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Jan 25

Die Multirolle – Spinnfischen einmal anders

(c) Klaus Garnatz (kgbbg)
Spinnfischen einmal anders…
Ich habe mich immer gefragt, warum die Herren aus dem Land der aufgehenden Sonne, aus Skandinavien oder bei Uncle Sam beim Spinnfischen fast immer mit einer Multirolle zu sehen sind….. und mich mal damit beschäftigt. Für alle gleich vorab: Man muß völlig neu werfen lernen und einiges beachten.

Wenn man sich so eine Multi- oder auch Baitcastrolle so anschaut, fällt sofort die quer gelagerte Achse auf.
Es wird zwischen den klassischen Multirollen (Round-Profiler), deren Schnuröffnung eben durch die Konstruktion etwas weiter vom Blank entfernt liegt – und den flacheren, sog. Low-Profiler unterschieden. Letztere haben eine veränderte Getriebekonstruktion, wodurch die Spule tiefer gelegt werden kann. Die heutigen Konstruktionen werfen beide gleich gut, so daß die Auswahl lediglich vom persönlichen Geschmack des Benutzers abhängt.

Als erstes das physikalische Problem: Weil man diese Spule auf der Achse mit der darauf befindlichen Schnur als Gesamtgewicht beim Abwurf erst einmal in Bewegung setzen muß, und die dafür aufgewendete Arbeit von der Wurfenergie abgeht, ergibt sich für jede Rolle ein zwangsläufiges unteres Wurfgewicht. Je leichter der Köder den man werfen will, desto komplizierter wird das. Fliegt der Köder dann erstmal, läuft die Spule durch ihre Trägheit praktisch von alleine weiter und reicht die Schnur relativ reibungsfrei nach. Das ist der Grund, warum Profis mit der Multi durchaus weiter werfen können. Man kann sich also ausrechnen, daß richtig gute Multirollen als feinmechanische Präzisionsgeräte auch richtig viel Geld kosten. Das Hauptproblem: Man bekommt sie zur Zeit noch nicht alle in Deutschland, wobei bereits gute auf dem Markt vorhanden sind.
Ein Vorteil ist zweifelsohne, daß man zum Werfen nicht unbedingt die zweite Hand benötigt, weil eben kein Bügel umzuklappen ist. Das spart unter dem Strich sogar Zeit ein, wenn man die Wurftechnik beherrscht.
Da die Schnur nunmehr aber gerade geworfen und wieder eingespult wird, kann sie sich auch nicht mehr verdrehen/verkringeln, was ich als ganz großen Vorteil ansehe.
Ein weiterer Vorteil zeichnet sich dadurch ab, daß der Köder ja die Schnur hinter sich her ziehen muß.
Ein Nachteil ist natürlich, daß Gegenwind den Köder je nach Oberflächen-Masse-Verhältnis abbremst, während die Spule natürlich weiter rotiert. So kann sich, wenn man nicht aufpaßt, ganz schnell eine schöne Perücke entwickeln. Daher empfiehlt es sich , immer den Daumen als Fühler bei der Spule zu lassen und bei Kontakt sofort als Bremse einzusetzen. Als es noch keine Magnet- oder Fliehkraftbremse gab, mußte man nur so arbeiten.

Es entsteht auch kein lockerer Schnurbogen, man kann besser unter überhängende Äste werfen, der Seitenwind kann nicht soviel Schnur abtragen und der Köder kann sich nicht so schnell überschlagen. Gerade ein mit der Stationärrolle geworfener Wobbler hat ja gerne die Angewohnheit, sich im entscheidenen Moment in der Schnur zu vertüdeln.
Generell wird der Freilauf ja mit dem Daumen ausgelöst und mit demselbigen bis zum Abwurf die Spule blockiert. Dort bleibt er auch, um notfalls die ganze Chose auch abzubremsen, spätestens, wenn der Köder die Wasserobefläche berührt, muß man das auch – oder…siehe zuvor!
Auf Grund des vorher Gesagten, empfiehlt es sich also, zum mindesten bei leichteren Ködern, die Rolle auf jeden Köder neu einzustellen. Das geschieht mit der Achs- oder Schleifbremse. Das ist der Knopf in der Achsenmitte. Später kann diese jedoch so weit aufgedreht werden, daß sie gerade mal nicht hin und her wackelt.
In der Regel haben bessere Multis auf der gegenüber liegenden Seite noch die sog. Magnetbremse. Die ist ebenfalls einstellbar und dient dazu, ein Übedrehen in der Wurf-Anfangsphase zu verhindern. Das geschieht durch das Wirbelstrom-Prinzip, wenn sich eine Metallscheibe im Magnetfeld bewegt. Es gibt da mehrere Varianten. Die in der Mitte hat mehrere Magneten, die näher an die Spulenwand gedreht werden können. Die rechte hat einen Kollektorring an der Spule der in Rundmagneten hineinragt. Lieber erst mal zudrehen und auf Wurfweite verzichten.
Einige Rollen haben innen noch eine Fliehkraftbremse; das sind ganz kleine Gewichte, die durch ihre Reibung ebenfalls ein überdrehen verhindern sollen. Die Fliehkraftbremse ist normalerweise von außen nicht verstellbar und sollte – wenn lieber auch erstmal verstärkt werden, also „Pin´s“ raus. Mit der Zeit und wachsenden Erfahrung kann man diese dann auch wieder stückweise einfahren. Das sind die kleinen grünen Hütchen in der links liegenden Rolle.

Die Drillbremse wird über das an der Kurbel liegende Sternrad reguliert und daher auch Sternbremse genannt – im Gegensatz zur Schiebebremse bei einigen Meeresrollen. Diese ist sehr fein einstellbar und bietet somit jeder Flucht entsprechendes Paroli.
Wenn also der Daumen auf der Spule liegt, ist die menschliche Greifhand nicht mehr funktionsfähig. Ein 60 cm-Hechtchen kann einem da, wenn er aus vollem Lauf in den Köder geht, schon mal die Rute aus der Hand hauen. Deshalb hat der findige Mensch den Griff seiner Rute mit dem sog. Trigger versehen. Das ist dieser kleine Haken, in den man den Zeige- oder je nach Geschmack auch den Mittelfinger einhaken kann – damit dieses eben nicht passiert. Kleine Baitcaster werden auch gerne „gepalmed“ – das heißt: die ganze Rolle wird umfaßt
(la palma: die flache Hand) und der Trigger sitzt zwischen Ring- und kleinem Finger.

Besagtes Geschleuder wird ja nun aufrecht gefischt, d.h., die Rolle steht auf dem Blank. Demzufolge, sind auf jeder Multi-Rute viel mehr Ringe angebracht, damit die Schnur nicht am Blank scheuert. Weil aber dadurch die Verwindungsmöglihkeit unter Last viel höher ist, haben die Ringe der Multi-Rute einen so kurzen Steg. Da die Spule allerdings dennoch viel dichter am Blank ist, als die weit abstehende der Stationärrolle, ist ein so großer Abstand auch unnötig.Soviel zu der Frage, warum man mit einer Spinnrute keine Multrolle fischen sollte.
Und wenn nun schon einige Sportfreunde fragen, warum man sich das antut…: Es ist einfach hammergeil, den Fisch ohne Umlenkrolle 1:1 auf dem Daumen zu haben….!!!
Nachtrag am 19.01.2010:
Im Moment kann ich meine Schätzchen noch überschauen und sie bereiten mir viel Freude. Wenn ich richtig nachdenke, habe ich im gesamten Jahr 2009 eigentlich überhaupt keine Rute mit einer Stationärrolle gefischt…

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