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Mrz 01

Der erste Versuch auf Lachs

Es war 1990, irgend jemand war auf die Idee gekommen, einen so genannten Familienurlaub vom Zaun zu brechen. Familienurlaub bedeutete: gemeinsamer Urlaub mit den Geschwistern meiner Frau, nebst deren Anhängsel. Nach kurzem Überschlagen kam man dann auf 16 Personen, diese sollten nun möglichst in ein Ferienhaus verpackt werden, da ist dann die Auswahl schon etwas begrenzt.

Es war 1990, irgend jemand war auf die Idee gekommen, einen so genannten Familienurlaub vom Zaun zu brechen. Familienurlaub bedeutete: gemeinsamer Urlaub mit den Geschwistern meiner Frau, nebst deren Anhängsel. Nach kurzem Überschlagen kam man dann auf 16 Personen, diese sollten nun möglichst in ein Ferienhaus verpackt werden, da ist dann die Auswahl schon etwas begrenzt. Eine Nachsuche bei einem Reisebüro ergab ein Ferienhaus in Dänemark, irgendwo im Nichts südlich der Stadt Ribe in Dänemark, es gab auch einen Prospekt. Beim Studium dieses Faltblattes entdeckte ich eine winzige Bemerkung von einem Angelrecht auf dem privaten Grundstück des Vermieters, eine Nachfrage um mehr Informationen beim Reisebüro ergab nichts.

Also versuchte ich mich selbst zu informieren, mit Landkarten, Zeitschriften und Sonstigem.

Ich fand tatsächlich – wohl eher durch Zufall – etwas. Die dort getroffenen Aussagen wie „Ribe Vesterau, einer der besten Lachsflüsse Dänemarks“ ließen meine Augen leuchten. Auch die Tatsache, dass damals dort im Februar auf Absteiger und Grönländer geangelt werden durfte, gab zusätzlichen Auftrieb.

Nach einigen Wochen war es dann soweit, es sollte losgehen, pünktlich veränderte sich das Wetter, es begann zu regnen, was es auch nur so regnen konnte, die Gewässer in Deutschland traten über die Ufer, wie zum Beispiel der Rhein.

Nachdem ich mein Angelzeug neben dem üblichen Urlaubsgepäck im Auto verstaut hatte, was meiner Frau, die eigentlich sehr duldsam in dieser Beziehung ist, doch einige Bemerkungen , wie „Muß die olle Wathose wirklich mit?“ entlockte, ging es los.

Ribe ist ja nun nicht allzu weit weg, man braucht von Schwerin gute 3 Stunden.

Ribe war schnell erreicht, die Suche nach dem Ferienhaus dauerte fast ebenso lange, da es wirklich sehr versteckt lag und die Wegbeschreibung graulich schlecht war, dafür war das Haus wirklich Klasse.

Nach den üblichen Stadtbesichtigungen, dem Besuch der Riber Feuerwehr, weil mein Schwager auch Feuerwehrmann in Güstrow ist und Güstrow eine Partnerstadt von Ribe ist, begann ich mich auf die Suche nach dem Fischereirecht zu machen, welches auf den Prospekt stand.

Nach ein paar Telefonaten kam der Vermieter tatsächlich vorbei und beschrieb mir den Weg. Die angegebene Viehkoppel fand ich recht schnell, kam aber nicht weit. Auch dieser Fluss hatte Hochwasser, ich stand vor einem großen See, aus dem ab und zu ein paar Koppelzäune auftauchten. Nach 200 Metern vorsichtigen Anwatens erreichte ich eine Stelle, wo in der Mitte Strömung vorhanden war, da musste also der Fluss sein. Die Beanglung der trüben Lehmbrühe mit der Spinnrute verlief ergebnislos, war meiner Meinung nach auch völlig sinnlos.

Ich stellte weitere Angelversuche ein.

Wie schon gesagt, so weit weg war Ribe nun gar nicht, also machte ich mich im Herbst mit einem Angelkumpel erneut auf , meinen ersten Lachs auf die Schuppen zu legen.

Es war herrliches Wetter, kein Hochwasser und angeblich allerbeste Beißzeit.

Allerdings gingen wir diesmal an eine andere Strecke des Flusses, nach dem Kauf der Angelkarte ging es nach dem dort verzeichneten Wegeplan zu einem Parkplatz des Riber Angelvereins, dort standen schon einige Autos, darunter ein silbriges, etwas angegriffenes Fahrzeug aus französischer Produktion, das mir sehr bekannt vorkam. Ein Blick auf das Nummernschild brachte Klarheit: Fränki, der alte Fischräuber, war auch hier.

Natürlich steckte wie so oft sein Autoschlüssel im Schloss der Heckklappe, ich nahm also den Schlüssel und brüllte ein lautes „Fränki!“ über die Viehkoppeln.

Tatsächlich tauchte nach wenigen Augenblicken eine Gestalt an der Uferböschung auf, Fränki, er begrüßte mich mit den Worten „Du hier und nicht im Zoo?“

Nach kurzem Smalltalk und Schlüsselübergabe beschlossen wir, den Fluss auf getrennten Wegen fischleer zu machen.

So liefen wir also stundenlang am Ufer herum, warfen pausenlos, vergaßen das Essen und Trinken, ohne jeglichen Fischkontakt. So gegen Abend war ich wieder in der Nähe des Parkplatzes angelangt, dort war eine sehr schöne Kurve. Ich beschloss, da zu bleiben.

Nun hatte ich ja keine Ahnung von dem Gewässer und wusste nichts von dessen Gegebenheiten und auch nicht von den Auswirkungen der automatischen Schleuse vor der Mündung. War diese geöffnet, senkte sich der Wasserstand erheblich, die Strömung wurde dann sehr schnell. Daß das die eigentlichen Beißzeiten waren, wusste ich damals nicht. Das war auch nicht weiter schlimm, es biss auch zu diesen Zeiten nichts, allerdings waren einige große springende Fische auszumachen.

Es wurde langsam dunkel, da nahte eine Gestalt, es war ein älterer Angler aus Hamburg, er war für seine 74 Jahre allerdings noch sehr gut drauf.

Wir kamen ins Gespräch, er war mit seinem Sohn und einigen seiner Kumpels da und hatte vom ganztägigen Gehen und Stehen so langsam Kreuzschmerzen, ehrlich gesagt, mir ging es nicht besser. “ Weißt du was, ich bring jetzt Fliegen- und Spinnrute ins Auto und setze mich hier mit der Grundrute hin, hier gibt’s recht viele Aale!“

Nach wenigen Minuten kam er also mit der Grundrute zurück, an der einfachen Laufbleimontage segelte ein Tauwurm in eine kleine Drehströmung knapp 1 Meter von Ufer entfernt, die Schnur lief von der Rolle und lief und lief, immer schneller. Verdutzt schauten wir also der laufenden Schnur zu, erst mal unfähig zu reagieren.

Dann klappte der Bügel zu und ein Anhieb wurde gesetzt, die Antwort kam prompt mit einem gewaltigen Wasserschwall, nach recht herzhaftem Drill kam eine schon völlig eingefärbte Lachsdame von immerhin 98cm Länge ans Ufer, der Haken saß im Maulwinkel, glücklicherweise nicht tiefer, und ließ sich leicht lösen. Langsam glitt der Fisch wieder davon.

Es gab also tatsächlich Lachse in dem Fluss!

Am nächstem Morgen waren wir wieder vor Ort. Wir beschlossen gleich an der Kurve zu bleiben und diese zu dritt zu befischen, also Fränki, mein Kumpel und ich, sie war ja groß genug.

Fränki testete seine neue Zweihandrute, nach einigen recht heiteren Wurfeinlagen sauste seine Tubenfliege dann aber recht sicher über den Fluss. Beim zweiten Durchtrieb kam er fest, die Rute bog sich bedenklich, der Fisch sauste immer hin und her, aber irgendwie komisch, nach eine Weile Zottelei erschien einer der sehr seltenen Nordseeschnäpel am Ufer, gehakt an der Rückenflosse. Die Tiere sind ganzjährig geschont, was uns ein dänischer Angler am anderen Ufer lautstark, aber schwer verständlich sofort mitteilte. Als der Fisch wieder im Wasser war, winkte er freundlich.

Dann folgte ein tolle Woche völlig erfolglosen Fischens, auch wurde das Wetter wesentlich dänischer, also starker Wind und Nieselregen.

Am Abreisetag beschloss ich, allein nochmals einige Stunden an den Fluss zu gehen. Fränki war schon am Vortag abgereist, mein Kumpel wollte in die Stadt, was für seine Frau kaufen.

Am Fluss pfiff mir der Westwind ins Gesicht, es war ziemlich kalt, aber es war glücklicherweise trocken. Die Schleuse war offen, die Strömung stark, ich verzichtete auf die Fliegenrute und nahm die Spinnrute. Der schwere Reflexspinner kam kaum gegen den Wind an. Beim dritten oder vierten Wurf hatte ich Fischkontakt, ich konnte eine knapp maßige Meerforelle landen, nach wenigen Minuten folgte eine weitere, schon etwas größer, so um die 60 cm. Dieser sollte noch eine weitere folgen, etwa in gleicher Größe.

Diese drei Fische sollten die bisher einzigen Salmoniden aus der Ribe Vesterau sein, die ich bisher fing, und ich war noch recht oft da. Einen Lachs fing ich dort nie, obwohl zu manchen Zeiten wirklich viele Fische im Fluss waren, was man an den Sprüngen deutlich sehen konnte. Teilweise war es so, dass uns die Fische nass gespritzt haben – beißen wollte keiner.

Wolfgang

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