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Jan 15

Das Neunauge / Petromyzontidae

Ein Meister der  Täuschung  für uns, ist das Neunauge (Petromyzontidae)

Flüchtig betrachtet könnte man wirklich davon ausgehen, was sich da im Wasser tummelt wäre ein Aal und somit ein Fisch. Doch weit gefehlt, dies ist nicht der Fall. Zusammen mit den Schleimaalen zählen sie zu den Rundmäulern, eine Urgattung  (Agnatha) der kieferlosen Wirbeltiergruppe die weder über einen Kiefer noch paarige Flossen verfügen.

Neunaugen besitzen ein trichterförmiges  saugfußähnliches  Maul, dieses ist mit Hornzähnen ausstaffiert.  Je nach Art lässt sich durch Stellung, Aufteilung und Anzahl der Zähne die genaue Art bestimmen. Mit ihrer Saugeigenschaft haften sie sich an ihre Beute an. Durch raspeln wird z.B. die Fischhaut verletzt, nach einfließenlassen eines Sekretes, wird beim Beutetier die Blutgerinnung gehemmt und Gewebe zersetzt. Wovon sich das Neunauge ernährt. Die Beutetiere überleben meist den Schmarotzerangriff nicht.

Zu den charaktertypischen Merkmalen gehört weiterhin dass  auf dem Kopf das einzige Atmungsorgan liegt. An den Seiten der schuppenlosen Schleimhaut befinden sich sieben Kiemenöffnungen die mit der Atmungsöffnung zusammen  ‚Neun‘ so genannte Augen optisch ergeben. Kiemendeckel sind beim Neunauge nicht vorhanden. Adulte  Tiere haben zwei Rückenflossen die wie beim Aal in die Schwanzflosse übergehen.

In der Laichzeit wandern die Neunaugen zu bestimmten Gebieten aus. Diese haben kiesige oder mittelsteinige Grundbeschaffenheiten. Dort legen sie ihre Eier in primitive Nester ab welche unter Geröll, alten Wurzeln oder ähnl. gebaut wurden, die sie dann mit Kieselgestein zum Schutze abdecken. Einige Neunaugenarten nehmen im adulten Zustand keine Nahrung mehr auf, diese sterben meist nach dem Laichvorgang.

Sind die kleinen Larven auch Querder genannt geschlüpft, lassen diese sich mit der Strömung in ruhige Gewässerabschnitte treiben. Dort vergraben sich die blinden Querder im Schlick und ernähren sich von Kleinstlebewesen, die durch Wasserverwirbelungen in ihren klebrigen Schlund gelangen, bis ihre Zähne und ihr Saugmaul vollständig entwickelt sind.

Der Übergang  vom Querder  zum adulten Tier ist spektakulär, es entsteht die Saugscheibe mit den Hornzähnen in ca. einer Woche. Die Haut wird silbrig und das durchsichtige verschwindet, bis auf den Kopf. Dieser bleibt durchsichtig um den Tieren das sehen zu ermöglichen. Durch ihre Schmarotzerart waren Neunaugen schon ein Problem, durch Kanalarbeiten gelangten Neunaugen zum ersten Mal  in Nordamerika in die großen Seen, wo sie übel den wirtschaftlich bedeutsamen Fischbestand attackierten. Dem amerikanischen  Seesaiblingbestand wurde arg mitgespielt.

In unseren Breitengraden allerdings haben es einige Neunaugenarten nur bis auf die rote Liste bedrohter Arten geschafft. So kann es zugehen.

Europäische Neunaugen:

Meerneunauge(Petromyzon marinus),  Querder, Kaspineunauge (Caspiomyzon wagneri), Donauneunauge (Eudontomyzon), Donaubachneunauge (Eudontomyzon vladykovi), Ukrainisches Bachneunauge (Eudontomyzon mariae), Arktisches Neunauge (Lampetra japonica), Flußneunauge (Lampetra fluviatillis), Bachneunauge (Lampetra planeri).

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