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Jan 18

Fehmarn – eine Insel für Angler

Im Grunde stand das Angeln gar nicht so im Vordergrund bei diesem Urlaub. Ein paar schöne Tage mit den Kindern sollten es werden und ist es auch geworden. Trotzdem kann man sich auf der Insel Fehmarn dem Angeln nicht entziehen und weil das Hobby nun mal mehr als nur im Blut steckt, waren die Angelsachen (zumindest die Spinnklamotten) natürlich im Auto verstaut.

Der erste Angelausflug:

Keine 24 Stunden nach der Ankunft war es dann soweit. Ich plante eine Abend- und Nachttour mit der Spinnrute in der Ostsee. Eben noch Abendbrot gegessen und ab ins Auto. Ziel sollte das Staberhuk sein und obwohl der Marsch vom Parkplatz an der Radarstation bis zum Leuchtturm sehr beschwerlich ist (besonders mit Wathose) laufe ich dort immer wieder gerne entlang. Am Huk angekommen war ich aufgrund des Wolkenbruchs der Einzige und das sollte den Abend über auch so bleiben. Dank der Wathose und der Regenjacke blieb ich doch relativ trocken und es war Beißwetter. Mäßiger warmer Wind aus West und ein Wolkenbruch ging gerade vorüber. Was will man mehr dachte ich.
Die ersten Würfe brachten gleich zwei Bisse, die aber nicht gehakt werden konnten und mit der Zeit stellte sich heraus, daß ich einen Schwarm Hornhechte ausfindig gemacht hatte. Ich sah sie am flach und schnell geführten Hansen Flash in grün-weiß nur so aus dem Wasser springen und ab und zu nur ein kurzer Ruck und trotzdem der Anhieb hundertstel Sekunden später kam, war kein rankommen.
Doch plötzlich, was war das ein völlig untypischer Biss für die letzte Stunde und nach ein paar Fluchten kam eine wunderbar gezeichnete Meerforelle von gerademal 25cm zum Vorschein. Vorsichtig gelöst ein kurzer liebevoller Blick auf diesen wunderschönen Fisch und ein Dank, daß ich heute nicht als Schneider nach Hause gehen sollte und zurückgesetzt.
Danach ging die Krux mit den Hornhechten weiter und ich musste mir etwas einfallen lassen. Ich nahm den schärfsten und kleinsten Drilling, den ich hatte, knüpfte diesen an etwa 5 cm monofile Schnur und diese an einen heringsfarbenen Spöket in 18g. Der Drilling saß also jetzt erheblich weiter hinten und ich erhoffte mir den Spielkameraden jetzt ein wenig näher zu kommen und was soll ich sagen. Drei Würfe, Ruck, Anhieb und da war er, mein erster Hornhecht meines Lebens mit 65cm. Weitere 10 Würfe brauchte ich für den zweiten (auch 65 cm) und als ich so richtig loslegen wollte, wurde es durch Wolken und Steilküste sehr rasch sehr dunkel und da Hornhechte Sichträuber sind war plötzlich Schluss.

Mit der Dunkelheit drehte auch der Wind und kam jetzt von vorne. Die Wellen wurden höher und das heran geschwemmte Kraut wurde immer mehr. Nach einer weiteren Stunde war der Blinker und auch der Spöket bei jedem Wurf mit Kraut verhangen und ich beschloss, den ersten Versuch in diesem Urlaub zu beenden. Der Marsch zurück war unter dem Mond entlang der Steilküste toll und der eine Hornhecht hat am nächsten Tag sehr gut geschmeckt (die grünen Gräten machen sich super auf einem weißen Teller – ist bestimmt nicht Jedermanns Sache).

Der zweite Angelausflug:

Wieder sollte es ein Abend werden. Um 20:00 Uhr am Wasser (an einer anderen Stelle), nach 1,5 h wurde es dann auch dunkler und da ich bis dahin keinen Biss hatte, hoffte ich nun auf Dorsche, die in der Dunkelheit aus dem tiefen in das flache Wasser kommen. Zur besten Dämmerungszeit jedoch begann sich ein Mega Gewitter auf See zusammenzubrauen und ich zählte 14 Sekunden Abstand. Als dann nach 15 Minuten aus 14 Sekunden nur noch 7 geworden waren und die Blitze wirklich beängstigend aussahen und der Donner immer lauter wurde, beschloss ich, die Angelsession für diesen Abend abzubrechen. Kein Fisch der Welt ist es wert, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen und schon gar nicht mit den Hüften im Wasser mit einer Kohlefaserrute in der Hand während eines Gewitters.
Also, an diesem Abend keinen Biss.

Der dritte Angelausflug:

An diesem Abend wollte ich die Sache etwas mehr mit Konzept angehen. Habe daher akzeptiert, daß die Meerforellen durch die Hornhechte doch recht genervt sind und am Tage zur Zeit eher weniger in den flachen Bereichen zu finden sind. Ich wollte im Dunkeln fischen und bin daher erstmal um 20:00 losgezogen und ohne Rute auf der Steilkante gelaufen, um im letzten Tageslicht von oben eine gute Stelle zum Spinnen zu finden. Gesagt getan: Eine kleine Riffzunge gefunden, die auf der einen Ausläuferseite eine Rinne aufwies und der Untergrund fast keinen Sand hergab, sondern nur Seegrasfelder und große Steine besaß. An der Stelle unten angekommen gleich rein und ein paar Probewürfe. Die Nachläufer an Hornhechten waren immer noch da und auch gut zu sehen und ich beschloss, sie in Ruhe zu lassen und noch etwas zu warten auf die Dunkelheit.

Ich fing dann etwa 21:15 an zu spinnen. Um Punkt 22:00 dann tatsächlich der erste Biss in voller Wurfweite von 60m. Der erste Dorsch des Urlaubs mit 40cm Länge. Danach ging es 30 Minuten Schlag auf Schlag. Immer wieder Bisse, die immer näher ans Ufer rückten und als es ziemlich dunkel war, kamen die Fische auch in 10m Entfernung zum Biss. Plötzlich war wieder Schluß und ich wollte gerade aufhören als die Wolkendecke aufriss und der Vollmond in voller Pracht die Nacht zum Tage machte. Was soll ich sagen, die Beißzeit begann wieder und als ich um 0:00 Uhr die Heimreise antrat, konnte ich insgesamt 10 Dorsche in Größen zwischen 33 und 45 cm verzeichnen. Zugegebener weise keine Riesen, aber trotzdem gut im Drill (besonders im Dunkeln) und das Maß liegt ja auch bei 38cm. Es war ein wirklich toller Abend mit einer tollen Kulisse inklusive Vollmond, der durch die Spiegelung im Wasser eine Taschenlampe komplett sinnlos werden ließ. Für mich ein wahre Sternstunde in diesem Jahr. Als Köder habe ich den ganzen Abend einen rot-schwarzen Meereswobbler in 20g Marke Eigenbau benutzt.

Zu dem Thema Mindestmaß möchte ich noch eines anmerken: das Heraufsetzen des Mindestmaßes von 35 auf 38cm im letzten Jahr ist mehr als sinnvoll. Der Unterschied eines 35cm Dorsches gegenüber eines 38cm Dorsches ist unverhältnismäßig groß in Umfang und Gewicht (tolle Maßnahme).

Der vierte Angelausflug:

Bei dem hiesigen Grillfest habe einen Anglerkollegen aus Westfalen kennengelernt und wir sind am nächsten Abend zusammen los gewesen. Andere Stelle, etwas anderes Wetter (ein wärmerer Tag gewesen, aber am Abend zog kühler Nebel auf). Das Ergebnis war daher auch nicht wirklich erfolgreich mit jeweils 2 kleinen Dorschen und zwei Aussteigern. Keine Meerforelle gesehen. An so einem Tag ist man sich nicht sicher, ob es an dem Stellenwechsel lag oder doch am Wetter oder woran auch immer.

Der fünfte Angelausflug:

Dieser Tag sollte richtig gut werden. Der Westfale hatte sein Boot, ein Faltboot, mitgebracht und wir sind trotz strahlendem Sonnenschein über Nachmittag auf die Ostsee gefahren.

Rote und grüne Pilker mit Beifänger aus japanrotem Twister. Das Echolot zeigte eine Kante von 14 auf 19 m und es waren tatsächlich immer mal wieder Fische beim Driften auf dem Schirm zu sehen. Dann kamen auch die Bisse und wir fingen die ersten Dorsche alle auf den Twister – Beifänger (später auch auf Pilker). Ich hatte mich trotz der 19m für das etwas feinere Pilken mit 35g-Pilker entschieden und es stellte sich heraus, dass diese Methode mit langsamen kleineren Sprüngen am erfolgreichsten war. Die anderen „Touristen-Boote“, die immer mal wieder um uns gesehen wurden, hatten dagegen eine recht grobe Angelweise aufzuweisen; sie rissen die Pilker mit einer Wucht nach oben und ließen ihn komplett wieder fallen (so wie es auf den „Reißer-Pilk-Videos“ immer wieder zu sehen ist). Ich habe nicht einmal gesehen, dass die etwas gefangen hätten. Wir setzten immer mal wieder um und zum Teil waren wir 2 km von der Ostküste Fehmarn entfernt.
Das Ergebnis: insgesamt 12 Dorsche für mich und 15 Dorsche für meinen Kapitän. Es waren nicht alle mäßig (Mindestmaß = 38cm), aber mein größter war 62cm und der Durchschnitt lag bei etwa 48cm.

Es war ein toller Tag, nur der Sonnenbrand auf den Handrücken schmerzt immer noch.

Das war dann auch der letzte Auftritt in diesem Urlaub mit der Angelrute auf Fehmarn und ich bin sehr zufrieden gewesen, auch wenn die Meerforellen sich nicht blicken ließen, aber das war wohl auch kein Wunder aufgrund der Hornhechtschwärme.


Zum Schluss noch ein paar Tipps:
Fahrt Mitte bzw. Ende April bis Anfang Mai los, und wenn der Hornhecht wirklich da ist kann ihn mit Wasserkugel und Heringsfetzen oder einfach mit Maden gut fangen.
Aber auch das Spinnfischen lohnt sich, denn die Wasserkugel ist nicht jedermanns Sache.
Jeder Abend ist anders, die Technik, die an einem Abend erfolgreich war, muss am nächsten Abend schon wieder bewiesen werden.
Es ist allerdings noch hinzuzufügen, dass die Dorschfänge in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen sind, daher sind nur noch selten gute Fänge zu verzeichnen. Als kleiner Trost, die Meerforellen gibt es jetzt wieder in größerer Zahl, in den frühen Morgenstunden wird man oft mit dem Ostseesilber belohnt.
Die Angelshops auf Fehmarn sind mittlerweile sehr gut für die Spinnfischerei von der Küste aus ausgestattet, es gibt eine riesige Auswahl an Farben und Ködern. Jedoch sollte man auf jeden Fall Ersatzausrüstung mitbringen. Denn eine beschädigte Rolle kann einem wirklich den Spaß verderben und gute Sachen kosten Geld!
Ein Besuch im Angelladen lohnt sich übrigens immer, zum Fragen, was zur Zeit womit geht und wenn man Glück hat, werden auch Stellen verraten.
Ich kann den Fehmarn-Angelführer sehr empfehlen, er zeigt im groben die Stellen, auch für Brandungsfischer und in Verbindung einer Fehmarn-Landkarte, findet man die Parkplätze sehr gut.

Viel Spaß, es lohnt sich immer, auch ohne Fisch!

Zanderglück

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