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Mrz 09

Erlebnisse mit einem Oldie

Der 85 jährigen Geburtstag des Lebensgefährten meiner Schwiegermutter stand an. Was schenken???
Durch Zufall erfuhren wir, dass er als Soldat in Holstebro stationiert war und die teilweise noch heute erhaltenen Bunker mit Fernmeldetechnik ausgestattet hat

Der 85 jährigen Geburtstag des Lebensgefährten meiner Schwiegermutter stand an. Was schenken???
Durch Zufall erfuhren wir, dass er als Soldat in Holstebro stationiert war und die teilweise noch heute erhaltenen Bunker mit Fernmeldetechnik ausgestattet hat. Schon stand unser Geschenk fest.
14 Tage Dänemark – mit uns.
Oh je ! Was haben wir damit nur angerichtet?
Von da an stand bei uns das Telefon nicht mehr still. Zweimal die Woche wurde angerufen und gefragt, was sollen wir einkaufen, was sollen wir mitbringen.
Es war uns nicht möglich Ihnen beizubringen, dass sie eingeladen waren und ließen sie gewähren.
Endlich war es so weit.
Ich hatte einen Anhänger – Kastenwagen- geliehen und unsere Utensilien, alles was 4 Personen und Hund für 14 Tage so benötigen, eingeladen.
Ein Tag vorher reisten die Oldies an – wurden angeliefert.
Ach du meine Güte – Klamotten fast keine aber, Verpflegung, Verpflegung, Verpflegung ….. Wo haben die Beiden im Fahrzeug nur gesessen. Ich war sprachlos.
Gott sei dank war der Anhänger groß genug,

Am anderen Morgen ging es dann los . Mit ein paar Pausen ereichten wir ohne Zwischenfälle unser Urlaubsziel.

n den ersten Tagen wurden die Wirkungsstätten des alten Herren -Besichtigung der Bunker, Holstebro wo er Quartier hatte u.s.w.- abgehandelt.

Endlich ging es zum Angeln. Da gestand mir mein Senior, dass er noch nie im Leben eine Angelrute in der Hand gehabt hat. Deshalb machten wir vor dem Haus Trockenübungen, bei denen er sich gar nicht einmal ungeschickt anstellte.
Nach einer schlaflosen Nacht seinerseits, fuhren wir zum Sondervig Put und Take Teich. Ich habe diesen Teich ausgesucht, weil er frei von Hindernissen ist und auch gut mit großen Forellen besetzt wird.

Nachdem wir die Tageskarten gelöst hatten wurden die Angeln ausgeworfen. Kaum war das geschehen, ich konnte es nicht glauben, verschwand die Wasserkugel meines Seniors und gemeinsam holten wir, er vor Aufregung dem Herzinfarkt nahe, seine Erste im Leben selbst gefangene Forelle aus dem Teich.

In kürzester Zeit fing er so 5 Forellen. Das gemeinsame Landen dieser Fische ging recht lautstark von statten, so das andere Angler mir böse Blicke zuwarfen und mich anmachten; ich solle den alten Mann nicht immer anbrüllen. Ich, immer noch Schneider, griff in meiner Verzweiflung jetzt zur Blinkerrute und versuchte auf der anderen Teichseite mein Glück. Während ich dort blinkerte sah ich, dass mein Oldie wieder ein Biß hatte, dieses aber anscheinend nicht bemerkte. Gott sei Dank war die Bremse richtig eingestellt. Andere Angler versuchten durch Zurufe meinen Senior auf den Biß aufmerksam zu machen. Vergebens! Er saß da auf der Bank und rührte sich nicht. Da er keinerlei Anstalten machte den Fisch zu landen, liefen nun 2 Angler zu meinen Senior hin. Als der Erste ihn an der Schulter berührte schreckte dieser hoch, so daß er fast ins Wasser fiel.
Zu Dritt holten sie seine 6. Forelle an Land. Ich fand diese Hilfsbereitschaft richtig gut, es hätte ja auch etwas passiert sein können!
Mein Angelopa war doch tatsächlich, während er die Wasserkugel beobachtet, eingeschlafen und hatte, wie die ganze Zeit auch schon vorher, sein Hörgerät ausgeschaltet, weil dieses durch den Wind telefonartige Pfeiffgeräusche verursachte.
Von jetzt an konnte ich, ohne böse Blicke und Anmerkungen der Anderen, mich etwas lautstärker mit ihm unterhalten.
Insgesamt fingen wir 9 Fische (7:2) .Von da an waren wir jeden 2. Tag am Angelteich zu finden, denn unsere Frauen wollten auch noch etwas von uns haben.

Wir waren recht erfolgreich und ihr dürft nur einmal raten wer die meisten Fische an Land gezogen hat. Einige davon haben wir gleich verwertet.

Seitdem muss ich mindestens einmal im Jahr mit ihm zum Angeln gehen.

Ein paar Jahre sind ins Land gegangen, meinen Oldie mittlerweile 89 Jahre alt hatte ich wieder mal für einige Tage zu uns eingeladen.
Auf die Frage was wir an den kommenden 2 Tagen unternehmen wollen, kam wie aus der Pistole geschossen – angeln.
Vorweggenommen wir fuhren zu einem nahgelegenen nicht sehr großen und tiefen Forellensee. Durch das warme Wetter war der Teich kurz vor dem umkippen. Während ich mich mit meinen Ruten abmühte, fing mein Oldie 6 Forellen – zugegeben nicht sehr Waidgerecht mit dem Kescher –war mir egal – Hauptsache er war beschäftigt.

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Meine Regierung verriet ihm dann , dass es am nächsten Tag seine Lieblingsessen – Haxe mit Sauerkraut und Knödel – gibt. Ich hoffe, euch läuft das Wasser im Munde zusammen.
Doch wir glaubten nicht richtig zu hören, wir trauten unseren Ohren nicht, als er sagte in meinem hohen Alter kann man nicht mehr soviel essen.
Am anderen Morgen nach dem Frühstück –er 3 gut belegte Brötchen mit reichlich Kaffee, fuhren -Opa, Hund und ich- von meiner „Regierung“ für einen langen Angeltag mit Proviant bestückt, zu den besagten Forellensee.
Punkt 9 Uhr verlangte dann mein Oldie nach einer Tasse “ Heißen „(Kaffee) und verspeiste so nebenbei 2 doppelte Scheiben Brot.
Pünktlich 2 Stunden später, man konnte die Uhr nach stellen, die gleiche Prozedur. Nur das diese 2 doppelten Stullen meine waren.
Zwischenzeitlich war es Punkt 13:00 Uhr geworden, da sah ich wie er in der Proviantbox wühlte, sich Kaffee einschenkte und noch einmal 1 Stulle, mit
den Worten –sogar geschnitten -, in sich reinmümmelte.
Ich habe ihm bis heute nicht verraten, dass dieser Proviant für den Hund bestimmt und mit Hundwurst belegt war.
Er hat es überlebt – ist mittlerweile 91 Jahre alt.
Gegen 15:00 Uhr beendeten wir den Angeltag. Zu Hause schnell geduscht u. umgezogen, denn wir waren für 16:00 Uhr bei der Tochter eingeladen. Um es kurz zu machen, mein Oldie vertilgte zu ein paar Tassen Kaffee eine ¼ Sahnetorte einer bekannten Großbäckerei.
Durch diese nicht eingeplante Einladung verzögerte sich das Abendessen etwas.
Vielleicht war die längere Wartezeit ja der Grund, warum mein Hund Tränen in den Augen bekam, als er den blanken Haxenknochen sah. Von den dazu verspeisten Knödeln will ich gar nicht erst reden.

Ja, im hohen Alter kann man nicht mehr viel essen, oder?

Oldman

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