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Jan 15

Angeln auf Sicht – Mit Schwimmbrot auf Karpfen

Es gibt beim Angeln eine unglaublich große Vielfalt an möglichen Montagen, Gerätezusammenstellungen und Möglichkeiten einen Köder anzubieten. Gerade beim Karpfenangeln stößt man immer wieder auf besonders ausgefeilte Montagen. Was man diesbezüglich heutzutage im Angelladen alles erwerben kann, geht weit über die, vor ein paar Jahren noch neuartigen, „Hair Rigs“, „Boilies“ und „Anti Tangle Tubes“ , hinaus

Doch auch mit diesen, der Theorie nach ja wirklich makellos durchdachten Montagen, haben nicht nur Einsteiger, sondern auch erfahrene Angler öfters Schneidertage. Das ist bitter, gerade auch deswegen, weil diese Geräte meist auch richtig teuer sind. – Aber es gibt eine Montage, an die viele Karpfenangler gar nicht mehr denken: Das Schwimmbrotangeln. Eine sehr kostengünstige Methode welche an Tagen wenn sie denn fängt, unter Garantie mehr Fische auf die Schuppen legt als jede Grundangelei.

Wann und wo habe ich gute Chancen mit Schwimmbrot?
Von Frühlingsanfang bis Ende des Sommers ist die eigentliche Fangzeit. Mit dem einfachen Grund, dass die Karpfen sich in den warmen Wasserschichten ganz nah der Oberfläche aufhalten. Gerade in kleinen Teichen, wo sich das Wasser schnell erwärmt hat man im Sommer beste Voraussetzungen. Wichtig ist auf jeden fall die Sonne. Nach mehreren völlig wolkenverhangenen Tagen wird man wohl kaum Oberflächenkarpfen antreffen. Wenn aber die Sonne von oben auf’s Wasser knallt, sieht man meist sogar in der prallen Mittagshitzegroße Karpfen unmittelbar unter der Oberfläche stehen, wo sie sich sonnen.
Außerdem eignen sich auf jeden Fall Teiche, wo ältere Leute oder auch Kinder, gern Enten füttern. Dort kennen die Karpfen Brot schon genau und man braucht selbst kaum anzufüttern. Schon oft habe ich gesehen wie eine Ente drauf und dran war, sich eine Brotflocke zu schnappen, im letzten Moment aber zurückwich, weil mit einem großen Schwall ein dicker Rüssel das Brot in die Tiefe zog.

Anfüttern?
Ja, und zwar ganz einfach: Brot in 3-6cm große Stücke schneiden bzw. reißen und dort wo man Fische vermutet (Stand der Sonne beachten), bzw. wo man sie sieht, auf die Oberfläche werfen. Sobald die Karpfen angefangen haben zu fressen, kann man seinen Köder hinterherwerfen.

Welche Gerätezusammenstellung eignet sich?
Da man ja immer noch auf Karpfen angelt braucht man auf jeden Fall eine überaus kräftige Rute um den kampfstarken Fischen im Drill auch gewachsen zu sein. Das Wurfgewicht allerdings braucht nicht sehr hoch sein, da Brot ja gewöhnlich nicht viel wiegt. Dazu eine gewohnt kräftige Rolle mit ausreichend Schnurreserven für die ganze großen „U-Boote“. Die Schnur sollte demnach natürlich auch kräftig gewählt werden, ich verwende eine 0,33er Mono an einem 0,30er Vorfach.

Wie soll ich den Köder anbieten?
An einem kleinen Teich, wo man auch keine großen Wurfdistanzen bewältigen muss, oder auch wenn die Karpfen sich in unmittelbarer Ufernähe aufhalten, reicht es schon, wenn man einen ausreichend kräftigen Karpfenhaken einfach per Vorfach an die Hauptschnur knotet. Der Haken wird durch die Rinde der Brotflocke gestochen, weil er dort besser hält. Nun hält man den Köder kurz ins Wasser, damit er sich voll saugt und man zusätzlich ein wenig Wurfgewicht hat. Dann wird vorsichtig ausgeworfen. Bei ruckartigen Würfen löst sich das Brot im Nu vom Haken.

Wenn man über größere Distanzen angeln muss, zieht man am besten eine kleine, durchsichtige, zu ¾ mit Wasser gefüllte Wasserkugel auf die Hauptschnur. Dann eine mittlere Glasperle und einen kleinen Tönnchen- oder Karabinerwirbel, woran wiederum das Vorfach befestigt wird. Es ist auf jeden Fall von Vorteil, wenn der Fisch Schnur durch die Wasserkugel hindurch abziehen kann und nicht schon vor dem Anhieb den Widerstand der Kugel spürt.

Sollte das Brot absolut nicht am Haken halten, kann man es auch in Würfel schneiden, mit dünner Angelschnur paketartig einschnüren und anschließend den Haken in die Schnur einknoten, so dass er praktisch lose neben dem Köder hängt, so wie es Boilieangler auch kennen.

Sollte die Schnur nach dem Auswurf zu sehr absinken, so lohnt es sich die Schnur mit Schnurfett minimal einzufetten, so dass sie auf der Oberfläche liegen bleibt.

Wie verhalte ich mich vor dem Drill?
Nach dem Auswurf lässt man den Bügel an der Rolle gleich geöffnet so dass der Karpfen nach dem Biss erstmal ungehemmt Schnur abziehen kann.
Den Biss sieht man ja deutlich sobald das Brot mit einem Platsch an der Oberfläche verschwindet. Nun wartet man 10-20Sekunden und lässt den Fisch abziehen. Dann wird schnell der Bügel geschlossen und man setzt eine kurzen, kräftigen Anhieb.

Es gibt in meinen Augen keine spannendere Angelmethode, für Friedfische, als die Schwimmbrotangelei. So einfach, aber so mitreißend. „Angeln auf Sicht“ hat eben einen besonderen Reiz.
Wenn man einen dicken Rüssler schon vorneweg sieht, oder man direkt mitverfolgen kann, wie ein gewaltiger Schuppi sich erst das Brot schnappt und anschließend zügig von dannen zieht, kann man schon ahnen was für ein Drillerlebnis einem kurz bevorsteht

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