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Mai 24

Englische Angelgeräte

Viele Angler können sich unter der Bezeichnung nichts, oder nur sehr wenig vorstellen. Was sind denn nun die besonderen Unterschiede und wie machen sie sich beim Angeln bemerkbar? Der Brite an sich und der britische Angler im Besonderen neigt zur Spezialisierung wie sonst kein anderer Landsmann. Dieser Spleen und die räumliche Enge der Insel spielten bei der Entwicklung der Angelgeräte und Methoden eng zusammen

Die heutige Form das Angeln hat ihren Ursprung im Zeitvertreib adliger und vor allem wohlhabender Sportsmen der Upperclass. Wenn diese Gentlemen zum Fischen gingen, dann stand der Nahrungserwerb bestimmt nicht im Vordergrund. So hatten sie alle Gelegenheiten der Welt, ihren „Sport“ zu verfeinern. So sind z.B. so genannte „Roach Clubs“, also Rotaugen Vereine, nichts Außergewöhnliches. Ihren Mitgliedern ist nur der gezielte Fang von Rotaugen gestattet und auch sonst dreht sich alles nur um diese Spezies! Ebenso ist das „Specimen Hunting“ eine urbritische Erfindung. Es ist nichts anderes, als das gezielte Befischen kapitaler Exemplare einer bestimmten Art und beschränkt sich absolut nicht nur auf das moderne Karpfenangeln, wie leider oft irrtümlich angenommen. Ein Fliegenfischer kann im eigentlichen Sinne des Begriffes durchaus ein Specimen Hunter sein.

Angelgerät im englischen Stil unterscheidet sich zwar nicht prinzipiell, aber doch grundsätzlich von dem, dass auf dem Kontinent entwickelt wurde. Auch im Vereinigten Königreich wird mit der Pose (Float) und dem Grundblei (Ledger) gefischt. Der augenfälligste Unterschied ist wohl die feine Ausgewogenheit. Der bekannte Angelautor Dr. Vincent Kluwe – Yorck geht sogar soweit, die Europäer im Vergleich als Plumpsangler zu bezeichnen. Schaut man sich an den Gewässern um, so ist ihm m.E. Recht zu geben!

Englisches Angeln ist feines, perfekt auf den Zielfisch abgestimmtes und immer zielgerichtetes Angeln. Es hat sich wegen dem hohen Befischungsdruck der britischen Gewässer dahin entwickelt und etabliert. An den berühmten Flüssen Severn und Avon hätte man mit den vergleichsweise groben kontinentalen Methoden nicht die Spur einer Chance auf einen auch nur annähernd nennenswerten Fang! Warum sich also nicht diese Entwicklungen zu Nutze machen und auch bei uns zum erfolgreichen Angler mutieren?

Englische Maße

Die Briten geben die technischen Daten gerne in ihren traditionellen Maßen an und verzichten gerne auf eine direkte Wurfgewichtsangabe, sondern nennen die Testkurve. Hier eine kleine Übersetzungshilfe.

Die Testkurve kann man mit folgender Formel umrechnen:

Testkurve mal 454,5 gr. geteilt durch 16 ergibt das theoretisch maximale Wurfgewicht. Für das optimale Wurfgewicht zieht man noch einmal 20% ab.

Beispiel: 2 lbs. x 454,5 = 909 gr. : 16 = 56,8 gr. max. WG – 20% = 45 gr. opt. WG; also grob 30 gr. pro lbs. Testkurve

1 Ounze (Unze) (oz.) = 28,4 gr.
1 engl. Pfund (lbs.) = 454,5 gr.
1 Inch (Zoll) (“) = 25,4 mm
1 Foot (Fuß) (ft.) = 30,48 cm
1 Yard (yd.) = 91,44 cm

Die Posenangeln

Fischt der Brite mit der Pose, dann greift er zur Match- oder Floatrute. Letztere ist eine etwas stärkere Version, die ihren Einsatz auf größere Friedfische, sowie Barsch und Zander findet.

Matchruten sind traditionell beringte Wurfruten mit früher maximalen Längen von 12 ft. (365 cm). Größere Längen waren mit den damaligen Materialien nicht möglich. Heute können sich Dank moderner Faserverbundwerkstoffe durchaus Längen von 20 ft. (610 cm) erreichen. Die üblichen Längen betragen aber 12 – 14 ft. (365 – 430 cm). Dieser Rutentyp ist dreiteilig, hat viele, weit abstehende, feine Ringe und einen langen Korkgriff. Die früher so beliebten Schieberinge weichen immer mehr dem stabileren Schraubrollenhalter.

Matchruten unterscheidet man zusätzlich noch in:

– Wagglerruten für die feine Fischerei mit sehr leichten Montagen im Stillwasser, oder sehr sanfter Strömung. Sie haben wegen den ausgesprochen feinen Schnüren eine eher parabolische Aktion. Und in die

– Stickruten für das Fischen mit der treibenden Feststellpose in Flüssen, auch Trotting genannt. Ihre Aktion ist wesentlich straffer, um auch auf weite Entfernungen die Schnur zuverlässig aufzunehmen und den Anhieb präzise zu setzen. Sowie

– Upstepped Matchruten, oder eben die Floatruten für die Fischerei mit schwereren Montagen, oder auf größere Specimen Fische, wie Schleien und Döbel

Die Grundruten

Hier unterscheidet man zuerst einmal in Ruten mit und ohne „eingebaute“ Bissanzeiger.

Avon, Ledger und Karpfenruten verfügen über ganz normale Oberteile. Picker, Quiver und Feederruten dagegen sind mit sehr feinen Spitzen ausgestattet, die eine ausgesprochen sensible Bissanzeige ermöglichen.

Avonruten

sie sind der Urtyp der Angelrute für den Fischer an Fließgewässern. In der Regel sind sie zwischen 10 und 12 ft. (305 – 365 cm) lang und verfügen über eine Testkurve von ¾ bis 1 ¼ lbs. und eine parabolische Aktion. Mittlerweile sind auch Avons auf dem Markt, die mit einer zweiten Spitzensektion ausgeliefert werden. Ein Oberteil ist konventionell und mit einem Gewindeendring ausgestattet, der auch den Einsatz einer Schwingspitze gestattet. Das andere Oberteil hat eine fest eingesetzte Zitterspitze, die selbst eine Testkurve von höchsten 1 ½ oz. (42 gr.) hat. Dieser Rutentyp ist sehr universell einsetzbar, um in Flüssen auf Döbel, mittlere Barben und kapitale Rotaugen zu fangen. Auch als Naturköderrute auf große Barsche macht sie eine sehr gute Figur.

Ledgerruten

Unter dieser Bezeichnung sind sie bei uns völlig unbekannt. Man nennt sie Schwingspitzenruten. Eigentlich sind sie Avons mit einer etwas strafferen Aktion und einem Gewindeendring. Ihr Einsatzbereich deckt sich ebenfalls mit dem der Avon.

Quiverruten

Sie werden manchmal auch Searcher genannt und in Längen von 10 bis 12 ft. (305 – 365 cm) angeboten. Sie sind Zitterspitzruten für das feine Grundangeln auf mittelgroße Fische, wie z.B. Brassen. Die Zitterspitze ist fest in den Blank eingearbeitet. Der große Vorteil ist ihre perfekte Biegekurve. Der große Nachteil ist, dass man sich damit auf eine ganz konkrete Abstimmung festlegt, was sie wenig vielseitig und zum Gerät für den Spezialisten macht. Diesen Rutentyp wird man bei uns vergeblich suchen. Wer sich so eine Gerte zulegen möchte, der muss sich leider einen Anbieter in England suchen.

Picker

Auch Winklepicker genannt, sind die Weiterentwicklung des Quivers. Durch die auswechselbaren Spitzen sind sie wesentlich universeller einsetzbar. Allerdings leidet darunter im Vergleich die Biegekurve. Meistens arbeiten sie auch nur mit einer der Spitzen wirklich perfekt. Sie haben Längen zwischen 7 und 10 ft. (210 – 305 cm) und ein maximales Wurfgewicht von höchstens einer Unze (28,4 gr.), also knappen 30 gr.. Alles was mehr im Kreuz hat ist kein Picker mehr!

Zum Einsatz kommen sie im Stillwasser und in der gemäßigten Strömung. Man fischt sie in der Regel mit einem Grundblei auf einem Futterplatz. In Ausnahmefällen kommt auch ein kleiner Madenkorb an Stelle des Bleis. Es sind die richtigen Ruten für Rotaugen auf kürzere Distanzen.

Feederruten

Alle Ruten von mehr als 10 ft. Länge und einem Wurfgewicht von mehr als 1 oz. fallen unter diese Bezeichnung.

Man teilt sie grob in Light/Bomb, Medium, Heavy und Xtraheavy ein. Mit Bomb ist aber kein Sprengstoff gemeint, sondern das Arleseybomb genannte Birnenblei mit Wirbel!
– Light/Bomb für Seen und sanft strömende Flüsse auf mittlere Fische
– Medium für Seen und Flüsse auf mittlere Fische und größere Entfernungen
– Heavy für Seen, wenn es weit hinaus geht und Flüsse mit stärkerer Strömung. Größere Fische sind kein Problem.
– Xtraheavy für die großen Ströme mit scharfer Strömung und zum leichten Brandungsangeln in der Ostsee.

Achsrollen, oder Centrepins

Auf den ersten Blick muten diese „einfachen“ Rollen sehr archaisch und antiquiert an. Nichts desto Trotz sind sie auf der Höhe der Technik! Zum Treibangeln gibt es keine andere Rolle, die ihr das Wasser reichen kann. Schon der Druck den die Strömung auf eine 2 gr. – Montage ausübt, genügt vollkommen, dass die Schnur ruckfrei von der Rolle läuft. Lediglich das Werfen ist mit einer Pin mit sehr viel Aufwand und noch mehr Übung zu realisieren. Aus diesem Grund werden jetzt auch wieder so genannte Wenderollen angeboten. Durch ein Drehgelenk am Rollenfuß kann die Spule quer zu Rute gebracht werden und man wirft dann wie mit einer Stationärrolle. Der größte Vorteil dieser Rollen ist ihre legendäre Feinfühligkeit und Direktheit im Drill und bei der Führung der Montage. Leider haben diese Schätzchen einen absolut unverschämten Preis. 250,- € müssen als unterste Grenze für eine ordentliche Centrepin angesehen werden.

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