«

»

Jan 14

Grundlagen zum Thema Futter

Längst ist das Futter des Anglers kein Zufallsprodukt mehr. Das Futter muss perfekt an den Zielfisch, das Gewässer, das Wetter und die Jahreszeit angepasst werden.

Trotzdem sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es muss nicht unbedingt immer das teure Fertigfutter aus dem Angelgeschäft sein, was nicht heißen muss, dass ich die Fängigkeit dieser Mischungen bezweifeln möchte. Aber Erfolg wird man haben, wenn man sich aus der Menge heraushebt, selbst sein Futter kreiert und neue Zusätze ausprobiert. Durch ständige Verbesserungen schafft man sein ganz persönliches Futter.

Nicht nur Friedfische, sondern auch Raubfische lassen sich erfolgreich anfüttern. Mit diesem Bericht versuche ich euch bei der Futterwahl zu helfen.
Das Gewässer erkunden:
Doch was tun, wenn man über das Gewässer nicht viel weiß?
Die beste und zeitsparendste Lösung wäre natürlich ein erfahrener Angler, der schon längere Zeit an dem Gewässer fischt, viel darüber weiß und, ganz wichtig, sein Wissen auch weitergibt.

Loten:
Hat man so einen Angler nicht zur Hand, hilft das Loten oft weiter. Nicht nur die Gewässertiefe kann man ermitteln, sondern auch die Beschaffenheit des Grundes. Beispielsweise bei Schlammgrund lotet man zweimal an der gleichen Stelle, mit verschieden schweren Lotbleien. Das Erste sollte sehr leicht sein – es sinkt dadurch nicht in den Schlamm ein. Das zweite Lotblei sollte so schwer sein, dass es durch den Schlamm, bis zum Grund absackt. Die Differenz der beiden Werte ist die Dicke der Schlammschicht. Ist kein Schlamm am Grund, erhält man zweimal den selben Wert.

Man sollte sich vor dem Angeln immer genügend Zeit für die Erkundung des Gewässers nehmen. So können eventuelle Gräben, Flachwasserstellen, Krautbänke oder Äste im Wasser festgestellt werden

Wie ist die Fließgeschwindigkeit bzw. möchte ich an stehenden Gewässern angeln?
Welchem Zielfisch möchte ich nachstellen?
Wie ist die Beschaffenheit vom Gewässergrund?
usw.

Hier sind einige Beispiele:
Oberflächenfutter sollte besonders leicht sein, nur eine geringe Klebkraft besitzen und beim Aufprall auf die Wasseroberfläche sofort auseinander fallen. Eine geringe Bindung kann entweder durch sehr wenig oder sehr viel Wasser (als Brei) entstehen. Eine Futterwolke entsteht.

Vor allem an flachen Seen mit dicken Schlamm am Grund wird oft der Fehler gemacht, dass das Futter viel zu schwer ausfällt. Das Futter sollte auch hier schon an der Oberfläche zerfallen und dann langsam zum Grund sinken. Ansonsten sinken die ganzen Futterballen in den Schlamm und werden logischerweise nicht oder nur schwer von den Fischen gefunden.

Für mäßig bis schnelle Fließgeschwindigkeiten und unregelmäßigen Steingrund sollte sich das Futter schneller auflösen. Aber nicht davon driften.

Für mäßig bis schnell fließende Flüsse mit glattem Sand- oder Kiesboden ist ein schweres, gut bindendes Futter angemessen. Die Ballen sinken schnell zum Grund und lösen sich dann langsam auf. Bei langsamer Fließgeschwindigkeit wird Sand (aus dem selben Fluss), feiner Aquarienkies oder Lehm (Wolken bildend, kein Nährwert) in das Futter eingebracht.

Feederfutter sollte nicht zu stark binden und auch nicht zu stark in den Korb gepresst werden. Es sollte sich am Grund angekommen gut lösen können. Zum Testen, ob die benötigte Bindekraft erreicht ist, lässt man den Futterballen aus etwa einem Meter in die Futterschüssel fallen. Diese Höhe sollte der Ballen überstehen.

Futter für The Method sollte viel stärker binden. Auch wenn eingeholt wird, muss noch reichlich Futter an dem „The Method“-Blei haften.

Die nächste Frage, die sich sicher stellt, dreht sich um die Farbe des Futters. Mit Futter- oder Boilliefarben in hochkonzentrierter pulvriger oder flüssiger Form sind besonders ergiebig und auch nahezu in jedem Angelladen zu kaufen. Lebensmittelfarbe aus dem Supermarkt, ist die günstigere Alternative. Auf diesem Gebiet wird man auf sehr unterschiedliche Meinungen treffen. Manche Angler färben das Futter so, dass es möglichst an den Grund angepasst ist (schwarz, braun…), andere mischen sich ein Futter, das sofort ins Auge “sticht”(rot, gelb,…).

Bei den vorsichtigen Schleien ist mein Favorit ganz klar das an den Grund angepasste Futter, aber bei manchen Fischarten wird man mit solch einem Futter beobachten können, dass verstärkt kleinere Fische beißen. Die kleinen Fische fühlen sich auf dem unauffälligen Futter vor Räubern sicher. Auf dem hellen, farbigen Futter werden sie hingegen sehr schnell von Hechten, Waller, Zander usw. erspäht. Sie suchen also lieber das Weite. Gerade für den gezielten Fang, kapitaler Fische würde ich zu rotem Futter raten. Wenn auf algenfressende Fische (z.B. Nase und Meeräsche) geangelt wird, ist grünes Futter der absolute Hit!

Nun zum letzen Punkt, der Körnung des Futters. Grundsätzlich sollte man beachten, dass Kleinfischfutter besonders fein und Futter für größere Fische (wobei dieser Begriff relatv gesehen werden muss) gröber sein sollte. Verschiedene Partikel und andere grobe Bestandteile peppen das Futter nicht nur auf, sondern erzielen genau diesen Effekt. Im Winter können auch nur Partikel wie Hanf als Futter dienen. Kokosflocken, Haferflocken, Cornflakes, Daphnien getrocknet… haben die Eigenschaft, dass sie im Wasser vom Grund aufsteigen. Das reizt die Fische zwar, aber ist das nicht erwünscht sollten diese Bestandteile einen Tag vorher eingeweicht werden, mit warmem Wasser.

Aroma verbessern:

Natürlich aromatisieren:
Das Aroma des Futters lässt sich zum einen durch natürliche Lebendköder wie Maden, Mistwürmer, Zuckmückenlarven, zerschnittene Dendrobenas oder Tauwürmer verbessern.
Zum Zerschneiden sind natürlich spezielle Wurmscheren perfekt, aber auch mit dem Messer ist es machbar.

Maden, je nach Einsatzgebiet:
frisch = sinkend, bringen Bewegung ins Futter, reizen
schwebend = Zwischenzustand von sinkender Made zum schwimmenden Caster
schwimmend = Caster (rote Farbe)
Caster geben am Besten ihren Geschmack ab, wenn man sie zerquetscht und in die Futterballen einarbeitet. Eine gute Lösung für das Flussfutter, wegen der zustätzliche Bindung der zerquetschen Caster. Die Maden von den Spänen befreien, und dass der Ammoniak-Geschmack völlig verschwindet werden die Maden noch mit gepudert.

Lebendfutter kann fast immer dem Futter beigemischt werden, aber vorsicht mit der Dosierung! Die aufgeführten Köder enthalten viel Protein, das bedeutet auch, dass das Futter die Fische schneller sättigt. Beißen die Fische gut, kann der Lebendköderanteil erhöht werden. Kommen viele große Fische wie Karpfen und Schleien vor, muss der Anteil der “lebenden Proteinbomben” dementsprechend höher ausfallen. Im Winter ist dieser Anteil jedoch sehr gering zu halten, da im Winter ohnehin wenig Futter aufgenommen wird.
…durch Lockstoffe, Booster, Sprays usw.:
Natürlich kann man auch mit künstlichen Lockstoffen, Booster und Sprays die Attraktivität des Futter peppen. Aber immer sparsam mit den hochkonzentrierten Aromen haushalten! Lockstoffe sind schnell mal überdosiert und anstatt des Lockeffekts, tritt ein Schreckeffekt auf. Unbedingt auf die Dosierhinweise auf der Flasche achten und lieber weniger ins Futter mischen.

Beim Feederfischen, kann man auch den befüllten Futterkorb noch mit einem Spray behandeln.

Welche Aromen zu welcher Zeit?
Als Faustregel sollte man sich merken: Warmes Wasser – süßes Aroma, kaltes Wasser, herbe Aromen. Aroma-Mehle aus Forellenpellets, Frolic, oder Katzenfutter, die auch eher herzhaft sind, sind auch im Sommer absolut fängig. Im Winter sind auch besonders scharfe Aromen zwar genauso ungewohnt wie beispielsweise ein Fisch-Erd-Aroma im Sommer, aber sehr fängig.

Die Futtermenge:
Für die Futtermenge gibt es kein Standard! So verschieden wie die Zielfische, Gewässer, Jahreszeiten sind kann man hier nur schlecht Angaben machen. Manchmal reicht eine Hand voll Partikel, ein anderes mal sind 3l Grundfutter noch lange nicht genug. Manche Angler werfen gleich zu Beginn alle Futterbälle an den Futterplatz und füttern dann nichts mehr. (besonders bei Schleien zu empfehlen) Andere füttern anfangs 2-3 apfelsinengroße Futterballen und schießen dann stetig Maiskörner oder Maden nach, wieder andere füttern völlig gleichmäßig. Aber die Beißreaktion der Fische ist da das beste Maß. Da muss man experimentieren.

Last but not least…

Futter vorbereiten:
Alle Mehle in einen runden Futtereimer oder eine runde Schüssel geben
Bei rechteckigen oder quadratischen Schüsseln bleiben Rückstände in den Ecken

Mit Flüssigkeit langsam befeuchten. Wer dies nur mit Wasser machen will, sollte Wasser aus dem Gewässer nehmen, an dem gefischt wird. Dann eignen sich Spray-Flaschen sehr gut. Ich befeuchte mein Futter aber am liebsten mit dem Kochwasser der Partikel. (z.B. Hartmais, Mohn, Kichererbsen…) So ist das Aroma schon eingebaut. Wenn diese Flüssigkeit noch warm über das Futter verteilt wird, entwickelt es ein besonders gutes Aroma. Flüssiglockstoffe werden auch in Flüssigkeiten gelöst (Wasser) und unter das Futter gemischt. Aromen in Pulverform werden logischerweise unter die Mehle gemischt. Bei Dann lässt man das Futter einige Minuten ruhen. Dieser Vorgang sollte etwa 20-30min. dauern. Das Futter saugt sich dann besser voll und muss gegebenenfalls noch einmal nach befeuchtet werden. Das Futter wird ordentlich gemischt. Dies kann man auch mit einem Akkubohrer und einem speziellen Aufsatz machen um das perfekt gemischte Futter zu erreichen. Das Sieben nicht vergessen. Macht man das nicht, entstehen Klumpen und das hat vor allem am Fluss große Nachteile, da ein Teil des Futter abdriften wird. Auch am See sollte das Futter gleichmäßig sein. Siebe gibt es mit unterschiedlichen Maschenweiten und Ausführungen. Dann können auch endlich die Partikel untergemischt werden. Das könnten Dosenmaiskörner, Erbsen oder auch die oben angesprochenen Lebendköder sein.

Es ist immer gut, wenn auch der Hakenköder im Futter enthalten ist.
Die Besonderheiten bei der Zubereitung der Partikelköder, wird in der nächsten Ausgabe zu lesen sein.

In der nächsten Ausgabe wächst dieser Grundlagenbericht zu einer Futterdatenbank. Nach dem Grundfundament des Anfütterns werden dann konkrete Futterrezepte zu sehen sein. Natürlich werden auch die einzelnen Zutaten mit Wirkung und Eigenschaften extra erklärt. Hakenteige werden auch erklärt.
Die Futterdatenbank wird anschließend im Portal für euch zur Verfügung stehen.

Leo

Schreibe einen Kommentar

Zur Werkzeugleiste springen