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Apr 24

Welse – Fressmaschinen in unseren Gewässern ?

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Als größter Süßwasserfisch Europas wird der europäische Wels (Silurus glanis) oftmals als unersättliche Fressmaschine beschrieben und hat angeblich einen vernichtenden Einfluss auf alle anderen Fischarten des Gewässers. Ich möchte versuchen, dies einmal anhand einiger Beschreibungen und Fakten zu relativieren.

Große, langsam fließende Flüsse und warme Seen sind die bevorzugten Lebensräume des Wallers. Er lebt in weiten Teilen von Mittel- und Osteuropa, im schwarzen Meer und auch im Brackwasser der Ostsee. Der Wels als nachtaktiver, bodenorientierter und – fast – allesfressender Raubfisch ernährt sich je nach Gewässer sehr vielseitig und abwechslungsreich. Lebende und tote Fische, Krebse, Amphibien, Würmer, Muscheln, Wirbellose, teilweise sogar Pflanzen, gelegentlich auch kleine Wasservögel und Säugetiere.
 
Für die wärmeliebenden Fische ist die Nahrungsaufnahme sehr temperaturabhängig, sie wird ab Temperaturen unter 7 Grad fast völlig eingestellt. Die kleinen Augen des Wallers spielen bei der Jagd kaum eine Rolle, dafür besitzen sie einen sehr ausgeprägten Geruchs- und Geschmackssinn. Auch das Gehör ist extrem empfindlich, was man beim gezielten Angeln auf Wels durch Lärmvermeidung unbedingt beachten sollte. Ein empfindlicher Tastsinn befindet sich auf Barteln, Unterkiefer und dem Seitenlinienorgan.
 
Welse laichen abhängig von der Wassertemperatur, jedoch nicht unter 18 Grad Celsius meist im Mai / Juni. Die Männchen bereiten dazu einen ufernahen Laichplatz vor, meist eine geschützte Grube in nur 40-60cm Wassertiefe. Erscheint ein Weibchen, erfolgt die Paarung und die Eiablage, zumeist in den Abendstunden. Pro kg Körpergewicht des Weibchens werden etwa 20 000 -25 000 Eier produziert.
 
Welse wachsen recht schnell, wobei das Hauptwachstum in den warmen Frühlings- und Frühsommermonaten stattfindet. Im ersten Jahr kann je nach Wassertemperatur und Nahrungsangebot eine Länge von 20-30cm und ein Gewicht von 500gr erreicht werden. Einen Meter erreicht der Wels etwa im Alter von 6-7 Jahren. Größe und Gewicht können je nach Region und Klima sehr unterschiedlich ausfallen, ebenso die Geschlechtsreife, die vom 4. bis 9. Lebensjahr variieren kann.
 
Abhängig vom Lebensraum erreichen Waller durchschnittliche Längen von 100 bis 150cm bei einem Gewicht bis zu 50kg. Welse wachsen in ihrem Leben ständig weiter, deshalb werden sie unter günstigen Bedingungen auch wesentlich größer und schwerer. Sie sind auch gegenüber Verschmutzungen des Gewässers und niedriger Sauerstoffkonzentration relativ unempfindlich – ein Umstand, der die Ausbreitung sehr begünstigt.
 
Schon aufgrund des sehr breiten Nahrungsspektrums haben Welse in ihren angestammten Gewässern einen relativ geringen Einfluss auf den Bestand wirtschaftlich interessanter Fischarten. Würden Welse – die nicht kannibalisch leben – zu wenig Nahrung vorfinden, würde sich die Population anpassen – entweder durch geringere Laichtätigkeit oder aber es würde weniger Nachwuchs durchkommen. Dort, wo er schon immer heimisch war, hat er sich in seinem Lebensraum eingerichtet und findet offenbar gute Lebensbedingungen vor.
 
In Spanien (Ebro) und Po (Italien) leben sehr große Welsbestände bei gleichzeitig sehr hoher Fischdichte und Vielfalt anderer Arten im gleichen Gewässer. Diese Waller kamen dort nicht vor, sie wurden – teils illegal – besetzt. Der Zander wurde erst ca. 10 Jahre nach dem Waller in Spanien besetzt und hat sich trotz der großen Wallerbestände fast explosionsartig vermehrt. Auch Karpfen und andere Fischarten fühlen sich in der Nachbarschaft zum Waller offensichtlich pudelwohl. Wie kann das sein, wenn Walli angeblich alles verschlingt was ihm vor sein großes Maul kommt ?
 
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Es gab schon verschiedene Untersuchungen über das Fressverhalten der Waller, die erstaunliche Fakten lieferten. Natürlich lebt auch ein 2m-Waller nicht von Luft und Liebe, aber eben nicht nur von Fischen – siehe oben. Die Verdauung der Welse läuft so langsam und effektiv ab, dass er selbst bei 15 Grad Wassertemperatur 4 Tage braucht um seine Nahrung zu verdauen. Zum Nahrungsbedarf wurden schon viele Zahlen – oftmals auch falsche – veröffentlicht und ich möchte mich an diesen Zahlen auch nicht orientieren. Der Waller ist jedenfalls ein sehr guter Futterverwerter und relativ genügsam.
 
Welse sind heute in Deutschland fast in allen Gewässern verbreitet. Durch Wanderungen in den Flüssen und Besatz in den Seen ist ein guter Bestand herangewachsen. Für uns Angler bedeutet dies, dass wir mittlerweile in vielen Gewässern gezielt auf Waller fischen können. Während der Waller noch vor wenigen Jahrzehnten anglerisch in Deutschland bedeutungslos war, lebt heute ein erheblicher Teil der Angelindustrie davon. Wallerangler haben in Deutschland fast die Zahlen der Karpfenangler erreicht. Durch das gezielte Welsfischen und die z.T. kapitalen Fänge in deutschen Gewässern wird natürlich der Eindruck der massenhaften Vermehrung nochmals erhärtet.
 
In bestimmten Rheinabschnitten, auch an Neckar, Saar und Mosel die sehr gute Wallerbestände haben, haben sich z.T. sogar die Fangzahlen von anderen Fischen wie Brassen, Zander, Barsch oder Barben erhöht. Die Wels-Population hat diesen Beständen offensichtlich kaum geschadet. Im übrigen reduzieren junge Waller auch die ungeliebten Grundeln ganz erheblich.
 
Hier noch ein paar Hinweise zu Fanggerät und Fangmethoden: Sehr beliebt ist die Bojenmontage, die jedoch meistens vom Boot aus in größeren Seen zum Einsatz kommt. Weiterhin kann der Wels mit einer Posenmontage oder mit einer Grundmontage gefangen werden. Alle Komponenten müssen sehr stabil ausgelegt sein – am besten auf den größten zu erwarteten Fisch. Hier noch ein paar gängige Wallermontagen.

Beim Spinnfischen kommen Wobbler, große Blinker oder Gummifische zum Einsatz. Die Ruten sollten ein Wurfgewicht von 150-400gr haben, möglichst mit durchgehender Aktion. Ruten haben meist eine Länge von ca. 3,60m, Bootsruten ca. 2,40m. Spinnruten sollten eine Länge zwischen 2,4m und 2,7m Meter haben. Auch eine stabile Rolle mit starker Bremse ist an allen Ruten Pflicht.
 
Dem Wels werden viele sagenhafte Geschichten, Mythen und negative Verhaltensweisen angedichtet, die einfach nicht zutreffen. Welse greifen keine Menschen an und auch Fifi wird beim Gassigehen überleben. Der Waller leidet nun unter den Fehlern, die der Mensch verursacht hat. Falsche Besatzmaßnahmen, illegaler Besatz, Kormoran, Überfischung der anderen Fischarten uvm. – dies alles muss nun der große Räuber ausbaden … Angler wollen Fische fangen und bei auftretendem Fischmangel sucht man Gründe – hier gerät der Waller sehr schnell und oftmals unbegründet in Verdacht.
 
Manche Angelvereine und Gewässerpächter lassen deshalb heute aus Angst und Unwissenheit jeden gefangenen Waller abknüppeln, Größe und Gewicht spielen dabei keine Rolle, oftmals herrscht eine Entnahmepflicht. Man darf berechtigte Zweifel äußern, ob ein solches Verhalten mit dem Tierschutzgesetz und den Fischereiverordnungen vereinbar ist.
 
Sehr oft zieht man aber auch falsche Schlussfolgerungen aus den – oft zweifelhaften – Fangstatistiken. Ein Fischbestand mit gutem Nahrungsangebot bedeutet, dass viele Fische keinen Hunger haben bzw. nicht auf die angebotenen Köder beißen. Weniger Bisse, weniger Fische – Schlussfolgerung: Schlechter Fischbestand.
Ein Fischbestand mit geringem Nahrungsangebot bedeutet, dass fast alle Fische Hunger haben und die angebotenen Köder nehmen. Schlussfolgerung: Guter Fischbestand … nur so viel zu Fangstatistiken und deren Wert bezüglich der Fischdichte in einem Gewässer. Für solche Fehleinschätzungen kann man den Waller nicht verantwortlich machen.
 
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Wer natürlich in einen 1ha-Tümpel Waller einsetzt, muss auch mit den Folgen leben, dann wird er die gerufenen Geister nicht mehr los. Der Wels wird für vieles Negative am Angelwasser verantwortlich gemacht. Dabei haben gerade solche Vereine, die nun die größten Probleme mit einer angeblichen Überpopulation haben, den Wels oftmals in völlig ungeeignete Gewässer besetzt – in denen er natürlich auch Schaden anrichten kann. Sie werden ihn nun nicht mehr los, er wird zur Gefahr, er ist nicht mehr zu vertreiben – und schon gar nicht mit der Angelrute …
 
Ich hoffe, ich konnte euch unseren großen Räuber etwas näher bringen und ein paar Einblicke in seinen Lebensraum und seine Lebensweise vermitteln. Silurus glanis nutzt lediglich die häufig durch Menschen verursachten Fehler um in unseren Gewässern heimisch zu werden bzw. zu bleiben – und aus seiner Sicht ist dies völlig in Ordnung …
 
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Gruß und Petri Heil H.Günter
 

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