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Nov 22

Karpfenangeln – Teil 2

Teil 2

Nachdem im ersten Teil eine Vorstellung der verschiedenen Karpfenarten erfolgte und ein Überblick über die Angelmethoden gegeben wurde, möchte ich Euch nun in diesem Teil weitere hoffentlich nützliche Informationen zur Ausrüstung (Tackle), den Hotspots und dem Anfüttern geben.

3. Angelgerät

Vorweggesagt, es gibt unzähliges Gerät von den verschiedensten Herstellern. Ich möchte hier nur grundsätzliches aufzählen, da der Kauf  – gerade beim Karpfenangeln – tief in die Geldbörse einschlägt und schöne Löcher im Budget hinterlässt. Außerdem ist bei manchen auch die Optik ein Kaufgrund.

Rute:

Es werden Ruten mit einer Länge von ca. 3,60 m und einer Testkurve von 2 bis 3 ½ lbs in Abhängigkeit von Art der Angelei und Entfernung zur Angelstelle benötigt. Das Wurfgewicht sollte bei der „alten Art“ bis zu 80 gr. betragen und beim „modernen Karpfenangeln“ mindestens 60 bis 80 gr. Die Rute sollte eine semiparabolische Spitzenaktion haben. Die Preise bewegen sich zwischen 50 und deutlich über 500 Euro.

Rolle:

Die Rolle sollte (muss aber nicht) eine Freilaufrolle sein und ca. 200 m 30er monofile Schnur fassen. Bei den Freilaufrollen ist der Vorteil von zwei getrennten Systemen – Bremse und Freilauf – vorhanden. Es kann durch einfaches Umlegen des Hebels zwischen Bremse und Freilauf gewechselt werden. Wenn man „normale“ Rollen verwenden möchte, muss man auf eine perfekt einzustellende Bremse achten. Die Bremse muss nach dem Auswerfen so leicht eingestellt werden, dass der Karpfen nach einem Biss ohne Probleme Schnur abziehen kann und beim Hochnehmen muss die Bremse wieder fester eingestellt werden.

Schnur:

Man sollte bei monofilen Schnüren Stärken zwischen 0,30 und 0,42 mm verwenden. Wenn man allerdings nicht mit so ganz Kapitalen rechnen muss, können auch dünnere Schnüre verwendet werden. Für das Angeln in hindernisreichen Gewässern, wie z.B. bei vielen Wasserpflanzen, wird besser geflochtene Schnur verwendet, die dann wegen der höheren Tragkraft auch dünner ausfallen kann. Jedoch ist beim Drill dann die fehlende Dehnung der Schnur zu berücksichtigen.

Was wird noch gebraucht:

Großer Kescher, Rod-Pod, Bissanzeiger, Abhakmatte, Boiliebohrer und –nadel, PVA-Netz oder –schnur, Bivvy, Bedchair, Boot u.v.m.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er benötigt. Einiges ist nur bei Longturns erforderlich, anderes ist Nützlich aber nicht zwingend Erforderlich bzw. wird nur bei bestimmten Angelarten verwendet, oder es kann durch anderes ersetzt werden (z.B. Rod-Pod durch Banksticks).

Es geht auch ohne das große Schleppen:

Kleines Karpfentackle

Kleines Karpfentackle: Rute mit Rolle, 2 Banksticks, Bissanzeiger, Kescher, Boilies und Boiliebohrer mit -nadel

4. Finden der Hot Spots:

Nachdem nun der Zielfisch erkannt, die Angelmethode gewählt und das Tackle bereit liegt, geht es an das Wasser um die Futterplätze der Karpfen ausfindig zu machen.

Die Karpfen nutzen im Gewässer fast immer dieselben Strecken auf der Futtersuche – die so genannten Karpfenstrassen. Diese gilt es zu finden. Die Karpfenstrassen liegen, in Abhängigkeit vom natürlichen Nahrungsangebot und Gewässertyp, meistens an markanten Stellen. Das können z.B. Wasserpflanzenfelder (Schilf, Seerosen etc.), flache Sandbänke, Muschelbänke, Buchten oder Landzungen, Inseln oder auch Stellen an denen Wasservögel gefüttert werden sein.

Karpfenplätze

Dort, wo ein Boot erlaubt ist, macht es Sinn mit einem Echolot die Grundstruktur abzusuchen. So kann man sich in einer eigenen Gewässerkarte die markanten Stellen eintragen.

In Gewässern, in denen Boote nicht erlaubt sind, bleibt nur das Loten.

5. Anfüttern:

Ein viel diskutiertes und teilweise auch umstrittenes Thema ist das Anfüttern. Hier tauchen Fragen wie welcher Köder, wie lange und welche Mengen soll ich anfüttern auf.

Ein Problem ist, dass wir die großen und wirklich kapitalen Karpfen mit unserem Futter aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu unserem Futterplatz locken können. Die „Dicken“ haben feste Plätze, an denen sie fressen und die sie gegen die kleinen und mittleren Artgenossen verteidigen. Hier heißt es nach guten Stellen Ausschau halten. Da die wirklich Kapitalen Einzelgänger sind und es Ruhig und Ungestört lieben, suchen wir die Stellen, an denen die Angelkollegen nicht laufend ihre Montagen hinlegen. Oft reichen zum Fang kurze Ansitze aus und wir brauchen daher keine komfortablen und großflächigen Angelplätze.

Doch vor dem Fang kommt erst einmal das Anfüttern. Wer ohne Vorfüttern Angelt, fängt das, was gerade zufällig an unserem Hakenköder vorbeischwimmt. Und der Fisch muss sich an unseren Köder gewöhnen.

Ob nun mit Boilies oder mit Partikelködern geangelt wird, mag jeder für sich entscheiden. Auch ist die Wahl des Köders abhängig von der Methode mit der wir dem Karpfen nachstellen und die ist häufig wiederum davon abhängig welche Stelle wir beangeln.

Wichtig ist, dass über einen längeren Zeitraum – möglichst täglich – gefüttert wird ohne die Stelle zu beangeln, der Platz also absolut ungestört bleibt. Die Futtermenge sollte am Bestand und der Gewässergröße angepasst werden. Zu viel des Guten ist nicht unbedingt ein Garant für mehr Fänge. Bis zu einem Kilogramm täglich sollte reichen.

Unter Wasser passiert jetzt folgendes: Zuerst kommen die die neugierigen kleineren Karpfen und fressen unser Futter, dann werden sich nach und nach die Größeren einfinden und die Kleinen vertreiben. Bei Partikelködern bzw. wenn man zu Beginn der Futteraktion zusätzlich Grundfutter beifügt werden sich zu allererst die Weißfische einfinden, die dann von den kleinen Karpfen und die wiederum von den Größeren verdrängt werden.

Wir kennen wir nun unseren Zielfisch und das benötigte Gerät, wissen (hoffentlich) wo wir die Karpfen finden und wie wir sie mit welchen Ködern anlocken können.

Im dritten und letzten Teil versuche ich dann die Angelarten näher zu beschreiben, das Landen zu erklären und möchte Anregungen zur Fischverwertung geben.

In der Zwischenzeit könnt Ihr in den Berichten fleißig lesen und im Forum fleißig Fragen stellen.

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