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Jan 14

Winterrotaugen im Hafen

Heute nehme ich Euch mit auf die winterliche Jagd nach Rotaugen. Ich habe mir diesen Fisch ausgesucht, da jeder weiss, der mich kennt, dass ich beim Angeln möglichst oft „Biss“ vor mich hin murmeln möchte. Obwohl so ein Industriehafen weiß Gott kein schöner Anblick ist, sollte jeder der die Möglichkeit hat einmal hier sein Glück versuchen. Nicht umsonst wurde im Neusser Hafen so manches Mal die Deutsche Meisterschaft ausgeangelt!

Wer zum ersten Mal in einem unbekannten Hafen angeln will, sollte nach Möglichkeit einheimische Angler nach den „Hot-Spots“ befragen oder die Augen aufhalten. Prinzipiell wird es sich bei jedem Hafen um ein künstlich geschaffenes Gewässer handeln, wobei in den eigentlichen Hafenbecken nahezu Stillwasserbedingungen herrschen. Dennoch ist hier Angelplatz nicht gleich Angelplatz. Unbedingt zu bevorzugen sind folgende Stellen: Anlegestellen von Schiffen an Futtermittelfabriken oder Ölmühlen. Hier fallen immer Sojaschrot oder Mais, Weizen oder andere Getreidekörner ins Wasser und es entstehen wahre Fischfutterplätze. Im Winter sollte man genau darauf achten, ob man an Ölmühlen Warmwasserausflüsse findet (diese leiten das Spülwasser aus den Mühlen – heutzutage gereinigt) in das Hafenbecken. Hat man einen solchen Platz gefunden ist man quasi direkt am Fisch.

Nun kurz zum Gerät und zur Taktik:

Da sich die Fische im Winter aus den Fließregionen der Flüsse in die Stilllwasserzonen zurückziehen, bietet unser Angelplatz im Hafen natürlich optimale Bedingungen. Wenn man jetzt das Verhalten der Fische ein bisschen berücksichtigt, ergibt sich die Methode der Wahl nahezu von selbst. Im Winter sind die Fische als wechselwarme Tiere aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen nicht so aktiv, sie fressen aber dennoch, jedoch nur wenig. Für uns bedeutet das, dass wir unseren Fisch in Grundnähe suchen sollten, da dort das Wasser im Winter am wärmsten ist. Unser Köder muss ruhig liegen und zwar direkt in der Futterspur und die Montage muss so fein wie möglich sein, um die spitzen Bisse der trägen „Winterfische“ zuverlässig anzeigen zu können. Die optimale, weil ruhigste Köderführung erreichen wir, indem wir direkt unter der Rutenspitze fischen, dass bedeutet wir entscheiden uns heute für die unberingte Stipprute. Ich bevorzuge für diese Angelart die unberingte Stippe, da wir im Winter nicht mit Karpfen rechnen können und für unseren heutigen Zielfisch ist es ohnehin die Methode der Wahl. Wenn irgend möglich rate ich zum Einsatz von Steckruten, da man mit diesen mit verkürzter Schnur angeln kann und die verkürzte Schnur ist im Winter besonders wichtig, damit wir immer einen direkten Draht zum Köder haben und auch vorsichtig nuckelnde Flossenträger prompt anschlagen können. Unter verkürzter Schnur versteht man das Fischen mit einer Schnur, die maximal einem Meter länger ist als die Wassertiefe. Z.B. haben wir eine Wassertiefe von 2,8 m und der Fisch steht 8 m vom Ufer entfernt, dann benutzen wir trotzdem nur eine Schnur von maximal 3,8 m Länge. Jetzt müsste man schon artistisch veranlagt sein, um an einer Teleskoprute einen gehakten Fisch zu lösen, da ich vom zusammenschieben der Rute mit Fisch an der Leine nur dringend abraten kann! Neme ich jetzt aber zum Beispiel eine Teleskoprute von 8 oder 9 m Länge habe ich an der oben beschriebenen Angelstelle einen Schnurbogen von 5,2 bis 6,2 m auf dem Wasser liegen und dieser Schnurbogen bewirkt eine solche Verzögerung, dass man einen vorsichtig beissenden Fisch kaum anschlagen kann. Fischt man nun mit einer Steckrute und verkürzter Schnur, kann man beim Beködern oder Abhaken eines Fisches einfach soviele Teile von der Rute abstecken, bis man ohne Verrenkungen an den Haken gelangen kann.

Im übrigen sollte man auch als stolzer Besitzer einer 14 Meter langen Rute nicht direkt in der Maximalentfernung anfangen zu fischen, da die Fische die Eigenschaft haben nach einiger Zeit (und einigen herausgefangenen Exemplaren) weiter vom Ufer wegzuschwimmen, und dann kommt man nicht mehr an sie heran, was ja schade wäre.

Gerät genauer betrachtet:

Wie oben beschrieben verwenden wir nach Möglichkeit eine leichte Steckrute (Put-In oder Pull-Over Verbindungen nach Geschmack). Daran befestigen wir (am einfachsten und „tüddelfreiesten“ gelingt dies mit einem an der Rutenspitze angeklebten „Stonfo“) unsere Hauptschnur die ca. 0,5 m länger sein sollte als die Wassertiefe an unserem Angelplatz. Auf der Hauptschnur befestigen wr eine leichte Feststellstippose ca. 0,5 bis 1 Gramm Tragkraft je nach Wassertiefe und Strömung. Ich verwende als Hauptschnur 0,12 oder 0,10er Damyl. Ans Ende der Hauptschnur kommt ein doppelter Schlaufenknoten, hieran schlaufen wir dann unser Vorfach ein. Auf die Hauptschnur kommt dann eine abgestufte Bebleiung, die der tragkraft der Pose entspricht. Das Vorfach kann ruhig 50 cm lang sein und es ist egal ob fertig gekauft oder selbst gebunden. Die Hakengröße richtet sich nach dem Beissverhalten der Fische und dem verwendeten Köder. Ich beginne im Winter meist mit Hakengröße 12 und 2 Maden und sehe zu was passiert. Beissen die Fische gierig kann man ggf. auf Hakengröße 10 und 3 Maden hochgehen, lutschen die Fische die Maden aus geht man auf kleinere Haken und 1 Made oder 2 Pinkies oder auch nur 1 Pinkie herab.

In jedem Fall nehme ich immer meine Hakenlösezange und drücke die Widerhaken am Angelhaken platt, da ich die Fische möglichst schnell und schonend vom Haken kriegen will und aufgrund der bei dieser Angelart ständig gestrafften Schnur gibt es so gut wie nie Aussteiger. Unbedingt rate ich zum Einsatz eines möglichst langen Unterfangkeschers mit flachem Wettkampfnetz (ultraleicht und bis 4 oder 5 m Länge für relative kleines Geld erhältlich). Wo es erlaubt ist sollte man in jedem Fall einen großen geräumigen Setzkescher verwenden (minimal 50 cm Durchmesser und mindestens 3 m lang, je länger je besser!). Durch den Einsatz des Setzkeschers verhindern wir die Unruhe und Panik im Schwarm, die gehakte und wieder zurückgesetzte Fische dort verbreiten und ermöglichen uns bessere Fänge.

Futter und Hakenköder:

Beim Stippen ist Anfüttern oberste Pflicht, sogar im Winter! Ich mische mir mein Futter immer selber, obwohl es hervorragende Fertigmischungen gibt. Mein Winterfutter für Rotaugen im Hafen sieht wie folgt aus:

Paniermehl ca. drei kg, 500 gr. geröstetes Hanfmehl, 1 Beutel La Sirene X 21, etwas Coprahmelasse und ca. 20 gr. Lebkuchen- oder Spekulatiusgewürz (Rotaugen lieben es würzig). Vor dem Anmischen die trockenen Bestandteile sieben und dann vorsichtig mit Wasser durch- feuchten und ca. fünf Minuten quellen lassen. Ca. eine Handvoll Hakenköder zugeben (Maden, Pinkies oder gequollenen Hanf) dann das Futter noch einmal durchmischen und ggf. nachfeuchten. Man muss gut Bälle formen können, die wir direkt vor unserer Rutenspitze an der ausgestreckten Rute auswerfen. Herrscht keine bis mäßige Strömung sollten sich die Bälle schon dicht unter der Wasseroberfläche auflösen, um einen Futterteppich bzw. eine Futterspur zu erzeugen, die wir dann abfischen können. Ist die Strömung stärker, müssen die Bälle fester sein, damit sie sich erst am Grund auflösen. Jetzt die Maden auf den Haken und immer schön in der Futterspur bleiben!

Zum Schluss noch einen Geheimtipp: Wer sie bekommt sollte sich unbedingt auch rote Maden kaufen. 1 bis 2 weisse Maden und eine knallrote oder 1 weiße und 1 rote fängt deutlich besser als nur weiße Maden.

Ihr wisst ja…ich will beim Angeln viele Fische fangen…und nun viel Glück beim nächsten Ausflug in den Hafen

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