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Okt 30

Vertikales Angeln unter dem Boot

Wie es der Name schon verrät, wird bei dieser Angelmethode der Köder am Bleikopf direkt unter der Rutenspitze angeboten.

Rute, Rolle und Schnur:

Als Ruten kommen Längen von 1,80 bis 2,00 m mit geringem Eigengewicht und einer steifen Spitze zum Einsatz. So kann man den ganzen Tag den Köder führen, spüren wie Boden berührt wird und auf jeden Bisskontakt reagieren, ohne dass einem der Arm lahm wird.An die Rute schrauben wir eine kleine Stationärrolle mit einer Größe (je nach Hersteller) von 1500 bis 2500. Als Schnur ist geflochtenes Material ein absolutes Muss. Nur so haben wir das Gefühl für die Köderführung und die genaue Bisserkennung. Die Stärke der Schnur sollte etwa 0,10 – 0,15 mm betragen. Als Vorfach nehmen wir abriebfestes Material, wie Hardmono, Fluorocarbon oder bei Hechtgefahr ein dünnes Stahlvorfach. Ein Karabiner am Ende lässt einen schnellen Köderwechsel zu.

Die Köder:

Hier kommen spezielle Vertikalköder zum Einsatz. Der Unterschied ist die fehlende Schwanzschaufel bzw. der Twisterschwanz. Die Vertikalköder laufen meist hinten spitz zu (Fadenschwanz) oder haben eine kleine Gabel bzw. Fransen als Schwanzende. Egal welche Schwanzform zum Einsatz kommt, wichtig ist bei diesen Ködern der breite flache Rücken, denn der sorgt beim Anheben für die Wasserverdrängung und somit für Druckwellen, die Barsch oder Zander selbst bei sehr trüben Wasser noch über das Seitenlinienorgan wahrnehmen können. Der dünne Schwanz sorgt beim Nachschwingen ebenfalls für Druckwellen, allerdings nicht so kräftig wie die der Rückenpartie.

Der Schwanzform sorgt für unterschiedliche Aktionen, wobei an dieser Stelle gegenüber den normalen Gummiködern nicht unbedingt von Aktion gesprochen werden kann. Aber gerade diese minimale Aktion in Form von Schwingungen des Schwanzes passt bei niedrigen Wassertemperaturen oftmals besser in das Beuteschema als die lebhaften Twister oder Gummifische, da bei kaltem Wasser die Beutefischchen auch nicht mehr durch das Wasser jagen. Auch in den wärmeren Jahreszeiten und Wassertiefen von 2,0 bis über 15,0 m kann diese Methode erfolgreich eingesetzt werden. Wenn die Räuber dicht am Grund stehen, können sie meist dem auf den Boden klopfenden Köder nicht wiederstehen.

Die Köderführung:

Im Gegensatz zum herkömmlichen Gummifisch wird der Köder nicht in Sprüngen über den Gewässergrund geführt, sondern erst einmal wie gewohnt auf den Grund abgelassen. Wenn wir spüren, dass der Köder den Grund berührt hat, wird er zügig aus dem Handgelenk etwa 10 bis max. 30 cm angehoben. Jetzt kommt das Wichtigste, eine Pause, in der man den Vertikalköder hält ohne ihn zu bewegen. Ich habe mir angewöhnt langsam zu zählen – 21…22…23 – jetzt lassen wir den Köder wieder zum Grund, pausieren kurz und beschleunigen ihn wieder nach oben. Die Bisse kommen oft bei …22 in der Haltephase, aber auch beim Absinken. Hat man beim Absinken das Gefühl, dass der Köder zu früh aufsetzt oder beim Anheben einen zu großen Widerstand leistet, schlagen wir sofort an, denn dann hält ihn wahrscheinlich schon ein Räuber fest.

Wichtig ist die Bootsgeschwindigkeit = Ködergeschwindigkeit.  Leider ist der Wind mal zu schwach und wir stehen fast auf der Stelle, ein anderes Mal zu stark, so dass wir  viel zu schnell treiben. Bei zu starkem Wind kann das Boot mittels Treibanker (Driftsack) gebremst werden. Um aber bei fehlendem Wind auf die richtige Geschwindigkeit zu kommen, greifen wir auf einen E-Motor zurück (auf Gewässern, auf denen Motoren erlaubt sind). Der Motor wird am Heck befestigt und der Köder bei leichter Fahrt rückwärts angeboten. Natürlich macht sich auch bei starkem Wind ein E-Motor am besten, da wir die ideale Geschwindigkeit wählen können und uns der Wind nicht die Richtung vorgibt, sondern wir die Route selbst wählen.

Idealerweise kommt diese Angelmethode vom Boot aus zum Einsatz, selbst wenn es ein Schlauch- oder Bellyboot ist. Aber auch als Uferangler kann man an den richtigen Stellen, wie z. B. von Brücken, an Spundwänden oder Stegen, den Köder in Augenhöhe anbieten und erfolgreich den Stachelrittern nachstellen.

Petri Heil

Guido

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