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Sep 14

Salmonidengewässer im westlichen Mecklenburg

Hört man Mecklenburg, so denkt man meist an Flachland, Ostsee und große Seen, an Salmoniden denkt man eher weniger, höchstens an Meerforellen. Doch gibt es sehr interessante Salmonidenflüsse in Mecklenburg.

Wenn man an Forellenbäche denkt, so denkt man meist an die munter dahin plätschernden, glasklaren Mittelgebirgsbäche, die Niederungsbäche hier im Norden sind etwas anders. Kennzeichnend für alle diese Gewässer ist die Tatsache , daß es sich nicht um Quellgewässer handelt sondern ausnahmslos um Seenabflüsse, natürlich haben auch einige diese Flüsse einen Quellbereich, bevor sie in die betreffenden Seen einmünden, aber meist sind diese Bereiche winzig klein oder so beschaffen, daß sie Salmoniden keine geeigneten Lebensbedingungen bieten können. Als einzige Salmonidenart kommt Salmo trutta auf natürliche Weise in Mecklenburg vor, einmal in der Form der Bachforelle andererseits als Meerforelle, Äschen gibt es erst seit den 70er Jahren in Mecklenburg, normalerweise kommen sie im Dreieck zwischen Elbe und Oder nicht vor. Auch der Lachs ist in den in die Ostsee mündenden Flüssen des westlichen Mecklenburgs nicht heimisch, auch historisch nicht. Charakteristich für die meisten Niederungsbäche ist der oft verkehrt herum verlaufende und oft wechselhafte Regionsverlauf der Gewässer. Die übliche Einteilung in Quellregion, Forellenregion, Äschenregion, Barbenregion, Blei(Brassen)region und Kaulbarsch/Flunderregion, läßt sich in dieser Reihenfolge nicht anwenden. Meist erfolgt der „Start“ dieser Gewässer, welche ja wie schon erwähnt Seenabläufe sind als Gewässer der Bleiregion, mit ihren typischen Bewohnern, nach einigen Kilometern Laufstrecke durch Waldstrecken und Torflager beginnt sich das recht warme Oberflächenwasser der Seen abzukühlen, das kalte Tiefenwasser aus den Torflagern spielt dabei eine große Rolle.

So flach wie man denken mag ist Mecklenburg nun auch nicht, es herrscht eine hügelige Endmoränenlandschaft vor, bricht unser Bach nun auf seinem Weg zum Meer durch so eine Zone erhöht sich auch die Strömungsgeschwindigkeit deutlich, derartrige Strömungsverhältnisse und die niedrigere Wassertemperatur bieten den Salmoniden dann gute Lebensbedingungen, oft sind diese Strecken recht kurz und werden von langsameren Bereichen, die eher wieder der Bleiregion angehören abgelöst, dieses kann sich oftmals wiederholen.

Derarige Niederungsbäche sind sehr nahrungsreich und wärmer als Gewässer im Gebirge, die Zahl der Nebenfische ist auch recht hoch, auch sind diese Gewässer mit einer reichlichen Unterwasservegetation ausgestattet. Die Wasserqualität ist recht hoch, da die meisten Gewässer kaum Ortslagen schneiden und intensive Landwirtschaft in den Uferzonen nicht stattfindet.Bemerkenswert ist die Tatsache, daß sämtliche Forellenbestände weitgehend autochon sind und somit an die besonderen Bedingungen der Gewässer(z.B. hohe Wassertemperaturen im Sommer) recht gut angepasst sind. Bis auf geringe bestandsverbessernde Maßnahmen reproduzieren sich die Bestände vollständig selbst. Einige Gewässer besitzen Meerforellenaufstieg, so daß beide Formen vorkommen. Ich will mich bei der direkten Gewässerbeschreibung auf drei Gewässer beschränken, es sind die bekanntesten.

Die Nebel

Die Nebel ist das bekannteste Gewässer dieser drei, sie gilt als der artenreichste Fluß Deutschlands, sie beherbergt 28 Fischarten, viele davon sind sogenannte Rote Liste – Fische und ohne anglerische Bedeutung. An anglerisch nutzbaren Fischen kommen folgende Arten vor: Äsche, Bachforelle, Döbel, Barsch, Hecht auch der Aal ist recht häufig aber mit den erlaubten Methoden kaum zu fangen. Der Charakterfisch des Gewässers ist die Bachforelle, die Äschenbestände sind sehr starken Schwankungen unterworfen. Die Nebel durchfließt den Krakower See, ihr Quellbereich ist anglerisch uninteressant. Bei Serrahn verläßt die Nebel den Krakower See wieder und durchläuft das wunderschöne Nebeltal, der Fluß hat dort Mittelgebirgscharakter, darf allerdings dort nicht beangelt werden. Ab der Straßenbrücke in Kuchelmiß beginnt die Salmonidenstrecke und endet nach 8,5 km an der Straßenbrücke der B 103/104 in Klueß – Güstrow. Der Flußlauf ist weitestgehend naturbelassen, nur im Bereich Hoppenrade befindet sich ein teilbegradigter Bereich von etwa 1 km Länge, der aber anglerisch sehr interessant ist. Der Fluß ist nicht sehr einfach zu beangeln, da die Ufer sehr stark bewachsen sind. Teilweise sind die Ufer so gut wie nicht begehbar(Moor!).Unbedingt auf Hangmoore achten, nicht vom Ufer abweichen in bestimmten Bereichen, nur das unmittelbare Ufer sowie der Bachgrund sind tragfähig! Außerdem sollten Naturschutzgebiete(NSG´s besonderer Bedeutung, meist nur einige hundert Meter lang) unbedingt beachtet werden. Das Gewässer weist einige Schonstrecken auf, die nicht beangelt werden dürfen! Das Gewässer ist gut ausgeschildert. Ein Befahren des Gewässers mit Booten ist nicht gestattet!

Der Gehlsbach

Der Gehlsbach ist ein Nebenbach der Elde, er entspringt direkt im Plauer See und mündet nach 9,5 km in die Elde bei Burow. Der Gehlsbach ist auf seiner ganzen Lauflänge Salmonidengewässer. Der Flußlauf ist zum größten Teil naturbelassen und zu einem großen Teil nur watend gut zu befischen. Hauptfisch ist auch hier die Bachforelle, welche in einer sehr großen Bestandsdichte vorkommt, leider handelt es sich um einen sehr kleinwüchsigen Bestand. Das Gewässer scheint nicht sehr nahrungsreich zu sein(überwiegend Sandgrund). Die Äsche kommt auch vor, aber in sehr geringen, nahezu bedeutungslosen Mengen. Auch die sehr schmalen Bereiche oberhalb der Ortslage Wilsen sollten beachtet werden, insbesondere zu Saisonbeginn da hier zumindest früher auch mal die Chance auf eine größere Forelle bestand, später im Jahr ist der Bereich durch die Vegetation kaum noch beangelbar. Der Gehlsbach weist einen starken Maifliegenbestand auf.

Die Warnow

Genauer gesagt die Salmonidenstrecke dieses Flusses, beginnend 100 m unterhalb der Straßenbrücke Crivitz/Brüel bis zu Sohlgleite Zaschendorf.
Diese Salmonidenstrecke ist 21 km lang und zu einem großen Teil als Fly-only-Strecke ausgeschildert. Das Gewässer ist ein typischer Niederungsfluss, der auf seinem Weg größere Seen durchfließt, so daß der beschriebene Abschnitt ein typischer Seenabflußbereich ist. Nach dem Ablauf aus dem Barminer See benötigt unser Flüsschen einige Laufkilometer durch Torflager und Waldbereiche um gewissermaßen salmonidentauglich zu werden. Im Mittel ist das Flüsschen etwa 6 m breit und etwa 60 cm tief, hat aber einen recht wechselhaften Charakter, es gibt einen ständigen Wechsel von kaum durchdringlichen Waldbereichen, flachen Rieselstrecken und ruhig dahinfließenden Wiesenabschnitten.
Vom Gesamtcharakter her ist die Warnow eher ein Mischgewässer mit einem ausgezeichneten Bachforellenbestand, der noch durch einen guten Döbelbestand ergänzt wird, auch zahlreiche andere Fischarten kommen vor, Barsch, Hecht, die üblichen Weißfische, Aal, Karpfen sowie zahlreiche Kleinfischarten. Es gibt Berichte von einigen einzelnen Äschenfängen, da diese niemals besetzt worden sind, möchte ich annehmen, daß diese Fische aus der in die Warnow einmündenden Nebel einwandern. Ich selbst habe allerdings noch nie eine Äsche in der Warnow zu Gesicht bekommen und ich angle schon seit 30 Jahren an diesem Fluß. Ein Gewässer wie die Warnow muß man mögen, für Leute die auf hohe Stückzahlen aus sind ist das Gewässer nichts, für denjenigen der sich Zeit nehmen will und eine gute Beobachtungsgabe hat ist es schon eher etwas.
Auch für Menschen die sich mit den Aktivitäten der Biber und mit der „Konkurrenz “ von Eisvogel und Fischotter nicht anfreunden können ist das auch eher nichts, es soll Leute geben die das stört.
Der Fischbestand ist selbstreproduzierend, jedoch werden seit einigen Jahren geringe Mengen Brütlinge, deren Eltern aus dem Gewässer stammen eingebracht. Ein Besatz mit fangfähigen Fischen und Regenbogenforellen erfolgt nicht.
Seit einigen Jahren steigen Meerforellen bis in diesen Bereich auf, manchmal bekommt man versilberte Smolts an den Haken(Anfang April), ganz selten mal die Eltern davon. Wer dieses Gewässer auf eigene Faust erkundet sollte sich Zeit nehmen und die Augen offenhalten. Die Waldbereiche und die schnellen Gewässerabschnitte versprechen oft mehr als sie halten und bringen oft nur kleinere Fische.
Die offenen trägeren Wiesenabschnitte sollte man jedoch einmal sehr genau unter die Lupe nehmen, hier können Ausdauer, Vorsicht und Einfühlungsvermögen mit starken, teilweise kapitalen Fischen belohnt werden.
Um sich in dieses Gewässer einzuarbeiten empfiehlt sich die Maifliegenzeit besonders, es ist praktisch die einzige Zeit des Jahres in der sich das Gewässer offenbart. Unbedingt zu beachten ist die Tatsache, daß die Warnow ein sehr frühes Gewässer ist, das früheste das ich kenne bezüglich der Maifliegen.
Die Maifliegenzeit beginnt je nach Wetter schon manchmal Anfang Mai und dauert oft nur etwa 2 Wochen an. Außerhalb dieser Zeit ist kaum ein steigender Fisch zu entdecken, auch wenn reichlich Anflugnahrung vorhanden zu sein scheint.
Auf Grund des reichlichen Nahrungsvorkommens(Bachflohkrebse) bedarf es scheinbar schon eines lohnenden Angebots von Anflugnahrung um die Fische nach dieser steigen zu lassen.
Die offenen Wiesenabschnitte sind technisch sehr einfach zu beangeln, allerdings ist es oft schwer sich auf Wurfweite zu nähern, die Fische sind sehr trittscheu und das offene Gelände macht einen außerdem gut erkennbar.
Waten ist nicht überall möglich, viele Züge sind zu tief und oft sind die Bodenverhältisse ungünstig (Schlamm, Schwemmsand). Ab spätestens Mitte Juni wächst das Gewässer in weiten Bereichen förmlich zu und das Fischen wird sehr beschwerlich.
Es gibt an diesem Gewässer leider lange Zonen an denen es kanalartig begradigt ist, dort ist mit Forellen nur recht selten zu rechnen, jedoch ist ein Versuch auf die dort sehr häufigen Hechte lohnend. Diese Abschnitte entsprechen in ihrem Charakter eindeutig der Bleiregion. Speziell ist es der Abschnitt stromab der Sohlgleite 500m unterhalb der Straßenbrücke Augustenhof bis zur Brücke bei Gneven. Dieser Abschnitt kann auch mit der Spinnrute beangelt werden. Wenn man an diesem Fluß angelt begegnet man anderen Anglern eigentlich recht selten, außer in der Maifliegenzeit da ist es möglich mal 1 – 3 Leute zu treffen.
Einen Störfaktor gibt es allerdings, insbesondere bei schönem Wetter am Wochenende, Paddelboote ohne Ende, meist größere Vereine aus der Hamburger Gegend, alles freundliche Leute, aber 50 – 60 Boote beenden das Steigen nachhaltig, zumal sich das oft über Stunden hinzieht.
Insbesondere um den „Herrentag“ herum sollte man das Gewässer tunlichst meiden, Nach dem Herrentag wird es dann wieder einsam und man darf den Müll wegräumen und die Lagerfeuer löschen.

Angelkarten und Infos
Angelkarten sind nur über den Landesanglerverband zu beziehen und müssen dort beantragt werden.

Landesanglerverband M/V e.V.
Siedlung 18
19065 Görslow
www.lav-mv.de
Tel. 03860 / 5603 – 0
Fax.03860 / 5603 29

Die Salmonidenangelberechtigung gilt für alle Salmonidengewässer Mecklenburg/Vorpommerns(ca.12 Gewässer).
Kartenpreise: Jahreskarte 52,- Euro (limitiert, bedingt Mitgliedschaft in einem Verein des Landes M/V)
Tageskarten 18,- Euro

Zulässige Angelgeräte:
Spinnrute:Rute, Rolle, Schnur beliebig, Köder mit max. einem Einzelhaken oder Drilling, der Köder darf nur aus Hartstoffen bestehen(Spinner, Blinker, Wobbler), Köder oder Köderteile aus Gummi und ähnlichen Stoffen sind verboten.
Fliegenrute: beliebige Fliegenrute und Rolle mit beliebiger Fliegenschnur, nur eine Fliege mit einem Einzelhaken erlaubt, zusätzliche Beschwerungen der Fliege verboten, nur eigenschwere Muster gestattet
Sämtliche Naturköder verboten!
Watverbot von 1.10. – 1.5.!

Mindestmaße und Schonzeiten
Bachforelle……………………30cm…………………01.10. – 31.03.
Äsche…………………………30cm…………………01.01. – 15.06.
Meerforelle……………………45cm…………………01.07. – 31.03.
Lachs…………………………ganzjährig geschont(in Binnengewässern)
Regenbogenforelle……………-……………………..keine

Fangbegrenzung 4 Salmoniden/Tag

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