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Dez 04

Geschichte des Fliegenfischens

Titel

 
Das Fliegenfischen – oft als Königsdisziplin der Angler bezeichnet – ist eine Angelmethode, die sich von anderen Methoden dadurch unterscheidet, dass der Köder – weil er zum Werfen zu leicht ist – eine besondere (Fliegen-) Schnur erfordert die als Wurfgewicht dient. Dazu muss eine bestimmte Wurftechnik angewendet und spezielles Angelgerät verwendet werden.
 

Trockenfliegen in verschiedenen Formen und Farben imitieren auf dem Wasser treibende Insekten …
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Obwohl das Angeln selbst seit Jahrtausenden von Menschen ausgeübt wird, kennen wir die heutige Form des Fliegenfischens erst seit einigen hundert Jahren.
 
Landläufig herrscht die Meinung vor, dass das Fliegenfischen im 17. / 18. Jahrhundert in England erfunden wurde. Das dem nicht so ist, beweist folgender Sachverhalt: Es existieren Hinweise in Form eines alten ägyptischen Kupferstichs, die bereits 2600 v.Chr. auf eine Frühform dieser Angelart hinweisen. Erstmals findet das Fliegenfischen Erwähnung im ersten Jahrhundert n.Chr. beim römischen Erzähler Martial: Zitat: „Wer sah nicht den Scarus (Papageienfisch) getäuscht und aufgestigen an der Angel hängen mit falschen Fliegen …“
 
Und Aelianus, ein römischer Dichter des zweiten und Anfang dritten Jahrhunderts, beschrieb schon damals eine Bindeanleitung für künstliche Fliegen: „Sie umkleideten den Haken mit purpurfarbener Wolle und banden zwei passende Hahnenfedern von Wachsfarbe, wie sie unter dem Kamme und den Lappen der Hähne wachsen und die das entsprechende Aussehen und die Ähnlichkeit hatten dazu und knüpften dies an die Schnur … mit einer vier Ellen langen Rute ließen sie diesen Köder in der Strömung treiben und boten durch ihren Fang den unerbittlichen Fischern Befriedigung …“
 
Im Mittelalter war das Fliegenfischen unter den Rittern weit verbreitet. Nach Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg erschienen sehr bald Anleitungen zum Fischen mit der Fliegengerte und ausführliche Bindeanleitungen für Fliegen.
 
Im 15. Jahrhundert begann sich diese populäre Angelmethode in Großbritannien durchzusetzen und entwickelte sich langsam zu der Fliegenfischerei wie wir sie heute kennen. Aber erst im 18. Jahrhundert wurde das Fliegenfischen dort so populär, dass man begann Angelvereine zu gründen. Dieser Trend breitete sich – auch aufgrund der steigenden Bücherzahl – am Ende des Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten aus.
 
Nach und nach kam es auch zu Verbesserungen beim Angelgerät. Anstatt Holzruten wurden wesentlich flexiblere Bambusruten benutzt. Auch bei Schnüren und Rollen blieb die Entwicklung nicht stehen. Dafür stehen heute bekannte Namen, die jeder Fliegenfischer kennt: Lee Wulff gilt als Erfinder der Fliegenfischerwesten und Fliegenrollen, Charles Ritz als Erfinder der Teleskoprute und Hans Gebetsroither, dessen österreichischer Wurfstil jahrzehntelang das Fliegenfischen prägte und heute noch prägt.

Aber auch nach Erfindung der Fliegenrolle wurde noch sehr lange ausschließlich mit Rute, Schnur und Fliege gefischt. Diese Technik hat sogar bis heute überlebt. In Japan nennt sie sich Tenkara, in Italien Pesca alla Valsesiana. Es ist die älteste Form des Fliegenfischens . Es entstand vor etwa 800-900 Jahren in den japanischen Bergregionen. Tenkara bedeutet „vom Himmel schwebend“. Heutige Tenkararuten sind in der Regel Teleskopruten von 3,30m bis 3,90m. Die Tenkara Fliegenschnüre Schnüre haben meist eine Länge von 3,60m.

Das Interesse an dieser Methode ist mittlerweile wieder so groß, dass namhafte Hersteller wieder Tenkara-Ruten produzieren. Der große Vorteil dieser Angelmethode: Einfach, kostengünstig, leichte Ausrüstung – Flugangeln in seiner ursprünglichen Form !
 
Auch in Deutschland gibt es Hinweise auf die frühe Nutzung der Fliegenrute. In alten Schriften finden wir Begriffe wie „Federschnur“, Föderschnur“ oder „Federangel“. Doch bei uns war die Fischerei an die Klöster übertragen, der Adel hatte das Privileg der Jagd … somit war die Ausbreitung dieser Angelmethode nicht so rasant wie in England oder USA. Heute jedoch gibt es bereits ca. 40 000 Fliegenfischer in Deutschland – Tendenz weiter steigend.
 
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Seit jeher galten Salmoniden wie Forelle, Äsche, Saibling oder Lachs als die klassischen Fische der Flugangelei. Auch heute hält sich unter vielen Anglern die Meinung, dass Fliegenfischen nur auf diese Fischarten möglich ist. Das dies nicht zutrifft, beweisen Flugangler in warmen Meeresregionen. Dort werden z.T. Fische bis 200kg mit dieser Methode gelandet. Natürlich geht dies nur mit entsprechendem Gerät wie Ruten der Klasse 17 oder 18 sowie ausreichend starker Schnur und Backing.
 
Im Prinzip ist es heute möglich, auf jeden Fisch mit der Fliegenrute erfolgreich zu fischen. Grenzen gibt es nur da, wo entweder das Gewässer oder die Größe / Art des Fisches einen Einsatz der Flugangel nicht zulassen. Aber Spezialisten fangen selbst in den Grachten Hollands Aale mit kleinen Streamern.
 

Streamer imitieren Beutefischchen und auch größere Räuber fallen darauf herein …
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Fliegenfischen war Jahrhunderte lang die vermeintliche Königsdisziplin unter den Angelmethoden. Wurftechniken und Auswahl der richtigen Fliegen zum richtigen Zeitpunkt blieben für viele Standardangler immer etwas geheimnisumwittert und elitär.
 

Diese schöne Bachforelle lies sich mit einer kleinen Goldkopfnymphe verführen …
Bafo Eder

 
Die Einstellung zu dieser schönen Angelmethode hat sich auch hierzulande geändert. Mittlerweile steigt die Zahl der Anhänger von Jahr zu Jahr. Und längst hat sich die Fliegenfischerei in Deutschland von den Salmoniden auch anderen Fischarten zugewandt – vom Weißfisch bis zum Karpfen und bis hin zu den großen Raubfischen wie Hecht und Co. …
 
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Der erste Schritt zum Fliegenfischen kostet erst mal Überwindung, aber wenn er dann erfolgreich getan ist, kommt kaum jemand wieder davon los. Fliegenfischen ist Ruhe, ist ständige Bewegung unter Beobachtung von Natur und Wasser – da wird sogar der Fisch manchmal zur Nebensache … Ein weiterer großer Vorteil: Mit sehr wenig und leichtem Gerät ist man flexibel und kann größere Gewässerstrecken ohne Mühe abfischen.
 

Verschiedene Nymphen, Nassfliegen, Forellenfliegen und Fischimitationen zum Einsatz unter der Wasseroberfäche
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Elitär ist das Fliegenfischen längst nicht mehr, aber in England ist es auch heute noch üblich, dass sich ein richtiger Gentleman an der Fliegenrute ausbilden lässt. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in diese schöne Angelmethode vermitteln. Allen Fliegenfischern und solchen die es noch werden wollen ein kräftiges Petri Heil !
 
Weitere interessante Themen und Beiträge rund um den Angelsport findet ihr in unserer Facebook-Gruppe Angler Online – einfach beitreten und zwanglos in lockerer Art mitmachen !
 
Gruß und Petri Heil H.Günter
 

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