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Sep 01

Das Baggerloch oder das unbekannte Etwas (TEIL 1)

Wem ist es denn noch nicht so gegangen, irgendwie und irgendwo entdeckt man einen Baggersee der einem das Anglerwasser im Mund zusammenlaufen und sofort den Drang aufkommen lässt, bewaffnet mit einer Tageskarte loszuziehen um den schuppigen Kameraden im Wasser nachzustellen. In diesem Bericht versuche ich eine kleine Anleitung bzw. Tipps zu geben wie man ein unbekanntes Wasser „lesen“ kann um zum erhofften Fangerfolg zu kommen

So weit so gut. Ein perfektes Vorhaben, das recht schnell Fragen aufwerfen kann und wird. Denn ist man nun in polierter Rüstung und Bewaffnung am Tage X am Ufer (irgendeinem Ufer des Sees) steht man vor einer mehr oder weniger riesigen Wasserfläche (mit unbekannten Tiefen), umrandet von diversen Ufergegebenheiten. Was nun sprach Zeus, eine Frage die auch schon des Öfteren bei AO gestellt wurde. Unbekanntes Wasser ! Wo soll ich nun mit welcher Rute und welchem Köder in welcher Tiefe auf welchen Fisch angeln um nicht total frustriert den avisierten, schönen Angeltag als Pleitentag abschreiben zu müssen.
Hier mal ein paar Tipps und Kniffe, grundlegende Tatsachen und wissenswertes über die Unbekannte Baggersee.

Ich möchte hiermit noch erwähnen, dass es sich hier um kein allround-Rezept oder eine Anleitung mit Fanggarantie handelt, sondern nur ein gewisses Basiswissen darstellt, gepaart mit ein paar Tagen Erfahrung. Ich weiss sehr wohl, dass jeder Angler hier seine eigenen Techniken und Erfahrungen hat und speziell die etwas älteren Rutenschwinger vielleicht mit dem Kopf schütteln, aber der Bericht soll auch unsere etwas jüngeren, unerfahrenen AO´ler ansprechen die durchaus vor die Problematik gestellt werden.

Was kann man denn so vorbereitend tun, um schon an die ein oder andere Information zu gelangen, die einem später die Wahl der Qual etwas reduziert?

Sollte zu dem erwähnten Gewässer ein ansässiger Anglerverein gehören, empfiehlt es sich mal die ein oder andere Minute am oder in unmittelbarer Nähe des Stammtisches zu verbringen. Mit gespitztem Ohr und einem ordentlichen Filter für Anglerlatein kann man hier schon die eine oder andere Information der alten Hasen abgreifen.

Des Weiteren ist ein sonntäglicher Spaziergang im Vorfeld des Angelzuges zu empfehlen. Hier kann man erstmals die verschiedenen Gegebenheiten am Ufer ausloten, andere Angler beobachten in Sachen: wo sitzen sie, mit welchem Gerät etc., eventuell Informationen über Strömung, Wind usw. aufnehmen. Nicht zu unterschätzen ist auch hier, dass man die diversen Anfahrtsmöglichkeiten betrachten kann, um am Tag X nicht Stunden damit zu verbringen eine Weg ans Wasser oder in dessen Nähe zu finden.

Eine weiter Möglichkeit ist die Studie vom heimischen Sessel, indem man diverse Suchmaschinen mit den entsprechenden Wörtern füttert und so über Homepages, Foren etc. an Informationen kommt. Eine sehr gute Quelle sind hierbei auch Foren von Taucherfreunden, -clubs und -schulen. Nicht dass wir jetzt mit der Harpune lospreschen wollen. Nein, nein. Taucher erstellen in der Regel von Gewässern in denen sie aktiv sind Karten. Dies sind graphische (teilweise handgemalte) Pläne des Sees, die durch das Einzeichnen von Tiefenlinien, Strömungen, Ein- und Ausflüssen, Unterwasserhindernissen und Sichtangaben ein sehr gutes 3D-Bild des Sees abgeben. Selbstverständlich erheben diese Karten keine Anspruch auf Aktualität, sind aber wirklich sehr informativ und hilfreich.

Die verschiedenen Zonen:

Fangen wir mit der, ich nenn sie mal aktiven Zone an. In der Regel sind hier Saug- bzw. Schneidkopfbagger aktiv (in der Regel einer), der ein Kies-/Sand-/ Wassergemisch aufsaugt und zur Weiterbeförderung bringt. Das bedeutet eine rege Aktivität an den Werktagen in Sachen Lärm und Action unter Wasser. Auf den ersten Blick ein reines Katastrophengebiet in Sachen Fisch und Angelei. FALSCH. Durch die Aktivitäten ist der Grund in steter Umwälzung und deckt durch das Aufwirbeln und Abblasen den Tisch reichlich für den Friedfisch. Bekanntlicherweise gewöhnt sich dieser an diverse Störfaktoren in seinem Lebensraum, vor allem wenn der Störfaktor ernährungstechnisch einen Vorteil birgt. Hier finden wir in einer horizontalen Ausbreitung von ca. 50 bis 100 Metern und einer Tiefe von max. 30 Meter Friedfische in allen Variationen. Wirklich querbeet alles !!! Im Sommer, bei gemässigten bis warmen Wassertemperaturen eher im Mittelwasser, gegen Herbst und im Winter sehr tief stehend.

Wo denn nun der Friedfisch sich tummelt ist nun mal auch der nächste Kamerad der Nahrungskette nicht weit, der Räuber. Durch die ständige Aktivität ist im bereits genannten Bereich der Grund ohne Kraut und hart. Hier finden wir den Zander auf seiner Spielwiese. Über hartem Grund, in Löchern lauernd kann er das treiben über sich schamlos beobachten und je nach Gusto zuschlagen. Den Barsch finden wir jedoch in diesen Zonen eher seltener, er zieht da andere, ruhigere aber ebenso nahrhafte Stelle vor. Auch der Hecht ist hier ein etwas seltener Gast, da ihm hier keine bis wenig Deckung geboten wird und es an einem Baggersee für ihn und seine lebens- und jagdweise bessere Stellen gibt.
In der Regel kann man sagen, dass sich hier schon ab dem Ufer ein sehr steiler und schneller Abfall in große Wassertiefen abzeichnet und sich durch die gegebenen Strömungsverhältnisse auch Sandbanken und harte Abbruchkanten bilden.

Ebenfalls der Lebensraum des Zanders. Durch die rege Aktivität im Wasser seitens des Baggers kann es zu nicht unerheblichen Nachrutschern im Ufergebiet kommen, was teilweise einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Erscheinungsbild hat.
ACHTUNG LEBENSGEFAHR

Als nächstes eine weitere aktive Zone und wahrscheinlich die, wo sofort jeder Angler abwinkt. Ich rede hier vom Strand.

Der liegt in unmittelbarer Grenznähe zur Baggerzone und wird natürlich im Sommer von mehr oder weniger bekleideten Sonnenbadern und deren Haustiere bevölkert.

Welcher Angler stellt sich da schon mitten rein ? Nun gut, bei 30° C um 12:00 Uhr Mittags KEINER. Aber so bei Einbruch der Nacht oder auch am frühen Abend, wenn dann doch fast alle zum grillen nach Hause gehen kann man dort schon mal den Faulenzer in den Boden rammen und sein Material auslegen.
Der besagte Bereich zeichnet sich aus durch eine Zone die ca. 3-5 Meter in den See führt, die man zu Fuss zurücklegen kann, ohne dass die Knie nass werden. Danach kommt der sehr abrupte Absturz in den Keller. Eine harte Abbruchkante die sofort auf ca. 12-15 Meter abfällt.
Auch hier kommt es bedingt durch das ständige Aufwirbeln des Grundes zu einem reichhaltigen Nahrungsangebot, dass der Friedfisch nur zu gerne annimmt. Da der geneigte Sonnenbader tagsüber auch den ein oder anderen Rest seines Vespers oder Hundeleckerli im See entsorgt könnte man hier vom 5-Sterne-Restaurant für den Friedfisch sprechen.
Nicht selten hab´ ich hier schon bei laufendem Badebetrieb nur wenige Meter von Schwimmern (NEIN, damit meine ich nicht die uns bekannten Posen) gesehen wie sich Karpfen im 40 bis 50 Pfundbereich genüsslich an der Oberfläche rollen.
Raubfische sind hier (zur Sommerszeit) erst sehr spät anzutreffen, dann aber mit hoher Wahrscheinlichkeit. Sie lassen sich doch vom täglichen Trubel abschrecken und harren der Dinge die da kommen mögen, sobald sich die Lage normalisiert bzw. beruhigt hat. Selbstverständlich wohlwissend, dass auch für sie hier ein reichhaltiges Nahrungsangebot im Wasser schwebt. Als Köder bzw. Technik bietet sich hier die Grundmontage an (KöFi), abgelegt in unmittelbarer Nähe der Abbruchkante.

So weit so gut. Dies war mal der erste Teil der Abhandlung.Wie bereits erwähnt ist die ein exemplarisches Beispiel wie man eine Analyse eines Gewässers angehen kann und sollte, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist mit Sicherheit nicht eins zu eins auf jegliche Baggerseen übertragbar.

Frank(y)

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