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Feb 04

Die Stationärrolle


Die Stationärrolle ist die in Europa meist benutzte Angelrolle, während in Amerika die Multirolle vorherrscht. Darum habe ich nachfolgend, eines der auf dem Foto gezeigten, etwas älteren Schätzchen einmal auseinander genommen. In einer Art Explosionszeichnung  gehe ich auf einzelne Bauteile  und die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Rollenarten   ein. Die Ausarbeitung stellt nur einen allgemeinen Überblick  über den Aufbau so einer Rolle dar. Ich denke die Funktionsweise ist bis auf wenige technische Verbesserungen gleich geblieben.

Die Spulenbefestigung

Die Spulenbefestigung gibt es als Schraubbefestigung bei  Rollen mit Frontbremse und Quick-/ Druckknopfbefestigung bei Rollen mit Heckbremse. Sie fixiert die Spule an der Hubstange und dient bei der Rolle mit Frontbremse zum Einstellen der Bremskraft.

Die Spule

Die Spule, wird  je nach Rolle aus den verschiedensten Materialien hergestellt. Sie gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Formen,  abgestimmt auf die verschiedenen Angelarten z.B. als Matchausführung mit parallel laufendem Kern oder  als Weitwurfspule mit konisch zulaufendem Kern. Die Spule ist der Schnurvorratsbehälter der Angelrolle.

Sie beinhaltet

den Schnurklipp

– bei eingeklippter Schnur kann immer die gleiche Wurfweite erreicht werden

die federnd gelagerte Ratsche

– zeigt bei einer Spule mit eingebauter Bremse akustisch an, dass diese sich dreht.

das Schnurfassungsvermögen

– zeigt an, wie viel Monoschnur unterschiedlicher Durchmesser auf die Spule passt.

Des weiteren haben moderne Spulen eine Abwurfkante aus glatten, harten  Material, wie z.B.  Chrom oder Titan. Dadurch entsteht weniger Reibung zwischen Abwurfkante und Schnur. Somit sind größere Wurfweiten möglich und ein Einschneiden der Schnur in die Abwurfkante, besonders  bei der Verwendung geflochtener Schnur wird verhindert. Eine evtl. Beschädigung der Schnur wird so ausgeschlossen.

Die Aufnahmebohrung für die Hubstange sollte passgenau sein, die Spule kippelfrei auf der Hubstange sitzen. Ein Ausschlagen der Aufnahmebohrung unter Belastung  wird damit verhindert, ein runder Lauf der Spule gewährleistet.

Die Bremse

Eine gute  Bremse arbeitet ruckfrei und die Bremskraft lässt sich fein dosieren. Dieses  zeichnet, egal ob Heck oder Frontbremse, eine gut Rolle aus.

Die Bremse hat die Aufgabe  beim Auftreten höherer Kraft  z.B. bei m Drill/Flucht eines kapitalen Fisches oder beim plötzlichen Umschlagen des Schnurfangbügels beim Auswerfen, ein Reißen der Schnur zu verhindern, in dem sie Schnur frei gibt. Hierzu muss die Bremskraft auf die Tragkraft der Schnur, des Vorfaches, eingestellt werden.

Welche Art von Bremse man sollte bevorzugen?

Bei dem heutigen Stand der Technik gibt es  nur noch geringe Unterschiede. Vorteile der Frontbremse sind  in  der feineren Einstellung der Bremswirkung und der Verwendung  individuellere (größere)  der Spule  angepassten Bremsscheiben zu sehen. Während bei der Heckbremse, oft in Serie, in Massenfertigung hergestellte Bremsmodule eingebautwerden. Die Heckbremse dagegen zeichnet sich durch ein besseres Handling beim Einstellen der Bremskraft während eines Drill aus.  Ein weiterer Vorteil der Frontbremse  jedoch ist der erheblich leichtere  Ein-und Ausbau hinsichtlich einer Reparatur

Wirkungsweise:

Durch Anziehen einer „Schraube“ werden über-bei der Heckbremse zusätzlich  über eine Feder- lose auf der Hubstange sitzende Reibscheiben gegen eine  in Drehrichtung auf der Hubstange festsitzende Bremsscheibe  gedrückt. Je fester die „Schraube angezogen wird, desto höher ist die Bremskraft.

Die Hubstange

Viele Hubstangen von Rollen aus dem untersten Preissegment  sind nur verchromt. Die Hubstange sollte aus Edelstahl sein und  einen groß dimensionierten,  der Rolle entsprechenden Durchmesser haben, um  über der Spule  wirkenden Querkräften  standhalten zu können. Sie darf sich nicht verbiegen. An der Hubstange sind die Spule ( evtl. Spule mit eingebauter Bremse )  und die Heckbremse befestigt.

Die Hauptaufgabe der Hubstange ist es jedoch durch  den Hub, der Auf- und Abbewegung, für eine gleichmäßige Schnurverlegung auf der Spule zu sorgen.  Dieses geschieht mittels eines  Zahnrades mit einem Zapfen über einen Mitnehmer. Angetrieben  das Ganze wiederum von einem  Zahnrad welches  zusammen mit dem Antriebs-Tellerzahnrad. für den Rotor  auf der Kurbelwelle  befindet.

Höher wertigere  Rollen haben anstelle vorgenannten Systems ein Wormschaftgetriebe, welches eine noch bessere Schnurverlegung und Kraftübertragung  ermöglicht.

Doch die Entwicklung schreitet weiter voran. So ist jetzt  bei den neusten Rollen  der Hub unterschiedlich lang. Die Schnur wird über Kreuz verlegt. Die oberen Schnurklänge können nicht mehr in die untersten Schnurlagen einschneiden.  Diese geschieht  ebenfalls mittels eines  speziellen Wormschaftsgetriebes. Eine Perückenbildung beim Auswerfen wird dadurch minimiert.



Der Rotor, Schnurfangbügel und Schnurlaufröllchen

Der Rotor schließt die Spule  nach unten und das Rollengehäuse nach oben ab. Der Rotor ist über ein Schneckengetriebe mit dem auf der Kurbelwelle sitzenden Tellerzahnrad verbunden.  Die Aufgabe des Rotors ist es, durch seine Drehbewegung mit Hilfe des  beweglichen Schnurfangbügels  und dem Schnurlaufröllchen die Schnur auf die Spule zu wickeln. Der Schnurfangbügel läuft quer über den Rotor  und ist an 2 Arme  des Rotors beweglich befestigt.

Funktion:

Beim Auswerfen der Montage wird der Schnurfangbügel zurück geklappt und gibt die Schnur zum Auswerfen frei. Hierbei sollte Dieser  so einrasten,  dass dieser beim Auswerfen nicht selbstständig wieder in seine Ausgangsposition zurück klappen kann.Nach dem Auswerfen wird durch Drehen der Kurbel der Rotor in Bewegung gesetzt, dabei klappt der Schnurfangbügel ausgelöst  durch eine Hebel-Federmechanik  nach vorn und fängt die Schnur. Die Hebel-Federmechanik ist in einem Seitenarm der Rotors untergebracht Die Schnur wird durch die Form des Bügels nach außen zum Schnurlaufröllchen geführt. Das Schnurlaufröllchen ist die Führung der Schnur zur Spule. Das Schnurlaufröllchen ist zur Verminderung der Reibung  drehbar gelagert, bei höherwertigen  Rollen gar mit einem Kugellager  ausgestattet.

Beim Kauf einer Rolle ist darauf zu achten, dass der Rotor auf einen gleichmäßigen, leichten und guten Rundlauf  hat. Neuere Rollen haben gegen über den älteren  winkeligen, einen gleitenden tropfenförmigen Übergang zum Schnurlaufröllchen, damit die Schnur leichter in die Führungsrille  gleiten kann. Ein Umwickeln der Schnur um den Schnurfangbügelarm, wie es bei der herkömmlichen Art vorkommen konnte, wird dadurch minimiert.

Das Getriebe.

Das Getriebe ist das Herz einer jeden Angelrolle.

Bei einem Angelrollengetriebe wird die Kraft von einem Tellerzahnrad auf eine Antriebswelle mit Schneckenverzahnung für den Rotor und einen Mitnehmer oder einen Wormschaft  „eine  Art Zahnradschnecke  für den Hub übertragen werden.

Als Material für das Getriebe kommen zu Anwendung

Zink – Gußlegierung -ein hartes aber sprödes Material- meistens bei Rollen im unteren Preissegment.  Getriebeteile aus Zink – Gußlegierungen werden meistens im Spritzgußverfahren hergestellt. Der Schmelzpunkt für Zink liegt bei etwa 420° C

Messing und Edelstahl im höheren Preissegment

Messing – ist eine Legierung   aus Hauptsächlich Zink und Kupfer und geringfügige andere Metalle wie z.B. Blei. Die Härte von Messing richtet sich nach dem Zinkanteil. Je größer der Zinkanteil um so härter ist die Messinglegierung. Messing läßt sich  aufgrund  der unterschiedlichen Schmelztemperaturen von Kupfer und Zink nur sehr schwer wieder schmelzen/trennen  und gießen.

Edelstahl – Stahl je nach Anwendung vergütet z.B. mit Chrom, Molybdän,Vanadium u.a.

Getriebe aus diesen Materialien sind oft gefräst.

Allgemein ist zu sagen, das die Zahnräder genau berechnet und auf einander abgestimmt sein müssen. Nur so sind ein reibungsloser leichter Lauf, eine gute Kraftübertragung und eine lange Lebensdauer gewährleistet. Leider sind Getriebematerial und Herstellungsverfahren  nur bei wenigen Rollen auf der Verpackung angegeben.

Erklärung  Wormschaftgetriebe

Das Wormschaftgetriebe ist eine Art Schneckengetriebe. Eine noch bessere, gleichmäßigere Schnurverlegung und höhere Kraftübertragung wird dadurch möglich. Eine andere Art von Wormschaftgetriebe hat z.B. zwei über Kreuz laufenden „Gewindegänge“  unterschiedlicher Steigung. Dadurch wird eine schnelle Hubbewegung nach oben  und eine langsamere nach unten ausgeführt. Die Schnurklänge werden dadurch nicht nebeneinander sondern über Kreuz verlegt.

Kugellager

Eine Zeitlang war eine regelgerechte  Kugellagermania ausgebrochen. Die Hersteller bauten immer mehr Kugellager in die Rolle ein, an Stellen wo sie total überflüssig sind.  Jedenfalls war und ist es immer noch sehr  Werbewirksam. 4Kugellager an den richtigen Stellen genügen vollkommen.Kugellager haben die Aufgabe drehbare Achsen, wie Kurbelachse, Rotorachse und Hubstange  in Längs -oder Querrichtung – zu fixieren und eine leichtes Drehen ohne Schlag der Selbigen zu ermöglichen. Zur Anwendung kommen dabei die Wörtlich zu nehmenden Kugellager oder Nadel/ Walzenlager. Gute Kugel-/Wälzlager bestehen aus rostfreiem Edelstahl. Haben eine Dauerschmierung, sind also wartungsfrei und gegen das Eindringen von Schmutz  außen versiegelt.

Das Gehäuse mit Rollenfuß

Das Gehäuse nimmt  alle Teile in und an sich auf und verbindet sie zu einem funktionsfähigen Ganzen. In dem Gehäuse sind z. b. die Kugellagersitze eingearbeitet. Die Materialien für eine Gehäuse reichen vom billigen Kunststoff, Spritzguss, Kohlefaser bis hin zu hochwertigen Metalllegierung –z. B.  Magnesium. Das Gehäuse besteht aus 2 passgenauen Hälften, welche mittels Schrauben zusammen gehalten werden.  An/in einer Gehäusehälfte befindet sich der Rollenhaltefuß und die Hebelmechanik für die Rücklaufsperre. Der Rollenhaltefuß dient dazu die Rolle an der Angelrute zu befestigen.

Die Kurbel

Die Kurbel ist der Antrieb einer Rolle. Über Kurbel und Getriebe werden   der Rotor und die Hubstange bewegt. Um die Kraft richtig übertragen zu können sollte der Kurbelarm  ausreichend kräftig und lang dimensioniert sein. Der Kurbelgriff muss  sich leicht drehen lassen und  griffig, ergonomisch geformt sein. Außerdem sollte die Kurbel umsteckbar sein, so das die Rolle  von Links -wie auch Rechtshändern zu bedienen ist. Ein Gelenk zum  Anklappen  der Kurbel  an das Gehäuse ist für den Transport von Vorteil.

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Herbert

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