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Jan 15

Europäische Forelle / Salmo trutta

Die Fischgruppe der Salmoniden ist eine entwicklungsgeschichtlich recht junge Fischgruppe, das zeigt sich in der geringen Differenzierung der einzelnen Arten, verfügen sie doch über viele Gemeinsamkeiten, sei es in der Lebensweise oder im Körperbau.
Bei Salmo trutta handelt es sich um nur eine einzige Art, welche sich in drei Unterarten aufteilt, es handelt sich dabei um die Unterarten:

Mittelmeerforelle – Pontokaspische Forelle – Atlantische Forelle

Die bekannten Formen, Bachforelle – Seeforelle – Meerforelle sind keine Unterarten sondern lediglich verschiedene Lebensformen und können bei jeder der genannten Unterarten auftreten.
So ist die Bachforelle als stationäre Lebensform einzuordnen, während die Seeforelle bereits als Wanderform angesehen werden muß, da sie zum Laichen in geeignete Fließgewässer aufsteigen muß, die Meerforelle ist eindeutig als anadromer Wanderfisch anzusehen.

Aus diesem Grund möchte ich diese interessante Art zusammenfassend in einem Datenblatt behandeln und mich auf die haupsächlich bei uns vorkommende Atlantische Forelle beschränken.

Merkmale:
Forellen besitzen einen torpedoförmigen, seitlich leicht zusammengedrückten Körper, wie alle Salmoniden besitzt die Forelle eine Fettflosse ohne Flossenstrahlen.

Die Zahl der Seitenlinienschuppen beträgt 100 – 130, 13-22 Kiemenreusendornen, 20-59 Pylorusanhänge(blindarmähnliche Darmanhänge), 51-62 Wirbel.
Die Kiefer und das Pflugscharbein [(Platte(5 Zähne) und Stiel(zwei Reihen Zähne)] sind bezahnt.
Bei Jungfischen ist die Schwanzflosse gegabelt, mit zunehmendem Alter vergradet die Hinterkante der Schwanzflosse.

Die Färbung der Jungfische ist bei allen Unterarten und Lebensformen recht ähnlich.

Die Färbung adulter Exemplare unterscheidet sich sehr deutlich, je nach Lebensform und Gewässeranpassung, überhaupt ist Salmo trutta eine recht bildhafte Art, selbst im gleichen Gewässerbereich gibt es oftmals Fische recht unterschiedlicher Färbung.

Wie eng die Beziehungen der Lebensformen ist läßt sich recht gut an Bachforelle und Meerforelle verdeutlichen, so ist es möglich, daß Bachforellenbestände , welche zum Beispiel durch Öffnung der Gewässer im Rahmen von Renaturierungsmaßnahmen, die Möglichkeit dazu bekommen, plötzlich anfangen zu wandern, also die Lebensweise der Meerforelle übernehmen, ebenso kann es vorkommen, daß sich aus einem migierenden Meerforellenbestand ein stationärer Teilbestand bildet, der fortan die Lebensweise der Bachforelle annimmt.
Welche Faktoren für das „Einschalten“ und „Ausschalten“ des Wandertriebs verantwortlich sind, ist noch nicht völlig geklärt.

Bachforelle
Das bekannteste typische Färbungsmerkmal der Bachforelle sind die roten Punkte an den Flanken, diese können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, bei manchen Fischen sind diese leuchtend rot, teilweise mit einem weißlich gelben auch bläulichen Rand umgeben, bei anderen Fischen sind sie winzig klein und nur in geringer Zahl vorhanden, bei einigen Forellenstämmen (meist in Tieflandbächen) sind sie groß, verwaschen und eher dunkelbraun.

Meerforelle
Die Färbung der Meerforelle ist sehr variabel, während ihres Aufenthaltes im Meer sind die Fische meist völlig silbern, die roten Punkte fehlen völlig, dafür sind unregelmäßige schwarze Punkte zu finden, welche teilweise rund, aber auch sehr oft x-förmig sind.
Während der Laichwanderung, bei Kurzdistanzwanderern auch schon vor der Laichwanderung färben sich die Fische dunkel, man sagt sie werden „braun“, die Färbung wird mehr und mehr bachforellentypisch, bei einigen Stämmen ist eine Unterscheidung von der Bachforelle nicht möglich, insbesondere da wo teilwandernde Bestände vorkommen, deren stationäre Formen ebenfalls großwüchsig sind, auch der oft erwähnte Aufbau der Kiemendeckelknochen hilft nicht immer weiter

Seeforelle
Farblich ist die Seeforelle der Meerforelle recht ähnlich, jedoch sind bei ihr auch rötlich braune Punkte feststellbar, auch bei dieser Lebensform ist die Variationsbreite in der Färbung sehr groß.

Lebensräume(atlantische Forelle):

Bachforelle
Ursprünglich lebte die Bachforelle in Europa von Island bis zur Murmanküste, westlich vom Ural bis nach Afgahanistan, Iran, Libanon und im marokkanischen Atlasgebirge. Seit 1864 erfolgte eine weltweite Verbreitung, welche in Tasmanien begann, seither gibt es Bachforellen in den USA und Kanada, Argentinien und Chile, im Himalajagebiet, sowie in Süd – und Ostafrika, nur in Nord – und Zentralasien fehlt die Bachforelle. Die Verbreitung der Bachforelle ist stark mit der englischen Kolonialisierung verbunden.
Die Bachforelle bevorzugt fließende Gewässer mit hohen Sauerstoffgehalt und nicht zu hohen sommerlichen Temperaturen, bewohnt aber auch stehende Gewässer wenn sie ihr zusagen und einen Zufluß mit Laichmöglichkeiten besitzen, hier sind die Abgrenzungen zur Seeforelle fließend.

Meerforelle
Die Meerforelle lebt im europäischen Küstengebiet von Portugal bis zum weißen Meer, einschließlich Island.

Seeforelle
Die Seeforelle findet man von Skandinavien bis zum nördlichen Ural, auf den britischen Inseln inklusive Irland, sowie in den Voralpen – und Alpenseen, durch Besatz auch in anderen geeigneten Gewässern, insbesondere Talsperren.

Größe:
Die Europäische Forelle kann erhebliche Größen erreichen, Fische von über 30kg sind möglich, insbesondere bei der Lebensform Seeforelle, wobei hier der Fangdurchschnitt bei 6 – 10kg liegt.
Meerforellen werden teilweise deutlich über 15kg schwer, ihr Fangdurchschnitt liegt bei 2 – 4kg.
Bei der Bachforelle sind die Maximalgewichte etwas strittig, nach einigen Quellen wird sie weit über 10kg schwer, allerdings stammen die Fänge dieser starken Fische fast ausnahmslos aus stehenden Gewässern, sodaß man hier eventuell von Seeforellen sprechen muß.
Die Bachforelle als maximal 50cm lang werdende Zwergform der Meerforelle zu bezeichnen ist aber unsinnig.
Die Wachstumsgrößen der Bachforelle ist sehr stark gewässerabhängig und wird vom jährlichen Temperaturverlauf und dem Nahrungsaufkommen bestimmt, in manchen Mittelbegirgsbächen werden die Fische schon mit 12 – 13cm geschlechtsreif und erreichen kaum mehr als 25cm Länge, in anderen Gewässern, meist Niederungsbächen werden die Fische hingegen bis zu 80cm lang und über 5kg schwer.

Nahrung:
Die Bachforelle ernährt sich haupsächlich von Kleintieren, seien es Krebstiere, wie Gammariden oder Insektenlarven und Vollinsekten, einige Fische spezialisieren sich auch auf Fischnahrung, werden also zum Raubfisch. Das ist nicht zwingend der Größe der Bachforellen zu zuordnen, sondern hängt stark vom Nahrungsaufkommen der entsprechenden Gewässer ab.
Dabei geht die Bachforelle stark opportunistisch vor, das was mit dem geringsten Energieaufwand und in der größten Menge verfügbar ist wird gefressen.
Die Bachforelle kann , wie kaum ein anderer Fisch zu Nahrungsspezialisierungen neigen, welche genereller oder saisonaler Natur sein können.
Die Meerforelle ernährt sich als Jungfisch genauso wie die Bachforelle, also meist von Kleintieren, im Meer bilden auch weiterhin Krebstiere, wie Gammariden und Wasserasseln sowie Garnelen einen Teil der Nahrung jedoch werden auch Fische gefressen, Tobiasfische, Sprotten und Heringe.
Für die Seeforelle gilt als Jungfisch das gleiche wie für Bach – und Meerforelle, die Fische werden aber zunehmend zum reinen Raubfisch und ernähren sich von Maränenartigen, Weißfischen auch von den kleinwüchsigen Formen des Seesaiblings, gelten sogar als natürliches Regulativ der Saiblingsbestände.

Fangmethoden und Fangplätze:
Bachforellen können mit den verschiedensten Methoden, mit natürlichen und künstlichen Ködern gefangen werden.
Wobei die künstlichen Köder aus hegerischen Gründen bevorzugt werden sollten, bei Verwendung natürlicher Köder wie Würmern, Maden u.s.w. kommt es sehr oft zum Verangeln untermaßiger Fische, da Forellen oftmals sehr tief schlucken und dann kaum noch lebensfähig zurück gesetzt werden können.
Insbesondere dem Fliegenfischen als der schonendsten Art der Fischerei sollte hierbei der Vorrang gegeben werden, beim Spinnfischen sollte auch darüber nachgedacht werden ob man nicht den Drilling gegen einen Einzelhaken austauscht oder zumindest aus dem Drilling einen Doppelhaken macht, man verhindert so das „Vernageln“ sehr wirkungsvoll.
Bachforellen sind im Fließgewässer stark an Unterstände orientiert, das können größere Steine, Totholz und unterspülte Ufer sein, ebenso tiefer Züge und Gumpen, wo sie meist an den Ein – und Ausgängen anzutreffen sind.
Seeforellen halten sich sehr gern im Bereich der Sprungschicht, oft in recht beachtlichen Tiefen auf, als erfolgreichste Methode ist hier wohl das Schleppangeln anzusehen, von Ufer aus hat man meist nur im Frühjahr Chancen mit Spinn – und Fliegenrute und oft erwischt man dabei nur kleinere Fische.
Bei der Meerforelle muß man unterscheiden ob man im Meer fischt, oder während der Laichwanderung im Süsswasser.
Im Meer ist die erfolgreichste Methode das Schleppangeln auch Trolling genannt, es ist zwar eine gute und vor allem bequeme Art der Fischerei, jedoch von umstrittenem anglerischen Wert.
Ansonsten wird der Meerforelle hauptsächlich mit der Spinnrute nachgestellt, insbesondere im Frühjahr, auch Fliegenfischen kann sehr erfolgreich sein, wenn die äußeren Bedingungen stimmen(wenig Wind), dabei wird meist das Watfischen über sogenanntem Leopardengrund(mit Steinen durchsetzter Grund) ausgeübt, die frühen Morgenstunden, sowie die Abenddämmerung sind besonders erfolgversprechened.
Reine Sandgründe sind nicht besonders günstig, besser Gebiete mit vielen Steinen im Wasser, welche man meist vor Steilküsten findet. Als Spinnköder finden schlanke Blinkermodelle oder Brandungswobbler von 15-30g Verwendung.
Als Köder an der Fliegenrute Streamer, Garnelenimitationen, Tangläufer und ähnliches Verwendung, in der Dämmerung auch schwarze Muddler.

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