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Sep 02

Das Baggerloch oder das unbekannte Etwas (TEIL 2)

So, ziehen wir also weiter auf unserer unendlichen Reise um das magische Baggerloch. Flora und Fauna haben sich ja seit dem Teil 1 unwesentlich verändert, somit kann ich also momentan nicht mit Schneebildern dienen. Aber ich denke das nimmt mir derzeit keiner übel, denn das weiße Zeug kommt schneller zurück als wir denken.
Hier also die Fortsetzung von Teil 1. Viel Spaß

Fast jeder See verfügt über, nennen wir es mal Altarme, oder zumindest einen davon. Diese sind in der Regel 3-7 Meter breit und bieten uns eine Wassertiefe von maximal 2 bis 3 Meter. Der Uferbereich ist meist sehr stark und dicht bewachsen, also nicht gerade leicht zugänglich. Ein Plätzchen, das auch im Sommer Schatten bietet, jede Menge Ruhe, Unterstand und Schutz für die schuppigen Kollegen der Gegenseite. Badegäste, Spaziergänger, Hunde und ähnliche Störfaktoren sind eher eine Seltenheit.
In meinem Fall ist besagter Kanal ca. 70 Meter lang und mündet in einen kleinen Nebensee, der später noch mal en Détail beschrieben wird.
Was hat man nun als Angler davon zu halten ? Aus meiner Erfahrung hat Tinca hier ihren Futterweg. Im Schutz des Uferbewuchses und in aller Ruhe kann sie ihre gewohnten Bahnen ziehen und die Futterwege abgrasen.
Das war es auch schon. So schön und idyllisch wie das Plätzchen scheint, es geht nicht viel. Es macht so den Eindruck als ob der Kanal nur bzw. hauptsächlich als Passage zwischen Haupt- und Nebensee genutzt wird.
Erwähnenswert ist jedoch in diesem Zusammenhang noch die Tatsache, dass unmittelbar am Beginn des Kanals bzw. am Übergang zum Hauptsee Meister Esox lauern kann. Zurückgezogen in die Unterstände des Kanals, etwa 3 bis 5 Meter im Unterholz kann er das Treiben von Jung-, Brut- und potentiellen Beutefischen im Hauptsee beobachten und aus der Deckung zuschlagen. Hier lohnt es sich durchaus, den Blinker oder Gufi zu montieren und durchzuziehen. An dieser Stelle war ich bereits mehrfach erfolgreich.

Hier der Eingang vom Hauptsee in den Kanal. In der linken Bildhälfte ist der Ort, an dem man Jung- und Kleinfische zu erwarten hat. In der rechten Hälfte, leicht in den Kanal zurückgezogen und direkt am Uferbereich Hechtunterstände.

Die Idylle des mittleren Teil des Kanals. Im oberen Bereich kann man schon den Ausgang in den Nebensee erahnen.

Und hier nun die Mündung aus dem Kanal in den Nebensee. Die Wassertiefe liegt hier bei ca. 1,80 Meter.

Wo wir doch geographisch und gedanklich in dieser Ecke des Sees sind, machen wir doch gleich mit dem Nebengewässer weiter.
Entstanden sind solche Tümpel aus der Notwendigkeit des kiesfördernden Betriebes um diverses Gerät zu Wasser zu lassen, darin zu versenken, zu befestigen etc. In meinem Falle haben sie dort eine schwimmende Pumpstation festgezurrt, die in regelmäßigen Abständen für Bewegung im Wasser sorgt.
Besagter See hat eine Tiefe von bis zu ca. 5 Meter, ebenfalls einen starken Uferbewuchs und ist der beste Freund der Angelindustrie. Bedingt durch wenig bis Null Strömung und Bewegung im Wasser bleibt alles was da reinplumpst auch an Ort und Stelle liegen. Vom Fahrrad über Äste, Baumstämme, Kleidungsstücke bis hin zur Wasserleiche (hat tatsächlich mein Schwiegervater vor ein paar Jahren dort rausgezogen). Man sieht also: Hänger-Country in reinster Form. Erschwerend kommt noch hinzu, dass besagte schwimmende Pumpstation durch diverse Stahltrossen über und unter Wasser verankert ist und uns so ein weiteres Geflecht bietet um das man in beispielhafter Manier seine Montage wickeln kann.
Somit kommt man also in einen gewissen inneren, anglerischen Konflikt, denn hier bietet sich uns ein Paradies an Fangmöglichkeiten. Karpfen in allen Größen und Formen tummeln sich hier. Grundmontage, Posenfischerei, Schwimmbrot, alles kann uns hier zum Erfolg führen. Mit der feinen Grundmontage habe ich hier schon mehrfach ca. 2 Meter vom gegenüberliegenden Ufer entfernt Freund Tinca überlisten können. Übrigens jedes Mal fast auf den Zentimeter genau an der gleichen Stelle, was für die bekannte Sturheit bzw. fast unbeirrbare Kontinuität bei der Einhaltung gewohnter Futterrouten der Schleie spricht.
Auch wer Köderfische braucht ist hier gut beraten. Die wenigen sonnigen Plätze am Spätnachmittag bzw. frühen Sommerabends sind nach kurzem Anfüttern reichlich besucht und laden zur Selbstbedienung ein.
Was wird dem Raubfischer geboten ? Wenig bis nichts. Barsche sind zahlreich vorhanden, wachsen aber nicht sonderlich ab und erreichen eine Größe von maximal 15 bis 20 cm. Wer da was Größeres ergattern möchte muss am Hauptsee in die Tiefe gehen. In unserem Fall haben wir noch ein ganz niedliches Haustierchen im unmittelbaren Bereich der schwimmenden Pumpe. Esox Lucius, hungriger Wolf, im Volksmund Hecht. Dieser hat sich wohl in diesen Gewässerbereich aufs Altenteil zurückgezogen. Diese Tatsache ist natürlich in der lokalen Anglerwelt bekannt und entsprechend sind die Versuche ihn zu erwischen.
Ich habe ihn einmal an der Leine eines Kameraden gesehen, bevor er (der Hecht) dann die Flucht zwischen die Stahlseile gemacht und dabei die ca. 15 Euro an Montage ebenfalls mitgenommen hat. Eine allgemeine Schätzung liegt bei gut über einem Meter, an der frischen Luft war er jedoch noch nie für genauere Messungen. Ein Mythos des Sees eben der gejagt wird. Trotzdem würde ich im allgemeinen an dieser Stelle nicht unbedingt ein spezielles Hechtrevier sehen, Zander schon gar nicht.
Eine beschauliche Stelle an der ich mich sehr gerne festsetze wenn ich vom Uferbereich werfe bzw. ansitze. Schön ruhig, übersichtlich und planbar.

Die Aufnahme habe ich von meinem Lieblingssitzplatz gemacht. Rechts ein altes aber noch fahrtüchtiges Boot des Kieswerkes. Im Hintergrund die bereits angesprochene Pumpe. Rechts von der Pumpe liegt das Revier von Kamerad Hecht.

So, was bleibt denn nun noch übrig ? Hmmm. Ach ja. Ein Plätzchen, welches sehr viel an Artenreichtum und Einsatzszenarien in sich birgt. Man muss nur erstmal darauf kommen.

Hier liegen die Boote der Kollegen die dem selben Hobby nachgehen wie wir alle. Viele Boote werden kaum mehr bewegt, manche überhaupt nicht mehr und Badegäste und ähnliches störendes Beiwerk ist ebenfalls rar.

Aber was macht nun speziell dies Stelle so interessant ?
Da haben wir erstmal die Wassertiefe. Bereits am Ufer direkt blicken wir erstmal durch ca. 2,00 Meter Wasser bis sich der Grund erahnen lässt. Hernach fällt es sehr rapide in unendliche Tiefen ab (ca. 10 bis 16 Meter) im normalen Wurfradius. Aber Wassertiefe bedeutet ja nicht zwanghaft das Vorhandensein der schuppigen Kollegen. Richtig, also noch folgende Tatsachen. Eine relativ große Anzahl der Angler nutzen häufig ihr Boot nur als Sitzplatz um so von einem erweiterten Ufer aus in Ruhe angeln zu können. Das bedeutet sie kauern auf ihren festgezurrten Yachten, füttern fleissig und intensiv UND regelmässig im Liegebereich an. Eine derart hervorragend befütterte Stelle findet man selten und man kann sich darauf verlassen. Hat der liebe Kollege sich nun lange genug den Allerwertesten auf seinem Holzbäncken platt gesessen und es wird Zeit die Rückreise anzutreten passiert folgendes: In 97% der beobachteten Fällen wird Restfutter, halbvolle Madendöschen und ähnliches über Bord gekippt und so entsorgt. Feiner Zug von denen und noch mehr Futter für die Unterwasseratmer.
Auch die Karpfenansitzer kommen hier voll auf ihre Kosten. Für diverse Plätze in diesem Bereich könnte man Freitags schon Nummern ziehen lassen so rege ist die Nachfrage. Also auch diesbezüglich bestens angefüttertes Gebiet.
So und nun schlägt die Stunde der Spinner. Paradisische Verhältnisse in Sachen Esox. Wo so viel angefüttert wird und ein derartiges Überangebot an Nahrung herrscht ist er DA. Versprochen. ABER er ist nicht da wo man denkt. Nicht 20 Meter vom Ufer auf Grund mit Blick nach oben. Weit gefehlt er ist unter uns bzw. unter den Booten. Bester Schutz und ein Logenplatz um sich seinen gedeckten Tisch zu betrachten und zuzuschlagen. Bisse auf Blinker und Spinner habe ich hier in der Regel max. 2 Meter hinter den Booten oder zwischen den Booten vor meinen Füssen. Genial. Testet es mal aus.

Als Fazit kann man sagen, beobachtet euer Wasser, schaltet euer Hirn ein bzw. um und denkt wie euer Zielfisch. Manche Stelle sieht auf den ersten Blick derart unattraktiv aus und offenbart sich dann als Golfgrube.
All die von mir aufgeführten Dinge sind nicht nur von mir, sondern habe ich abgeguckt, nachgetestet etc. Mancher Versuch an so manchem Plätzchen geht natürlich auch mal in die Windeln, aber was solls. Nur wer angelt fängt auch Fische !!! Ein Schneidertag muss auch nicht immer was negatives haben, auch aus ihm kann man lernen.

Ich hoffe ihr hattet Spaß und könnt ein bisschen was daraus für eure Baggerseeanglerdasein mitnehmen. Wie schon erwähnt gebe ich durch diesen Bericht keine Fanggarantiescheine aus, sondern nur Erfahrungen und allgemeine Tipps.

Frank(y)

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