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Mrz 05

Urlaubsbericht aus Irland

Wir waren mal wieder froh, nach langer Autofahrt in unsere Unterkunft anzukommen. Das Haus, das durchaus seinen Charme hatte, lag im Lareen Park. Laut Reiseveranstalter war es „einfach, aber zweckmäßig“, bösartiger hätte man es auch als „renovationsbedürftig, aber bewohnbar“ bezeichnen können. Dicht hinterm Haus floss der River Drowes vorbei, in dem wir als Feriengäste das Recht hatten, auf Lachs zu fischen.

Davon machte ich auch ausgiebig Gebrauch, vor allem vor dem Frühstück, da es ja in erster Linie ein Familienurlaub sein sollte. Um es gleich vorwegzunehmen: es gelang mir in 3 Wochen nicht, einen einzigen Lachs zu fangen, obwohl ich sie oft springen sah und das manchmal so nah, dass ich eindeutig das Grinsen auf Ihren Gesichtern sehen konnte. Besonders an einen relativ warmen dunklen Morgen erinnere ich mich gut, an dem ein Lachs zweimal ganz offensichtlich auf meinen Köder reagierte.
Ich konnte ihn gut sehen, wie er knapp unter der Oberfläche kurz dahinglitt und mit einer Kehre wieder verschwand. Aber näher bin ich nicht an den Erfolg gekommen.

Mehr Erfolg hatte ich bei den Forellen, deren Bestand aber wohl auch nicht so gewaltig war, wie ich nach den ersten Erfolgen vermutet hatte. Die größte von immerhin 44 cm fing ich nämlich praktisch mit dem ersten Wurf stromauf auf einem selbstgebauten Spinner mit schwarz-weißem Weidenblatt. Trotz einigen gewaltigen Sprüngen ging der Drill nicht allzu lang und die Handlandung verlief problemlos. Eine ähnlich große hatte denselben Köder kurz zuvor unterhalb eines Wehres abgeschüttelt, fiel aber am nächsten Tag dann auf eine Toby-Kopie rein. Die Forelle schmeckte uns ganz hervorragend. Weil aber ganz offenbar nicht so viele davon im Fluss waren und der Angeldruck ziemlich hoch schien (auch wenn er meist den Lachsen galt), setzte ich in der Folge alle weiteren Forellen zurück. Der Fluss war aber auch ohne Lachserfolg sehr schön, nicht ganz naturbelassen, aber im Wesentlichen nach mittelalterlichem Standard ausgebaut: viele Schwellen aus Natursteinen und hölzerne, stegartige Uferwege für die Angler.

Barsche im Hechtsee

Nachdem einige halbherzige Versuche, im Lough Melvin eine Forelle zu fangen, erfolglos geblieben waren, fragten wir beim sehr freundlichen Verwalter des Lareen Parks, Shane Gallagher, ob wir das Boot am „Hechtsee“ Glenade benutzen könnten. Ich unternahm dort einen Tagesausflug mit meiner Tochter. Während ich verschiedene Jerkbaits ausprobierte, rüstete ich die 4-jährige mit einer Hegene aus, an der schon bald die ersten Barsche zappelten. Da war sie natürlich mächtig stolz, zumal der Papa, ja mit seinen riesigen Ködern gar nichts fing! Ausdauer war aber nicht ihre Stärke, und so nahm ich dann bald die Hegene, um wenigstens eine passable Vorspeise für die ganze Familie zusammenzufangen, was nicht so leicht war, weil wir die meisten Barsche wegen Winzigkeit zurücksetzten.

Der Höhepunkt war aber wohl die Tatsache, dass das Boot so am Ufer vertäut war, dass wir am Anfang und am Schluss jeweils zuerst die Hosen ausziehen mussten, um es durchs Flachwasser zu ziehen. Mit etwas mehr Ausdauer wären da bestimmt auch noch ein paar Hechte zu holen gewesen, aber die wollen auch in Irland erstmal erarbeitet werden.

Einer der Familienausflüge führte uns dann in den Hafen von Killibegs, wo die größte Fischereiflotte Irlands stationiert ist. Nach einem Familienspaziergang durch den Hafen sahen wir dann einige Kinder, die mit Makrelenpaternostern diversen dorschartigen Babys nachstellten. Schnell war die Angelrute aus dem Auto geholt, mit der Universalwaffe Hegene bestückt und meiner Tochter in die Hand gedrückt. Es dauerte auch nicht lange und sie konnte sich ebenfalls über die Winzlinge freuen, die ich später als Franzosendorsche und Köhler (Pollacks?) identifizieren konnte. Als ihr Enthusiasmus etwas nachließ, schnappte ich mir die Rute und machte mich ans gewagte Unterfangen, eine 3 m lange Paternostermontage mit einer 2,40 m Rute (und Multirolle!) auszuwerfen. Wider Erwarten legten die Köder eine brauchbare Strecke zurück. Im Absinken kam dann plötzlich ein vergleichsweise heftiger Biss, der in einen rasanten Drill überging. Zwar ging der Fisch im letzten Moment noch vom Haken, aber ich erkannte ihn als Makrele.

Ein paar Würfe später noch so ein Biss, ich drücke die Rute schnell meiner Tochter in die Hand und sie kurbelt den Fisch gnadenlos herbei, diesmal bleibt sie hängen und die Freude ist groß. Die anderen Kinder probieren jetzt auch auszuwerfen, aber wir bleiben die einzigen Makrelenfänger. Nachdem wir die Angelsachen wieder eingepackt haben und einen letzten Blick aufs Wasser werfen sehen wir plötzlich einen Seehund, der gemütlich durchs Hafenbecken paddelt.

Til

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