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Jan 17

Karpfen auf die „Alte Art“

Von allen Friedfischen ist der Karpfen (Cyprinius carpio) der beliebteste Angel- und Speisefisch. Keinem anderen Mitglied dieser Familie wurde und wird eine derartige Aufmerksamkeit gewidmet. Man könnte mit der vorhandenen Literatur eigene Bibliotheken füllen! Mittlerweile kann man denken der Karpfen ließe sich nur noch mit den modernen Techniken des Boilieangelns fangen. Trotzdem oder gerade vielleicht deshalb sind die Methoden der „Alten Art“ immer noch erfolgreich und besonders für einen Einsteiger viel leichter zu erlernen. Außerdem bieten sich so reichliche Gelegenheiten diesen Fisch richtig kennen zu lernen

Rute, Rolle und Schnur:
Die Steckrute misst zwischen 300 und 390 cm, verfügt über ein Wurfgewicht von bis zu 80 gr. und hat eine straff progressive Aktion. Die Teilung und der Griff spielt dabei keine besondere Rolle. Mittlerweile gibt es genügend gute, dreiteilige Steckruten mit Korkgriff, die einen Vergleich mit den typischen zweiteiligen Karpfenruten mit ihren geteilten Duplongriffen nicht scheuen müssten. Diese Ruten haben dann eine Testkurve von 2 – 2 ½ lbs., für die traditionellen Methoden und mittlere Entfernungen durchaus ausreichend.

Die Rolle kann gerne eine Freilaufrolle sein und wenigstens 200 Meter einer 30er Monoschnur fassen. Der größere Spulendurchmesser erleichtert auch hier den reibungslosen Ablauf der Schnur und kommt somit der Wurfweite zu gute. Auf die beiden Spulen kommt jeweils 30er und 35er Monoschnur (Für die Gewässer, wo mit größeren Fischen oder mehr Hängerfallen zu rechnen ist.).
Die Schnur sollte möglichst geschmeidig und zugleich abriebfest sein. Karpfenangeln ist Grundangeln. Dabei ist sie besonderen mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt.
Die Geschmeidigkeit der Schnur, die gute(!) Bremse der Rolle und die progressive Aktion der Rute gewährleisten, dass auch kapitale Karpfen ohne Verlust im Nahbereich sicher ausgedrillt und schließlich gelandet werden können.

Montage, Haken und Kleinteile:
Die Montage sollte in jedem Fall möglichst einfach und ohne größeren Widerstand freilaufend auf der Schnur angebracht sein.
Das kann entweder mit einem Grundblei oder aber auch mit einer Futterspirale geschehen. Bei sehr weichgründigen Gewässern empfiehlt es sich das Blei an einem frei gleitenden Seitenarm, oder über ein sog. „Antitangle-Röhrchen“ zu montieren. So kann die Schnur nicht mit dem Wurfgewicht in das weiche Sediment einsinken und einen unnötigen Widerstand erzeugen.

Die Haken der Größen 2 bis 10 sollten kurzschenkelig und aus dickerem Material hergestellt werden. Für die robusten Vorfächer, sie dürfen auch gerne aus geflochtenem Material bestehen, gilt grundsätzlich das Gleiche, wie bei anderen Methoden. Lediglich bei Verwendung von Futterspiralen und –körben sollte es nicht länger als 40 cm sein. So befindet sich der Köder immer in unmittelbarer Nähe des Lockfutters.

Eine einfache Grundmontage mit frei gleitendem Birnenblei: (Reihenfolge der Einzelteile)
– Blei auf die Schnur fädeln.
– Gummiperle zum Schutz des Knotens folgen lassen.
– Karabinerwirbel anknoten.
– Vorfach einhängen.

Weiteres Zubehör:
Neben den allgemeinen und bereits bekannten Zubehörteilen kommt dem Kescher eine besondere Bedeutung zu. Ein guter Karpfenkescher kann gar nicht groß und stabil genug sein! Wegen einem zu großen Kescher wurde noch kein Karpfen bei der Landung verloren. Umgekehrt schon unzählige.

Futter und Köder:
Karpfen bevorzugen ein grobes Futter mit einem hohen Anteil von Partikeln. Da wären: Mais, Hanf, Pellets, Körner und Saaten aller Art.
Dem Futter sollte man im Sommer eine fruchtige und gegen den Winter eine herbe Note beibringen. Dazu eigenen sich gut die fertigen Futtermischungen aus dem Fachhandel.
Als Köder kommen zum Einsatz: Dosenmais, gekochter und gequollener Hartmais, Würmer, Brot, Teige, Kartoffeln, aber auch Fleischwurst und Käse!

Fang und Landung:
Zuerst ist es einmal von größter Wichtigkeit, dass man sich gründlich am Gewässer umschaut, wo sich die Karpfen befinden und vor allem wo sie fressen!
Karpfen sind Gewohnheitstiere, die sich auf festen Routen durch das Gewässer bewegen. Sie von diesen Bahnen durch Futtergaben abzubringen ist enorm aufwändig, wenn nicht gar unmöglich.
Karpfen-Zeichen zu erkennen ist mit etwas Übung recht leicht. Der Karpfen macht aus seiner Anwesenheit an einem Platz keinen Hehl. Sie verraten sich u.a. durch Sprünge, dem sog. Rollen, durch deutlich sichtbare Bewegungen der Wasserpflanzen, merkliche Trübungen des Wassers und durch das Aufsteigen größerer, flächiger Blasenteppiche. An diesen Plätzen gilt es die Fische zu füttern und zu beangeln. Lediglich sich gemütlich an der Oberfläche sonnende Fische sind nicht an Fressbarem interessiert. Nicht zu verwechseln mit Karpfen die genüsslich Nahrung von der Oberfläche schlürfen. Sie kann man mit Brotstückchen anlocken und dann mit einer Brotflocke an der freien Leine fangen.

Normalerweise aber nehmen sie ihre Nahrung vom Grund auf und dort gehört auch der Köder hin. Also legt man an einem erkundeten Fressplatz einen Futterplatz an und bringt seinen Köder aus.
Die Rute legt man danach auf zwei Rutenständern ab und hängt einen leichteren Bissanzeiger in die Schnur zwischen dem ersten und zweiten Rutenring ein. Wer will, der benützt zusätzlich einen elektronischen Bissanzeiger. Das ist kein muss, aber er erleichtert doch die Überwachung der Montagen bei einem längeren Ansitz. So bekommt man alle Aktivitäten am Köder mit und der Fisch kann nicht zu tief schlucken. Sobald der Fisch deutlich sichtbar anzieht setzt man den beherzten, dosierten Anhieb und nimmt den Drill auf.

Oft lassen sich Karpfen nach der ersten Flucht bereitwillig ans Ufer ziehen, um dort erst so richtig den Kampf um ihre Freiheit aufzunehmen! Jetzt darf man keine brachialen Versuche unternehmen, die ihn in den Kescher zwingen sollen. In den meisten Fällen verliert man dann den Fisch!

Erst wenn er sich auf die Seite legt und deutlich „weiß“ zeigt führt man ihn behutsam über den ins Wasser gesenkten Kescher und hebt ihn zügig heraus. Niemals mit dem Netz nach dem Karpfen stochern! Eine Berührung kann genügen und der Fisch setzt zu einer letzten kraftvollen Flucht an, die man mit einer Hand an der Rute und an kurzer Schnur kaum parieren kann. Es schadet nicht, wenn man kurz vor der Landung die Bremse der Rolle etwas lockert. Das verschafft Sicherheit, sollte er noch einmal zu einer Flucht ansetzen.

Admin

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