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Aug 15

Gewässer lesen – erfolgreicher angeln !

 

Sonnenaufgang an der Fulda

 
Eine alte Anglerweisheit besagt: 80 Prozent der Fische leben in 20 Prozent des Gewässers ! Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass wir nur in einem relativ kleinen Teil eines Gewässers gute Fangchancen haben. Gerade an einem fremden Gewässer stehen wir oft ratlos vor der Entscheidung, den richtigen Angelplatz auszuwählen.
 
Wie meiden wir fischleere Bereiche und finden die bevorzugten Aufenthaltsräume der Fische ? Wir schauen uns die verschiedenen Gewässerbereiche einmal näher an um zu verstehen, warum die Flossenträger sich gerade dort aufhalten und wohlfühlen. Dies sind nämlich genau die Bereiche, denen wir Angler eine erhöhte Aufmerksamkeit und Angelzeit widmen sollten …
 
Krautbänke / Seerosenfelder / Wasserpflanzen

hechtrevier

 
In Seen und Teichen suchen die Fische Schutz in dichten Krautbänken oder Seerosenfeldern, hier finden sie reichlich Nahrung wie Kleinlebewesen, Schnecken und Muscheln. Es ist erfolgversprechend, den Köder in den Krautlücken oder an den Rändern der Krautfelder zu präsentieren. Oftmals gründeln Fische in diesen Bereichen. Wir können dies sehr gut an den aufsteigenden Luftblasen oder an sich bewegenden Pflanzenteilen erkennen und den Köder hier gezielt anbieten.

Verkrautete flache Bäche und Flüsse im Sommer machen uns anglerisch oftmals das Leben schwer. Aber genau dieser Umstand bietet uns auch sehr gute Chancen auf einen Fang. Fische schätzen den Schutz der dichten Krautfahnen und viele Kleinlebewesen bieten dort einen reich gedeckten Tisch. Mit dem richtigen Köder zwischen den Krautfahnen wird der Erfolg nicht lange ausbleiben.
 
Uferbewuchs / versunkene Bäume

baum

 

Eder Baum

 
Fische lieben den Schutz solcher Verstecke und auch große Räuber können hier auf der Lauer liegen. Oftmals findet man auch gute Stellen, an denen sich Geäst und Treibgut sammelt. Das Beangeln von Gewässerbereichen mit versunkenen Bäumen oder anderen Hindernissen birgt aber gewisse Risiken beim Biss eines guten Fisches. Wir sollten hier Gerät und Schnur stark genug wählen, um einen in das Hinderniss flüchtenden Fisch zu bremsen.
 
Unterspülte Uferstellen bieten den Fischen eine gute Deckung. Bei der Annäherung an solche Bereiche sollten wir aber sehr behutsam vorgehen und Lärm und Erschütterungen möglichst vermeiden. Zunächst fischen wir dann die ufernahen Bereiche links und rechts des Angelplatzes ab, bevor wir uns an den Gewässerrand begeben.
 
Buchten / Untiefen

Eder1

 
Im ruhigen Wasser von Buchten und im wärmeren Wasser von Untiefen halten sich viele Jungfische auf die auch die Räuber anlocken. Vielversprechend ist hier auch ein Versuch an den Strömungskanten zum Fließgewässer. Dieser nahrungsreiche Abschnitt bringt oftmals gute Fangergebnisse. Auch bei Hochwasser lohnt sich ein Versuch in den ruhigeren Bereichen der Buchten. Die Fische suchen hier Schutz und stehen meist dicht zusammen.
 
Wehre / tiefe Gumpen

Wehr1

 
Wehr
 
Ein Wehr ist ein sehr guter Sauerstofflieferant und in den durch das Wasser ausgespülten tiefen Gumpen finden die Fische Schutz und Ruhe. Hier lohnt sich auch ein Versuch bei starker Stömung oder bei Hochwasser. Gerade Fische, die einen hohen Sauerstoffbedarf haben wie Forellen oder Barben, lieben diese Bereiche.
 
Mündungen / Wassereinläufe

Bacheinlauf

 

Bacheinlauf

 
An Einmündungen von Bächen in einen Fluss oder See werden durch das gute Nahrungsangebot viele Fische angelockt. Hier sollten wir unsere Köder genau an den Stellen anbieten, an denen sich das Wasser vermischt.
 
Wer das Glück hat, an einem Kraftwerkseinlauf angeln zu dürfen, kann sich das gesamte Jahr über gute Fänge freuen. Das erwärmte Wasser regt die Fische zum Fressen an, oftmals wachsen sie an solchen Stellen zu kapitalen Exemplaren heran.
 
Brücken und Stege

Eder2

 
In einem ansonsten hindernislosen Gewässer sind Brücken und Stege bevorzugte Aufenthaltsorte von – oftmals auch kapitalen – Fischen. Das ruhige Wasser hinter Brückenpfeilern bietet Schutz und ein gutes Nahrungsangebot. Gerade Zander und Barsche lieben diese Ruhezonen. Wenn wir in einem Gewässer – wenn auch hängerträchtige – Felsen oder versunkene Steinblöcke haben, gilt das gleiche: Hinter dem Hindernis teilt sich die Strömung, hier sammelt sich Nahrung und somit auch die entsprechenden Abnehmer …
 
Noch ein paar allgemeine Hinweise:
Beim Angeln in Fließgewässern sind die Außenkurven meist tiefer als die Gegenseite, wir sollten diese bevorzugt beangeln. Auch Dreh- / Kehrströmungen sind beliebte Anlaufplätze für die Fische, da sich hier tiefere Löcher bilden und sich die Nahrung sammelt. Achtet auch mal auf Haubentaucher oder andere gefiederte Fischräuber, dort wo sie jagen sind die Kleinfische zu finden – und die Räuber sind nicht weit …
 
Oftmals zeigen sich gerade in den Morgen- oder Abendstunden Fische an der Wasseroberfläche. Viele Weißfische, springende Karpfen oder raubende Barsche und Hechte. In solchen Bereichen wird sich ein Versuch ebenfalls lohnen.
 
Bei stehenden Gewässern sind zumindest in der warmen Jahreszeit die Angelstellen auf denen der Wind steht erfolgversprechender als die vom Wind abgewandte Seite. Hier wird nicht nur das wärmere Oberflächenwasser angespült, sondern auch Nahrung in Form von Insekten etc.
 
Fazit:
Unsere Fische bevorzugen die Stellen im Wasser, die Ihnen Schutz und Nahrung bieten. Diese Voraussetzungen erfüllt aber nur ein relativ geringer Teil der Wasserfläche. Nicht die Stellen, die man bequem erreichen kann sind die richtigen, sondern die Stellen, die die Fische mögen… da lohnt es sich manchmal, die angestammten Angelplätze zu ignorieren und einige Meter weiter zu gehen …
 
Im übrigen hat jedes Gewässer seine Strukturen und Eigenarten, die es zu erforschen gilt. Das ideale Angelgewässer gibt es nicht und das Angeln und das Ausprobieren kann keine Theorie der Welt ersetzen. Grundsätzlich sollten wir uns aber zunächst alle Plätze näher ansehen, die sich wie oben beschrieben vom allgemeinen Gewässerbild abheben.
 
Es ist sicher nicht einfach und ein fortwährender Lernprozess: Betrachten wir das Gewässer doch einfach mal mit den Augen der Fische … und dabei werden wir dann nach und nach auch lernen wie ein Fisch zu denken. Spätestens dann sind wir auf einem richtigen und erfolgreichen Weg zu besseren Fängen … dazu wünsche ich euch viel Erfolg.
 
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Gruß und Petri Heil H.Günter

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