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Mrz 05

Der Hecht (Esox lucius)

 

Titelbild

 
Wir möchten euch heute diesen sehr interessanten und bei vielen Anglern sehr begehrten Raubfisch etwas näher vorstellen. Der Hecht gehört zur Familie der Hechte (Esocidae) und ist im Süß- und Brackwasser auf der gesamten nördlichen Erdhalbkugel anzutreffen. Er liebt stille oder nicht zu schnell fließende Gewässer und hier vor allem die wärmeren Uferzonen mit Bewuchs. Hier findet er seine Verstecke, um bei der Jagd blitzschnell zuzuschlagen …

 
Der Esox ist ein sehr geschickter Jäger, der jede lohnende Beute angreift. Das große entenschnabel ähnliche Maul ist bis unter die Augen gespalten und mit bis zu 700 spitzen Fangzähnen besetzt.
 

Blick ins Hechtmaul: Hunderte spitze scharfe Zähne lassen die Beute nicht mehr entkommen …

Hechtmaul Zähne

 
Als typischer Augenjäger sieht er sehr gut und stößt aus seiner Deckung meist blitzschnell von unten nach oben zu. Dabei legt er schnelle kurze Spurts ein, die weit nach hinten verlagerten Flossen erlauben ihm dabei erhebliche Beschleunigungen und Wendemanöver – eine längere Verfolgung findet jedoch nicht statt.
 

Die nach hinten verlagerten Flossen ermöglichen sehr schnelle Spurts bei der Verfolgung …

flossen

 
Vorwiegend fängt er Fische, aber auch Wasservögel, Frösche und kleine Säugetiere – und selbst vor der eigenen Art macht er nicht halt, Kannibalismus ist bei Hechten sehr verbreitet.
 
Bei einer guten Nahrungssituation kann der junge Hecht zu Beginn pro Jahr über 500 Gramm zunehmen. Die durchschnittliche Größe liegt bei 50-100cm, wobei fast alle Fische über 90cm Rogner (Weibchen) sind. Diese können eine maximale Länge bis zu 150cm bei einem Gewicht bis zu 30kg erreichen und bei günstigen Umständen 30-40 Jahre alt werden. Die Färbung variiert teilweise sehr stark je nach Gewässer. Meist ist die Rückenpartie grünlich bis bräunlich, die Färbung nimmt zum Bauch hin ab und wird immer heller, der Bauch ist immer weiß.
 

Schön gezeichneter Hecht …
gezeichneter Hecht
 

Auf der Lauer und bereit zum Angriff …
auf der Lauer

 
Erwachsene Hechte sind Einzelgänger und verteidigen als Standfisch ihr Revier äußerst aggressiv. Den angeborenen Schnappreflex bekommt jeder unliebsame Eindringling zu spüren – ein Umstand, den Angler natürlich kennen und gerne nutzen … In den Wintermonaten zieht er sich gerne in tiefere Gewässerbereiche zurück und lebt dort im Gegensatz zu der übrigen Jahreszeit gesellig. In sehr großen Gewässern findet man auch Freiwasserhechte, die kein bestimmtes Revierverhalten haben und so den Fischschwärmen folgen.
 

Kraftvoller Spurt …
Spurt

 
In der kalten Jahreszeit – meist ab November – beginnen die Revierkämpfe. Die Männchen, die meist im 3. Lebensjahr die Laichreife erlangen, belagern nach und nach die Reviere der Weibchen, die im 4. Jahr geschlechtsreif werden. Sie werden immer aggressiver, je näher die Laichzeit rückt. Diese beginnt ca. Ende Februar und kann je nach Wassertemperatur bis Ende April dauern. Ein Gewässer beherbergt nur so viele erwachsene Hechte, wie Revierplätze vorhanden sind.

In der Laichzeit kommt es oft zu heftigen Kämpfen unter den Männchen, nicht selten treten dabei starke Verletzungen durch Bisse auf. Aber nur ein einziges Männchen kommt zur Paarung. Das Weibchen hat in dieser Zeit eine sogenannte Fresshemmung, die jedoch relativ schnell nach dem Ablaichen erlischt. Es kommt dann durchaus vor, dass ein großes Weibchen den Partner kurz nach der Paarung auffrisst.
 

Deutlich sichtbare Spuren der Revierkämpfe …
Verletzung-Hecht-AO

 
Ein Rogner produziert bis zu 40000 Eier je Kilogramm Körpergewicht. Als Haftlaicher legen die Hechte die Eier vorwiegend an Unterwasserpflanzen, Ästen oder abgestorbenen Bäumen ab. Die Larven schlüpfen je nach Wassertemperatur nach ca. 2-3 Wochen. Sie ernähren sich zunächst vom Dottersack und in den ersten Tagen von Kleinstlebewesen wie Wasserflöhe u.ä. Die Männchen bewachen das Gelege nur bis zum Schlüpfen der Larven.

Schon ab einer Körperlänge von 2-3cm gehen die Minihechte selbst auf Jagd, meistens erobern sie Fischbrut, Kaulquappen und andere Kleinlebewesen und erreichen bereits im ersten Jahr eine Länge von 15-30cm. Trotz des tausendfachen Schlupfs werden nur verhältnismäßig wenige Hechte erwachsen. Bis zu 90% der Junghechte fallen eigenen Artgenossen zum Opfer. Mit diesem Wissen sollten wir Angler behutsam mit der Entnahme großer Fische umgehen, um die natürliche Reproduktion zu unterstützen.
 

Kaum ein Jahr alt und guckt schon richtig böse …
Minihecht

 
Der Hecht ist ein sehr beliebter Zielfisch unter den Anglern und kann auf unterschiedliche Weise gefangen werden. Ob toter Köderfisch an der Pose oder auf Grund, Blinker, Spinner, Jerkbait oder gar Streamer an der Fliegenrute, Wobbler oder Gummifisch: Der angeborene Jagdtrieb / Schnappreflex kommt dem Angler entgegen, dabei ist der Hecht nicht sehr wählerisch … große Exemplare nehmen auch gerne kranke, verletzte oder tote Fische. Dies spart Energie und gleichzeitig erfüllen sie damit die Funktion einer Gesundheitspolizei.
 

Hechtimwasser

 
Beim Spinnfischen auf Hecht sollte sich der Angler auf blitzschnelle Atacken einstellen. Das Gerät muss entsprechend ausgewählt und den Belastungen gewachsen sein. Der Hecht versucht kraftvoll und zielstrebig, den Haken wieder loszuwerden. Sprünge aus dem Wasser und heftige Fluchten sind die Folge. Obwohl er nicht sehr ausdauernd ist, muss der Angler mit höchster Konzentration ans Werk gehen um den Fisch nicht zu verlieren.
 

Dieser Esox konnte dem Gummifisch nicht widerstehen …
gufi hecht

 
Über die Fangaussichten wurden schon viele Abhandlungen geschrieben, die aber trotzdem meist theoretischer Natur sind. Der Hecht mag jedenfalls keine spontanen Luftdruckänderungen, die er per Gasausgleich mit seiner Schwimmblase ausgleichen muss. Ebenso sind die wärmsten Stunden im Sommer ungeeignet, da der Sauerstoffgehalt des Wassers abnimmt. Wenn, dann sollte man an warmen Tagen schattige Bereiche wie überhängende Büsche, Brücken u.ä. bevorzugen.

Trübes Wasser oder die Nachtstunden verringern die Fangchancen, da der Augenräuber die Beute nur schlecht erkennen kann. Zwar registriert er Bewegungen auch gut über das Seitenlinienorgan, aber die Jagd auf Sichtweite ist ihm allemal lieber. Wenn jedoch nachts ein Hecht an die (Köderfisch-) Rute geht, dann sind es oftmals die großen Exemplare auf der Suche nach leichter Beute …

Es ist empfehlenswert, im Sommer bei möglichst konstanter Großwetterlage vorwiegend die Morgen- und Abendstunden zu nutzen. Uferbereiche mit Bewuchs und Beutefischen sind dabei erfolgversprechend. Dort wo sich Fische aufhalten, sind die Räuber meist nicht weit. Eine sorgfältige Gewässerbeobachtung kann hier sehr hilfreich sein.
 

Ein ideales Hechtrevier … wenn nicht hier, wo sonst ?
hechtrevier
 
In der kalten Jahreszeit tragen manchmal schon geringe Unterschiede der Wassertemperatur dazu bei, dass Esox in flachere erwärmte Wasserbereiche zieht, er folgt den Beutefischen. Hier sind dann die Mittagsstunden bzw. die Zeiten mit den höchsten Tagestemperaturen optimal für einen Versuch.

 
Als Speisefisch ist der Hecht trotz der unangenehmen Y-Gräten recht begehrt. Das weiße feste und magere Fleisch lässt sich zu vielen Fischgerichten verarbeiten, bei älteren / größeren Exemplaren ist es allerdings recht trocken. In unserer Rezeptecke findet ihr dazu schöne Hecht-Rezepte.
 

rezept

 
Ich hoffe, wir konnten euch einen kleinen Einblick in Lebensweise und Verhalten dieses sehr interessanten Raubfisches vermitteln.

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Weitere interessante Themen und Beiträge rund um den Angelsport findet ihr in unserem Angler Online Forum.
 

 
Gruß und Petri Heil H.Günter
 

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