versuch unternehmen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und euch die Bezeichnungen etwas näher erläutern:
 
Allgemein wird jeder Köder nach Eigenschaft, Köderführung, Schwimm- oder Laufverhalten differenziert – und zwar ausschließlich mit englischen Bezeichnungen.
 
Den Begriff Bait führen mittlerweile fast alle Kunstköder. Bait steht allgemein für Köder, ursprünglich auch mal für natürliche Köder wie Würmer und Maden, Mais, Teig u.a. In den letzten Jahren hat sich dieser Begriff aber auch bei den Kunstködern fest etabliert.
 
Wenn ein Kunstköder aus hartem Material gefertigt wurde, also z.B. Kunststoff oder Holz, wird er allgemein als Hardbait bezeichnet. Spinner, Blinker u.ä. Köder aus Metall sind allerdings keine Hardbaits …
 
Weiche Köder sind demzufolge Softbaits. Dazu gehören vor allem alle Arten von Gummifischen, als Shads bezeichnet man fischförmige Gummiköder, Twister sind eher wurmförmig, meistens mit Wackelschwanz.
 
Twister und Gufis aller Art gehören zu den Softbaits
twister
 
Swimbaits – hiermit sind meist mehrteilige Wobbler gemeint, die keine Tauchschaufel besitzen und langsamer als ein Gummifisch oder Blinker geführt werden. Swimbaits werden auch in großen Exemplaren von 25-30cm angeboten, Zielfisch ist meistens der Hecht.
 
Es gibt schwimmende und sinkende Modelle, somit können sie in fast allen Gewässerarten gefischt werden. Durch Twitchen oder Einholpausen kann die Fangquote meist erheblich gesteigert werden. Swimbaits sollten wegen der Verhedderungsgefahr mit einer Spinnstange gefischt werden. Aufgrund Gewicht und Größe eignen sich hier Multirollen besser als Stationärrollen.
 
Topwater-Köder und -Lures sind alle Köder, die ausschließlich an der Wasseroberfläche laufen (Lures=Köder), meist Popper und alle Arten von Tiernachbildungen wie Gummifrösche, Mäuse, Insektenimitate usw. sowie Jitterbugs (ehem. Swing-Tanz, auch: „to jitter“ für zittern und bug für Käfer, Wanze), auch Walk the Dog-Köder , die zickzackförmig an der Oberfläche geführt werden (walk the dog= den Hund spazieren führen).
 
Frösche gehören zu den Topwater-Köder ebenso wie Popper …
frog
 
Der Wobbler dürfte uns allen bekannt sein. Es gibt ihn in unzähligen Ausführungen mit verschiedenen Tauchtiefen. Deep Diver sind Tiefläufer, Suspender verharren beim Einholstop in der jeweiligen Wassertiefe, aber es gibt auch zahlreiche schwimmende Ausführungen (floating). Allen Wobblern gemeinsam ist, dass sie bereits beim normalen Einkurbeln ihren verführerischen Lauf im Wasser beginnen (Wobble=Wackeln). Man kann sie aber auch abwechslungsreich führen und somit den Reiz erhöhen.
 
Wobbler gibt es in unzähligen Variationen für verschiedene Tauchtiefen …
wobbler
 
Der Crankbait ist ein meist kleinerer und dickbauchiger Wobbler, der vom Laufverhalten her ein krankes Fischchen imitiert. Er wird einfach eingekurbelt (Crank = Kurbel). Im Prinzip ist ein Crankbait nichts anderes als ein kleiner Wobbler mit Tauchschaufel. Es gibt zahlreiche verschiedene Modelle: Schwimmend, sinkend, einteilig oder mehrteilig. Das Fischen mit dem Crankbait ist relativ einfach, weil der Köder bereits beim Einkurbeln seine Aktion entwickelt.
 
Crankbaits …
crank
 
Im Gegensatz dazu müssen die Jerkbaits vom Angler zum Leben erweckt werden, da sie meistens kaum eine Eigenaktion haben. „To Jerk“ bedeutet reißen oder rucken.
 
Der Jerk – meist ohne Tauchschaufel – der schwimmend oder sinkend sein kann, wird mit der Angelrute möglichst verführerisch ruckweise geführt, um dem Köder ein attraktives Laufverhalten zu geben. Je nach Modell, Form und Gewicht können sie oberflächennah bis zu einigen Metern Tiefe gefischt werden. Grundsätzlich haben die Glider (Gleiter) unter den Jerks keine Schaufel, sie werden meist im Zick-Zack-Kurs durchs Wasser geführt. Der Diver taucht beim Jerken nach unten ab.
 
Jerkbaits müssen mit der Rute zum Leben erweckt werden …
jerks
 
Für Softjerks gilt angeltechnisch das gleiche wie für Jerkbaits – allerdings sind sie aus weichem Kunststoff oder Gummi hergestellt.
 
Durch Zupfen (to twitch) werden die Twitchbaits zum Leben erweckt. Twitchbaits können in der Regel auch in größeren Wassertiefen gefischt werden, da sie meist keine vorgegebene Tauchtiefe haben. Sie sind eigentlich eine Kombination aus Wobbler und Jerkbait, angeltechnisch sind sie jedoch ähnlich wie ein Jerkbait zu führen und fallen eigentlich auch in diese Kategorie, weil sie ebenfalls kaum eine Eigenaktion entwickeln. Die Köderführung beim Twitchen ist allerdings gefühlvoller als beim Jerkbait, die Rutenbewegungen fallen entsprechend sanfter aus.
 
Der Begriff Stickbait leitet sich aus Stick= Stab und Bait= Köder ab. Ein Stickbait gehört aber trotzdem zu den Jerkbaits, Stickbaits haben meist eine sehr schlanke Form, bei fehlender Tauchschaufel wird er dann zum „Lippless-Stickbait“ (Lipless= lippenlos). Meistens haben sie jedoch eine kleine Tauchschaufel und man muss sie wie beim Jerkbait mit der Rute in entsprechende Bewegungen versetzen.
 
Stickbaits erinnern von der Form her an einen Stab (Stick=Stab) oder an eine Zigarre. Sie werden vor allem beim Fischen an oder knapp unter der Wasseroberfläche eingesetzt. Man führt Stickbaits mit kleinen Schlägen der Rute, man nennt diese Methode auch „Walk the Dog“ (den Hund ausführen) Das lässt den Stickbait im Zick-Zack-Kurs durchs Wasser schiessen, wie ein panischer, flüchtender Beutefisch.
 
Stickbaits sind stabförmige Hardbaits ohne Tauchschaufel
stick
 
Wetten, dass ihr keinen Händler finden werdet, der euch all die o.g. Bezeichnungen erklären kann ? Der Markt macht das schon recht clever: Ein Kunstköder erhält einen neuen Namen und fördert damit das Interesse des Käufers.
 
Aber eigentlich müssen wir vor dem Kunstköderkauf nur wissen was wir wollen: Welcher ist mein Zielfisch ? Wie groß / schwer soll der Köder sein ? Welche Form / Farbe eignet sich für den jeweiligen Einsatz ? Soll der Köder nur eingekurbelt werden oder soll er durch die Rute zum Leben erweckt werden ? Soll er schwimmen, tauchen oder schweben ?
 
Mit den Antworten auf diese Fragen können wir uns in den Regalen umsehen und im Grunde fast alle näheren Detailbezeichnungen vergessen, wir werden unseren gewünschten Köder finden, unabhängig davon was auf der Schachtel steht …
 
Diese Aufstellung erläutert nur die wichtigsten Begriffe. Unzählige andere werden euch beim Tackler und in Fachzeitschriften begegnen. Oftmals gibt es auch Überschneidungen und unterschiedliche Auffassungen von Köderbezeichnungen.
 
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Gruß und Petri Heil H.Günter

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