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Jan 15

Modernes Feederfischen


Das Angeln mit der Feederrute gehört, wohl nicht zuletzt wegen der Masse an möglichen Fängen, zu einer der beliebtesten Angelmethoden. Das Feedern wird von einigen Anglern, den sogenannten Hegefischern jedoch auf einem ganz anderen Niveau betrieben, als von den Wochenendanglern

Zunächst möchte ich kurz die Ausrüstung der Profis und deren Vorgehensweise beim Fischen erklären.
Das Wichtigste für das moderne Feederfischen ist wohl die Aluminium Plattform, auf der man mit seiner Sitzkiepe Platz nimmt. Diese, auch als Stippplattform bekannte Sitzhilfe hat mehrere Vorteile. (Einfache Plattformen ohne Zubehör findet man schon für ca. 80,- € im Handel). Zunächst sitzt der Angler immer gerade und hat auf Grund der in der Höhe verstellbaren Füße keinerlei Probleme mit der Uferbeschaffenheit um die optimale Sitzposition zu finden.

Bei Bedarf kann die Plattform sogar im Wasser aufgestellt werden. So ist beim Distanzfischen der eine Meter mehr schon garantiert. Ein weiterer wichtiger Vorteil so einer Plattform ist, dass man für fast alle Modelle einen Satz Reifen bekommt, mit der die Plattform auf dem Weg zum Angelplatz als Transportkarre dienen kann.

Der größte Vorteil einer Plattform ist wohl ihre Ausbaufähigkeit. Mit verschiedenen Adaptern werden sowohl der Setzkescher an die Plattform montiert, als auch der sog. Feederarm.

Der Feederarm ist eine meist telekopierbare Alu-Stange, an deren Ende eine Rutenauflage befestigt ist. Der Vorteil des Feederarms ist, dass die Spitze der Feederrute bei Bedarf (z.B. starker Wind) bis zu 1-2 cm über der Wasseroberfläche herangeführt werden kann.

Zusätzlich gibt es noch Futterwannen und Köderpaletten zum anbringen.

Diese können bei starkem Sonnenschein auch noch durch Mini Sonnenschirme vor dem Austrocknen geschützt werden. Wer es etwas bequemer mag, bekommt natürlich noch separate Fußpodeste zu kaufen.

Um das Ganze noch etwas luxuriöser zu gestalten, können selbstverständlich auch Beistelltische an die Plattform montiert werden.

Wenn man bei dem Angelausflug neben dem Feedern eventuell auch Stippen möchte, bekommt man selbstverständlich noch eine Vielzahl an Zubehör, welches wiederum ebenfalls an die Plattform montiert werden kann.

In Kombination mit einer Sitzkiepe, vollgestopft mit Zubehör ist nun gewährleistet, dass der moderne Feederfischer “seine zur furchteinflößenden Festung ausgebaute Plattform die ganze Angelsession nicht mehr verlassen muss. (Wer muss schon aufs Klo!?) Ob ein solcher Aufwand für den Wochenendangler nun nötig ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich für meinen Teil sitze lieber in einem gemütlichen Karpfenstuhl und laufe während der mehrstündigen Angelsession auch gerne mal 2-3 Schritte.

Trotzdem liefern uns die Hegefischer einige Wertvolle Kniffe, die auch ohne großen finanziellen Aufwand von dem normalen Feederfischer übernommen werden können.

Zum einen sind es die vielen Anfütterungstaktiken, zum anderen sind es die schon fast unverzichtbaren Haken-Köder Dips. Beim Feedern muss oft auf große Distanz gefischt werden. Um immer die gleiche Wurfweite zu erzielen, dient der wohl praktischste und einfachste Trick.

Die Schnur wird nach dem Auswerfen bei der gewünschten Weite einfach in den Schnurclip der Rolle eingespannt. Das Auswerfen muss danach mit etwas Gefühl erfolgen und man sollte mit der Rutenspitze in Richtung Wasser deuten, damit das abrupte Bremsen durch den Schnurclip bestmöglich abgefedert wird.

Es sollte NUR mit dem Futterkorb angefüttert werden. Diese Regel sollte unbedingt beachtet werden, denn sie macht Sinn. Erstens ist es ab einer gewissen Distanz unmöglich per Hand das Futter ins Wasser einzubringen und zweitens ist auch auf kürzere Distanz das Füttern per Korb wesentlich genauer. Zudem kommt, das die Futterportionsgröße aus einem Futterkorb ersten immer gleichgroß und zweitens optimaler für die Teppichbildung und das Auflöseverhalten des Futters ist.

An dieser Stelle ist es Sinnvoll, kurz auf die Beschaffenheit des Futters einzugehen. Zum Futter nur soviel, dass es grob und hell (gelb) und absolut Protein frei seien sollte.

Das ganze hat mehrere Gründe:
Der Wettkampfangler möchte aus seiner Natur heraus möglichst nur große Fische fangen, um auf das maximale Gewicht zu kommen. Also ist es wichtig, den kleinen Fischen das Leben schwer zu machen. Die kleinen Fischchen meiden die gelben bzw. hellen Futterteppiche aus dem einfachen Grund, dass sie dort für die Räuber einfacher auszumachen sind. Zumal werden die kleinen Fische durch die groben Partikel oft überfordert, und die dicken Brassen stehen richtig drauf, wenn sie was zu beißen “haben und nicht nur eine feine Pampe einsaugen müssen.

Ins Futter gehören KEINE Maden. Viele, die bei jedem Feedern mindestens einen halben Liter Maden ins Futter kippen werden mich jetzt für verrückt erklären, aber auch das macht Sinn. Nicht nur das die Maden sich im Futtereimer meist eh nur am Boden sammeln, wenn man die Maden im Futter hat kann man nicht mehr mit ihnen taktieren. Ein wichtiger Joker im Spiel ist verschenkt. Die Maden sollten direkt in den Futterkorb gegeben werden, je nach Gegebenheiten nur 3-8 Stück.

Maden sättigen die Lieben Brassen leider sehr schnell, weshalb sie sparsam eingesetzt werden sollten. Zudem kommt, das wir ja schließlich mit Maden am Haken fischen, und wenn man keine Maden direkt im Futter hat, ist der Hakenköder etwas besonderes für die Fische. Die paar Maden pro Korbfüllung halten die Fische derweil bei Laune. Caster werden von vielen Anglern unterschätzt….diese Proteinbomben sind allerdings das Non + Ultra an Köder des modernen Feederfischens. Soviel sollte zum Thema Futter erstmal genügen.

Fahren wir mit der Technik des Anfütterns fort. Da wie oben bereits gesagt, das Futter nur mit dem Korb eingebracht werden sollte, ist es erforderlich alle 2-3 Minuten neu einzuwerfen. Das Futter muss sich in dieser Zeit natürlich aus dem Korb gelöst haben. Da zunächst mal eine gewisse Menge Futter eingebracht werden muss, verbinden die Fische ziemlich schnell das Aufschlagen des Futterkorbes auf die Wasseroberfläche mit Fressen, wie Schulkinder die Schulglocke mit der Pause. Man kann in diesem Fall von einer klassischen Konditionierung sprechen.

Der Futterteppich sollte möglichst klein gehalten werden. Benutzt man den Schnurclip, um die Distanz festzulegen, ist das Auftreffen des Korbe auf dem Grund schon in 2 von 3 Dimensionen Festgelegt, Da wir immer in der gleichen Entfernung angeln, können wir davon ausgehen das es dort immer gleich tief ist. Jetzt müssen wir nur noch darauf achten, immer an die gleiche Stelle zu werfen, und nicht mal 3 Meter weiter links, oder 3 Meter weiter rechts. Das würde die ganze Mühe zu nichte machen. Ein sehr kleiner Teppich hat den riesigen Vorteil, dass die Fische in eine Art Futterneid verfallen, wenn sie sich nicht auf einem großen Teppich aus dem Weg gehen können. Der durch die reduzierte Madenanzahl eh schon attraktive Hakenköder wird sehr oft noch aufgewertet, d.h. der Hakenköder wird in konzentrierten Geschmacksstoff gedippt, oder mit diesem bestrichen.

Die Geschmacksrichtungen dabei können sehr vielfältig sein. Bei mir haben sich die Geschmacksrichtungen Leber und Erde als sehr fängig erwiesen. Die Dipps kann man häufig schon so kaufen Viele Anbieter bieten ihre Produkte sowohl in Dipp-Gläschen mit einer großen Öffnung, sowohl auch in Pinsel-Fläschchen an. Ich bevorzuge die Dipp Flaschen. Wenn der Händler vor Ort keine speziellen Feeder Dips anbietet, Kann man auch getrost zu Boilie Flavour greifen. Auch die kleinen Konzentrat Fläschchen von Top-Secret sollte man fast überall bekommen. Aufgrund ihrer Form eignen sich diese allerdings nicht zum dippen, in der Apotheke kann man sich allerdings für einige Cents geeignete Fläschchen mit Schraubverschluss besorgen. Um die Dips wird Mittlerweile mindestens genau so ein Hype wie um das Futter betrieben und das nicht ohne Grund.

Beachtet man diese Tipps, so sind mit 2 Mann Fänge von bis zu 130 Kg in 5 Stunden möglich. (Zammataro und Krawczyk in der Maas bei Meerum).

Bei Hegefischen wird heute fast ausschließlich mit geflochtener Schnur gefischt. Dies hat auch seine Gründe. Z.B. das sich auf Distanz nur mit geflochtener Schnur gut der Anschlag setzten lässt. Die Geflochtene hat allerdings auch ihre Nachteile, z.B. das sie über keinerlei Dehnung verfügt. Das wiederum macht den Anschlag zu einer heiklen Angelegenheit, wenn man mit Vorfächern um die 0,14 mm fischt. Diese Vorfächer halten einem beherztem Anschlag an einer geflochtenen Schnur oft nicht stand. Deshalb verwenden immer mehr Angler mittlerweile eine 10 m lange, Monofile Schlagschnur.

Auch die Verwendung von Glasfaserspitzen bringt dem Angler einige Vorteile bei der Bisserkennung.

Die am häufigsten verwendete Montage ist die Schlaufenmontage, auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte, da sie bereits erstklassig in der Angler-Online Datenbank erklärt ist.

Sicherlich kann und will sich nicht jeder eine Plattform wie die Profis zulegen, aber ich denke, dass man doch den einen oder anderen einfachen Tipp von ihnen übernehmen kann, auch wenn jeder einzelne ausprobieren muss, ob sich die Techniken für den Freizeitbereich geeignet sind.

Noch mehr Erfolg mit der Feederrute wünscht euch Feederking

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Mosella.

Tobias Buschmann

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