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Jan 12

Das Fressverhalten der Karpfen

Immer mehr Petri – Jünger entwickeln eine besondere Vorliebe für das Karpfenangeln. Für den einen ist es einfach nur ein wenig Sport und Entspannung, für den anderen ist es schon eine Art Wissenschaft. Für mich ist es eher letzteres. Für den Erfolg beim Karpfenangeln und natürlich auch Mißerfolg, entscheidet eine Vielzahl von Faktoren. Nur wer sich mit ihnen beschäftigt, wird auf Dauer erfolgreich sein Im folgenden möchte ich einige der wesentlichen Faktoren darstellen:

Faktor Hot-Spod und Lokalisation

Sicherlich ist die Lokalisation einer der der wichtigsten Faktoren. Der beste Köder kann nichts fangen, wenn der Platz nicht stimmt. Daher sollte man genau herausfinden, warum es gerade dieser Platz sein soll. Dafür sollte man meiner Meinung nach den Untergrund des Sees in etwa kennen, da man nur so den Angelplatz den herrschenden Verhältnissen wie Wetter, Jahreszeit, u.s.w. anpassen kann. Einige Beispiele:

Der Karpfen bevorzugt in der Regel wärmeres Wasser. Das heißt, man sollte im Frühjahr die flacheren Stellen des Gewässers aufsuchen, da sich dieses Wasser schneller erwärmen kann. Im Winter dagegen befische ich lieber tieferes Wasser, da dies im Winter weniger schnell abkühlt.

Darüber hinaus beeinflusst die Wassertemperatur auch das Fressverhalten der Karpfen.
Im Sommer, also bei warmen Wassertemperaturen, gibt es sehr viel natürliche Nahrung. Außerdem sind die Karpfen aktiver, fressen dadurch mehr und werden deshalb auch weniger misstrauisch dem Köder gegenüber. Im Winter ist es eher umgekehrt. Hier gibt es wenig natürliche Nahrung, die Karpfen sind weniger aktiv, fressen also weniger und werden daher dem Köder gegenüber auch argwöhnischer. Gerade dann sollte man auf sehr nahrhafte Boilies zurückgreifen, da die Karpfen so bei wenig Aktivität viele Nährstoffe zu sich nehmen.

Weiterhin sollte man beachten, dass nach Möglichkeit auf der auflandigen Gewässerseite gefischt wird, da der Wind die Nährstoffe mit sich treibt und Karpfen den Nährstoffen folgen. Je stärker der Wind, umso mehr Nährstoffe werden in Bewegung gesetzt.

Wichtig ist auch, dass die Bodenbeschaffenheit des Hot-Spots eine Besonderheit aufweist, z.B. eine Sandbank, ein Plateau, eine Bodenvertiefung, eine Muschelbank, oder irgendeine andere auffallende Stelle. An solchen Plätzen finden Karpfen häufig bessere Freßbedingungen vor, da sich dort mehr Nahrung ansammeln kann, oder durch welchen Grund auch immer, schon befindet.

Die einfachste Methode, diese Orte zu finden, ist der Einsatz eines Echolotes. Damit ist nicht nur die wichtige Feststellung des Untergrundes möglich, sondern auch die Ortung der Tiefe. Mit diesem Wissen lässt sich eine spätere, optimale Köderpräsentation vornehmen.

Wenn kein Echolot zur Verfügung steht, kann man z.B. einfach mit einem schweren Blei die Beschaffenheit des Untergrundes und seine Tiefe feststellen, in dem man das Blei an geflochtener Schnur hinter dem Boot her schleift. Dabei sollte man die Schnur zwischen den Fingern führen, da man nur so einen direkten Kontakt zum Blei hat. Als Alternative bleibt letztlich noch die bekannte und altbewährte Schwimmermethode.

Faktor Befischungsdruck und Köderpräsentation

Durch einen dauerhaften Befischungsdruck können teilweise Fressrouten von Karpfen verändert werden:
Wenn Karpfen nach einiger Zeit mit einer bestimmten Stelle, oder einem bestimmten Köder Gefahr in Verbindung bringen, oder das Vertrauen zum Köder verlieren, ändern sie ihre Fressbahn bzw. machen darum einen Bogen. Deswegen gilt vor allem an stark befischten Gewässern, möglichst dort zu fischen, wo Karpfen noch wenig Kontakt zum Angler hatten. Das können z.B. sehr weit vom Ufer entfernte Hot-Spods sein, oder solche, die an unzugänglichen Stellen liegen, die die meisten Angler, vielleicht aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus, meiden.
Hinweis: Besonders kleine Gewässer können Karpfen durch übertriebenes und unüberlegtes Füttern schnell überfüttert werden.

Auch die Art der Nahrungsaufnahme des Karpfens sollte beachtet werden:
Bevor er den Köder einsaugt, prüft er ihn jedoch. Das heißt, er wirbelt den Köder mit Hilfe seiner Brustflossen hin und her, um zu testen, ob sich der Köder auch natürlich verhält. Erst wenn er mit dem Ergebnis zufrieden ist, saugt er ihn ein.
Wenn er den Köder mit Haken eingesaugt hat, versucht er, beides auszuspucken.
Dieses Fressverhalten sollte insbesondere auch bei der Auswahl der Rigs beachtet werden. So würde z.B. ein langer Hakenschenkel dieses Ausspucken erschweren.

Faktor Köder

Ein abwechslungsreiches und ausgewogenes Futter ist eigentlich die wichtigste Grundregel, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Daher sollte man beim Mixen der Inhaltsstoffe für Boilies großen Wert auf das ausgewogene Verhältnis zwischen Proteinen, Ballast- und Mineralstoffen legen. Der Karpfen braucht bestimmte Nährstoffe, die er gewöhnlich aus der natürlichen Nahrung entnimmt. So ist es nahe liegend, ihm einen Köder zu präsentieren, der diese Nährstoffe und auch andere für ihn wichtige, oder einfach nur leckerere Inhaltsstoffe enthält (siehe meine Hinweise zur Boilieherstellung im Forum).

Eine zu geringe Flexibilität bei der Benutzung der Köder ist oft ein Grund für sich verändernde Fressgewohnheiten: Wenn über einen längeren Zeitraum mit den gleichen Ködern gefischt wurde, beispielsweise immer mit den gleichen Fertigboillies, kann es dazu kommen, dass Karpfen mit der Zeit das Zutrauen in diesen Köder verlieren.

Letztlich sollte man gute und bewährte Köder (z.B. Partikel) nicht vergessen. Ein gut ausgewogener Partikel-Mix kann sehr erfolgreich sein. Besonders an Kleingewässern sind solche Mixe oft unschlagbar. Aber auch in großen Gewässern verbilligen die vergleichsweise sehr preiswerten Partikel das Verfüttern von großen Mengen.

Jan. R

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