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Feb 01

Die Faszination des Angelns

abends an der Eder1
 
Unsere nicht angelnden Mitbürger haben meist folgendes Bild eines Anglers vor Augen: Alte unrasierte Männer mit Schlapphut im Klappstuhl, bekleidet wie ein Penner, die Bierflasche in Griffnähe. Den Blick stur auf das Wasser gerichtet, meist schlecht gelaunt, nicht fähig oder nicht bereit zur Kommunikation und äußert wortkarg …
 
Doch dieses Bild kann nicht stimmen, es passt nicht zum Angler und erst recht nicht zum Angeln. In Deutschland gibt es ca. 5 Millionen Angler. Für rund 7% aller Deutschen ist das Angeln Freizeitbeschäftigung Nr.1. Somit gehört das Angeln zu den beliebtesten Hobbys in unserem Lande. Wirtschaftlich hängen etwa 50 000 Jobs am hobbymäßigen Angelsport, den sich Deutschlands Petrijünger jährlich bis zu 6 Milliarden Euro kosten lassen.
 
eder1
 
Das Angeln selbst ist fast so alt wie die Menschheit, eine relativ einfache Methode des Fischfangs. Man braucht lediglich eine Angelrute, eine Schnur und einen Köder. Von primitivsten Anfängen unserer Vorfahren mit Stock und Knochenhaken, die Fische auf den Speiseplan zu bekommen, wurden diese Werkzeuge im Laufe der Zeit immer weiter verbessert und optimiert. Die Angelgerätehersteller bedienen diese verschiedenen Angelmethoden heute mit immer spezielleren Ruten, Ködern und entsprechendem Zubehör.
 
Heute angelt man nicht mehr vorwiegend zum Nahrungserwerb, Hauptargument ist die Erholung und Entspannung in der Natur, die Naturerfahrung als Ausgleich zu der Hektik des Alltags. Kein einziger Angler wird die landläufige Meinung Angeln sei langweilig bestätigen. Andere Hobbys sind meistens langweiliger. Hobbys muss man auch nicht unbedingt unter rationalen Aspekten betrachten, sie sollen einfach Spaß machen.
 
Fuschl 29
 
Egal ob Ansitzangler an See, Fluss und Meer, Spinn- oder Fliegenfischer: Angeln ist immer spannend und entspannend zugleich, Angeln ist immer eine Herausforderung. Das komplexe und uralte Spiel zwischen Jäger und Gejagten inmitten der Natur, die Anspannung und Konzentration für den einen Moment in dem der Fisch zuschnappt – dafür vergessen Angler den Alltag und würden für nichts auf der Welt auf dieses Hobby verzichten.
 
Ledro 09-21
 
Keine noch so teure High-Tech-Ausrüstung fängt einen Fisch von alleine. Dazu gehören Erfahrung, Geduld, Konzentration, Technik, Naturbeobachtung – es ist ein immer währender Lernprozess und diese Spannung beginnt oft bereits am Vortag mit den Vorbereitungen auf den Angelausflug.
 
Und wenn man dann alle Aspekte, Methoden und Techniken berücksichtigt hat und sich endlich am Angelwasser befindet, kommt es trotzdem sehr oft anders als man denkt: Trotz Geduld und Erfahrung ist ein Fisch nicht immer bereit, die angebotenen Köder zu nehmen. Und das Erstaunliche: Wir können damit sehr gut leben. Angler wissen: Nicht jeder Angeltag ist ein Fangtag, denn Erfolge kann man beim Angeln nicht erzwingen.

Die Leute, die glauben wir angeln nur um Fische zu fangen, verstehen uns absolut nicht. Vielen Anglern geht es gar nicht darum den möglichst großen Fisch zu fangen, denn auch ein Tag ohne Fisch ist kein verlorener Tag. Angeln ist eben viel mehr als Fische zu fangen, Angeln ist Leidenschaft um des Angelns willen. Das Angeln selbst ist die Erfüllung, denn beim Angeln leben in uns längst in Vergessenheit geglaubte Fähigkeiten und Emotionen unserer Urahnen wieder auf.
 
Baekmarksbro 2008
 
Angler sind Menschen, die von ihren nicht angelnden Mitmenschen nicht verstanden werden. Mitten in der Nacht freiwillig aufzustehen oder sich am Wasser bei Wind und Wetter die Tage und manchmal auch die Nächte um die Ohren zu schlagen um oftmals keinen Fisch zu fangen … unterwegs bei Regen oder Kälte, wo man doch beim heißen Kaffee eigentlich im warmen Wohnzimmer sitzen könnte. Aber für Angler gibt es keine Uhrzeit und kein Wetter – für die Fische schließlich auch nicht. Nichtangler werden das nie verstehen, Angler verstehen sich ohne Worte.
 
Eder
 
Heute muss der Alltag zeitsparend und rationell organisiert sein. Zeitnot und Hektik begegnen uns überall. Computer und andere elektronische Helferlein unterstützen uns, die Zeit möglichst effektiv und effizient zu nutzen. Zeit ist Geld hört man allerorten. Wir sollen ständig erreichbar und meist für andere da sein, müssen perfekt funktionieren. Und auch um uns herum nur hektisches Treiben. Leute hetzen im Termindruck durch die Stadt, ständiger Lärmpegel, wir kommen nicht mehr zur Ruhe …
 
… und dann der krasse Gegensatz: Früh aufgestanden, am Wasser absolute Stille. Sonnenaufgang. Ein Eisvogel der sich kopfüber ins Wasser stürzt, drüben ein Schwanenpaar das langsam seine Kreise zieht, die Vögel zwitschern, das Wasser leicht bewegt vom Wind, ein leises Rascheln im Schilf.

Angler werden eins mit der Natur. Angler verlieren am Wasser das Zeitgefühl – sind nur noch für sich und die umgebende Natur da, genießen die Ruhe und Stille abseits vom Stress. Der hektische Alltag ist völlig vergessen, wir schalten einige Gänge herunter, der Kopf befreit sich von den Alltagssorgen.
 
abends an der Eder2
 
Ist es nicht wundervoll: Kein Dritter beeinflusst unser Tun am Angelwasser. Das Angeln stellt eine Verbindung zur Natur her, lehrt uns dabei den Respekt vor der Schöpfung und vor den Lebewesen in und außerhalb des Wassers, den schonenden Umgang mit unserer Umwelt. Das Angeln gibt uns ein Stück unserer ursprünglichen Seele zurück, die längst vergessen schien. Es sind Erlebnisse, die nicht angelnden Menschen nicht zugänglich sind. Um nichts auf der Welt möchte ich darauf verzichten …
 
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Gruß und Petri Heil H.Günter
 

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