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Jan 18

Boiliefischen auf Schleien


Boilies sind nicht nur hervorragende Karpfenköder, sie sind auch zum Befischen von Schleien bestens geeignet. Welcher Schleienangler kennt diese Situation nicht: Man schleicht sich an den Angelplatz, sitzt mit der feinen Matchrute am Gewässer, hat gut angefüttert und einen großen Tauwurm oder ein Mistwurmbündel am Haken, doch anstatt der Tincas interessieren sich die Barsche für den Köder

Höchste Zeit, um diesen (für Schleienangler) lästigen Beifang zu verhindern. Im Folgenden werdet ihr einen kurzen Überblick über die Fischerei mit Miniboilies und dem Zielfisch Schleie erhalten, und hoffentlich reichlich fette Schleien damit fangen. In den kalten Jahreszeiten gibt es sicher bessere Köder, aber wenn sich das Wasser langsam erwärmt kann man mit diesen Köder wahre Sternstunden am Wasser erleben.
Der Köder:
Als beste Geschmacksrichtungen haben sich Muschel, Fisch (Forelli oder direkt aus Fischmehl), Tutti Frutti oder Erd, Wurm, Erdnuss, Zimt und Frolic (aus gemahlenen Frolicstückchen) bewiesen. Je nach Gewässer und Jahreszeit „laufen“ diese Geschmacksrichtungen verschieden gut.

TIPP: Unbedingt die Boilies vorher in Aminosäure tunken! Das erhört die Fängigkeit enorm und unterscheidet die Proteinkügelchen von den Futterboilies, verleiten also noch schneller zum Anbiss.

Die Boilies sollten eine relativ weiche Konsistenz aufweisen. Schleien lieben weiche Köder und auf Grund der weichen Eigenschaften des Boilies gibt er zudem noch leichter seinen Geschmack an das Wasser ab. Die Köder sollten aber nicht zu weich sein. Wenn man den Boilie mit den Fingern zerdrücken kann, ihn ohne Boiliebohrer (nur mit einer Köder- oder Boilienadel) anködern kann, er gut am Haar hält und die Weißfische ihn nicht vom Haar lutschen können – hat er die perfekte Konsistenz. Ich finde, dass man mit günstig selbst hergestellten Boilies genauso gut fangen kann, wie mit extrem teuren Boilies, die man im Angelgeschäft oder online bekommt.

Das günstige Frolic-Mais Rezept hat mich bei den letzten Ansitzen immer wieder begeistert. Mengenangaben sind nicht vorhanden, da die Größe der Eier oft das ganze Rezept über den Haufen wirft.

Für das Rezept braucht man:
*Frolic
*Weichweizengries
*Dosenmais
*Eier
*eine Prise Salz
*(etwas Öl)
*(Boiliefarbe)
*Milchpulver

Man püriert den Dosenmais mit dem Saft, mengt die Eier bei, eine Prise Salz (um den Geschmack zu verstärken) und die Lebensmittelfarbe, wobei das Letztere nicht unbedingt nötig ist, da das Frolic eine rötliche Färbung an die Boilies abgibt. Danach wird das noch suppenähnliche Gemisch mit Weichweizengries und Frolic soweit abgedickt, dass ein fester formbarer Teig entsteht. Wobei der Frolic-Anteil ganz klar dominieren sollte. Milchpulver kann auch ein kleiner Bestandteil sein, muss aber nicht. Wenn der Teig nicht geschmeidig genug ist, sollte die Konsistenz mit wenigen Tropfen Öl korrigiert werden.

Erdnussboilies lassen sich gut mit einer Erdnussmehlbasis oder Erdnussbutter, Fisch-Boilies mit gemahlenem Forelli oder fertig gemahlenen Fischmehlen herstellen. Der Proteingehalt dieser Mischungen ist dann deutlich höher.

Einen hohen Proteingehalt kann man auch mit Eiweißprodukten aus dem Fitness-Handel erreichen. Das Pulver enthält ca. 90 % Eiweiß und die Geschmacksrichtung ist auch gleich eingebaut.

Wenn das Wasser noch kalt ist, hilft manchmal Zucker, Traubenzucker oder Alkohol. Durch die gute Löslichkeit nehmen die Fische den Geschmack viel besser wahr.

Damit wären wir bei einer weiteren „Faustregel“:
Niedrige Wassertemperatur – Flavour auf Alkoholbasis
Hohe Wassertemperatur – Flavour auf Ölbasis

Herstellung:
Die Boilies kann man entweder fix und fertig im Handel kaufen, man kann eine Boilie-Basismischung verfeinern oder einfach alles selbst machen. Die Schleienkugeln werden dann wie alle Boilies gekocht. Eier machen die Kugeln fester. Oft ist der „rohe Teig“ zu weich und lässt sich daher am Besten von Hand verarbeiten. Falls kleinere Boilies (z.B. 6mm) gefischt werden, muss man auch auf Boilieroller verzichten und von Hand rollen, da Boilieroller nur bis 8mm angeboten werden. Manche Rezepte kann man auch mit einem Boilieroller zu Kugeln formen bzw. formen lassen. Das geht schneller und ist gerade bei großen Mengen eine gute Lösung.

Danach werden die Boilies paniert! Je nach Sorte z.B. mit Kartoffelflocken und Frolicmehl.

Boiliedurchmesser:
Der Boiliedurchmesser wird an den Weißfischbestand angepasst:
Kleine Weißfische -> Boilies zwischen 6 und 8mm
Große Weißfische -> Boilies zwischen 10 und 12mm, bei extremen Rotaugen- und Brassenvorkommen manchmal sogar 14-16mm.

Normalerweise werden zwei Boilies am Haar befestigt, aber sie können auch einzeln gefischt werden. An verschlammten Gewässern kann man vor die Boilies noch ein Styroporkügelchen schalten. Die Boilies versinken dann nicht im Schlamm und werden dem entsprechend schneller erspäht.

Anfüttern:
In der Regel werden die Boilies einige Tage vorher angefüttert. Es ist aber oft ausreichend nur am Angeltag direkt anzufüttern. An Gewässern, wo ohnehin schon viele Karpfenangler ihre Boilies ins Wasser schießen, sind auch den Schleien diese leckeren Kugeln bekannt.
Es ist auch möglich am Angeltag morgens mit grobem Grundfutter zu Werke zu gehen. Wenn die Schleien es erst einmal eingefunden haben, kann man gute Erfolge erzielen.
So sieht mein Schleienfutter aus. Die Werte sind nur geschätzt, da ich mein Futter immer nach der Konsistenz genau dosiere. Nach einigen Ansitzen hat man das Verhältnis raus.
20% Paniermehl oder Sojamehl
20% gemahlenes Frolic
20% Wurmerde mit Mistwürmern
10% gekochter Hartmais (kann auch gefärbt werden)
*10% Cornflakes (zerkrümelt)
5% Mohn (quetschen und 10min. in kochendem Wasser ziehen lassen)
5% Nussmehl
*5% Kokosmehl
*5% Haferflocken
*treibt leicht auf und reizt die Fische. Dieser Effekt kann auch durch Einweichen verhindert werden.

Zusätzlich können noch die Boilies beigemengt werden. Wichtig ist, dass man das Futter nicht zu fein hält. Es sollten genügend große Partikel wie gekochter Hartmais, Haferflocken, Cornflakes usw. enthalten. Zerdrückte Caster (verpupte Maden) und Wurmstückchen dienen als natürliche Lockstoffe. Hanf könnte auch ins Futter gemischt werden. Das Kochwasser vom Hartmais und vom Mohn dient später zum Befeuchten. Die Flüssigkeit wird nur langsam da zugegeben um zu feuchtes Futter mit zu viel Wasser zu vermeiden.

Eine andere Möglichkeit für das Anfüttern:
Man schießt vor dem Fischen ca. 20-30 Boiliekugeln ein. Sie sättigen nicht so schnell wie das Grundfutter, machen weniger Lärm, und die eingeworfenen Kugeln entsprechen dem Hakenköder.

Rute:
Für Fortgeschrittene sind Matchruten, Floatruten, feine Karpfenruten aber auch Feederruten bestens zu empfehlen. Die Feederrute macht jeden Bisse der goldenen Schönheiten sichtbar und ist durch ihr hohes Wurfgewicht auch für „the method“ oder die Fluchtmontage erste Wahl. Ansonsten sollte man feine Bissanzeiger einsetzen.

Für die Ruten- und Schnurwahl stellen sich viele Fragen:

Ist das Ufer stark bewachen bzw. ist der Raum zum Auswerfen begrenzt?
kürzere Rute

Kommen viele Wasserpflanzen wie Seerosen vor?
stärkere Rute und Schnur wählen.

Sind gute Karpfenbestände vorhanden?
stärkere Rute und Schnur wählen.

Welche Methode wollt ihr anwenden? Fluchtmontage, the method oder wollt ihr selbst den Anschlag setzen?
Fluchtmontage und the method verlangen ein hohes Wufgewicht, z.B. Feederrute

Fischt ihr im Uferbereich oder in großer Entfernung?
Oft ist es am Besten, Seerosenfelder in unmittelbarer Ufernähe aufzusuchen. Dies ist ein guter Standplatz für Schleien und in Ufernähe ist die Wassertiefe geringer und die Wassertemperatur höher.

Aus gewissen Gründen (z.B weit entfernte Seerosenfelder) sind manchmal große Wurfweiten gefragt. Dann sollte man auf lange etwas härtere Matchruten, Floatruten oder leichte Karpfenruten mit einem Wurfgewicht von etwa 1 ½ lbs zurückgreifen.

Für den Anfänger ist eine 2lbs Karpfenrute besser, da die feinen Ruten bei Überbelastung und Gewaltwürfen brechen könnten.

Rolle:
Für die Boiliefischerei auf Schleien haben sich, wie auch beim Boiliefischen auf Karpfen, die Freilaufrollen bewährt. Für die goldenen Schönheiten sind die kleineren Modelle ausreichend. Eine Schnurfassung von mindestens 200m 0.25mm Schnur sollte vorhanden sein, eher mehr. Der Freilauf sollte fein einstellbar sein. Aber Vorsicht, wenn er zu leicht eingestellt ist kommt es bei schnellen Abzügen z.T. Zu Verwicklungen der Schnur. Mit einem speziellen Bissanzeiger, der in die Schnur eingehängt wird kann auch mit offenem Bügel gefischt werden, dann sind auch gewöhnliche Stationärrollen möglich.

Hauptschnur:
Dünner als 0.18mm Mono sollte man die Hauptschnur nicht wählen. Bei hindernissreichen Gewässern sollte man lieber auf eine stärkere 0.20mm oder gar 0.25mm „dicke“ monofile Schnur zurückgreifen. Geflochtene Schnüre sind für diesen Zweck störend.

Vorfach:
Das beste Vorfach für die Mini-Boilies besteht meiner Meinung nach aus einer 20 cm langen geflochtenen Spezialschnur für Boiliemontagen (z.B. Silkworm) und einem chemisch geschärften 10er Haken. Bei größeren Boilies Haken in Größe 8 oder 6. Der Haken sollte nicht zu dickdrähtig sein, dass er leichter ins Fischmaul eindringt.

Das vier bis sechs Pfund starke Vorfach (in Ausnahmefällen auch dicker) lässt der vorsichtigen Schleie einen gewissen Spielraum, um den Köder zu testen, wird aber dennoch sehr wirkungsvoll gehakt.

Andere Schleienangler schwören auf monofile Vorfächer mit 10cm Länge und einer monofilen Hauptschnur in gleicher Stärke. (z.B. 0.20mm)

Montagen:

Selbsthaktechnik oder Fluchtmontage:
Für den Selbsthakeffekt bieten 35-40g schwere Bleie Sicherheit. Das Birnenblei kann an einem Anti-Tangle-Röhrchen angebracht werden. Davor eine Gummiperle und dahinter auch eine Gummiperle und ein fester Posenstopper. An den Wirbel, der an die Tragkraft der Schnur angepasst ist, kommt das Vorfach mit dem Köder.

„the method“
Für die Montage braucht man diese speziellen „the method“-Spirale mit einem Gewicht von ca. 30g. Es wird mit Grundfutter gefüllt. Das Futter sollte entsprechend fester sein und länger an der Montage halten. Das Vorfach wird ebenfalls in das Grundfutter eingeknetet, so verhindert man Hänger. Tinca wird wie bei der Fluchtmontage selbst gehakt.

Konventionelle Grundmontage:
Alles was man für diese Montage braucht ist ein kleines Grundblei (z.B. Birnenblei, Größe variiert je nach gewünschter Entfernung), eine Gummiperle und ein Wirbel. Wenn man das Blei feststellen will wird ein Stopper benötigt. Die erste Montage ist allerdings feiner und bietet der Schleie nicht so viel Widerstand.

Pop-Up-Montage:
Der schwimmende Boilie wird mit Pop-Up Putty (ein schweres knetbares Material) am Vorfach in der gewünschten Höhe angeboten. Bei 5-10cm sollte der Boilie die Laubschicht am Grund überragen.

Sicher werden mit den kleineren Boilies nicht nur Schleien, sondern auch Karpfen bzw. im Fluss Barben, Brachsen und Döbel gefangen. Aber zumindest hat man dann einen schönen Beifang, das Fischen wird abwechslungsreicher und der Barsch scheidet nahezu 100%ig aus.

Auch schöne Karpfen können den Mini-Boilies nicht widerstehen!

Ich hoffe, dass ich euch diese Angelart ein bisschen näher bringen konnte.

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