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Sep 05

Die Elbe bei Magdeburg

Die Elbe bei Magdeburg – mein Raubfischrevier
Quer durch die Landeshauptstadt Magdeburg fließt einer der arten- und fischreichsten Flüsse Deutschlands – die Elbe.
Vor Jahren durch industrielle Verschmutzung fast tot, entwickelte sie sich nach 1989 durch die Stilllegung vieler Industriestandorte in Ostdeutschland und Tschechien zu einem Fluss mit großartigem Raub -und Friedfischbestand zurück

Quer durch die Landeshauptstadt Magdeburg fließt einer der arten- und fischreichsten Flüsse Deutschlands – die Elbe.
Vor Jahren durch industrielle Verschmutzung fast tot, entwickelte sie sich nach 1989 durch die Stilllegung vieler Industriestandorte in Ostdeutschland und Tschechien zu einem Fluss mit großartigem Raub -und Friedfischbestand zurück. Was für viele Menschen eine schwierige Situation war, war eine Chance für einen der größten Ströme Deutschlands. Die Elbe erholte sich langsam wieder, Arten, die ein Schattendasein in den Nebengewässern führten, fühlten sich wieder heimisch und vermehrten sich prächtig.

Die von mir am häufigsten beangelte Strecke zieht sich von Magdeburg//Rothensee bis nach Rogätz und ist unterteilt in mehrere große zusammenhängende Buhnenfelder, dem idealen Angelplatz auf alles, was Flossen trägt. Die Buhnen, welche angelegt sind, um im Fluss die Wassertiefe zu erhöhen und eine für Schiffe befahrbare Fahrwasserrinne herzustellen, indem der Abflussquerschnitt eingeengt wird und der Fluss geringfügig aufgestaut wird, sind für die Fische ein Tummelplatz und Ruhepol. Dicke Brassen, Plötzen, Alande, Rotaugen und Güstern bilden den Hauptfriedfischbestand.

Der Raubfischbestand sieht folgendermaßen aus: Zander, Barsch, Hecht, Aal, Rapfen und immer mehr im Kommen.- der Wels. Auch Lachse gibt es wieder, ein Wiedereinbürgerungsprojekt in Sachsen trägt erste Früchte.

Die unangefochtene Nummer Eins unter den Räubern ist der Zander. Während der Hecht eher rückläufig ist, kam es bei Meister Glasauge Mitte der 90er Jahre zu einer regelrechten Bestandsexplosion. Fast täglich gab es neue Rekorde von der Elbe, sein es nun Stückzahlen pro Tag, oder die Größe einzelner Exemplare. Der Bestand ist heute durch ungezügelte Entnahme vielerorts sowie sicherlich auch durch biologische Schwankungen der Zanderbestände heute nicht mehr so extrem, wie in diesen Jahren, man kann aber immer noch von einem Traumgewässer für Zander reden.

Tagsüber laufe ich mit der Spinnrute bewaffnet meine Strecke ab, wobei ich dabei gezielt auf Zander gehe. Mein Kunstködersortiment besteht daher hauptsächlich aus Gummifischen und Wobblern, aber wenn es im Hochsommer in der Mittagshitze mal gezielt auf Rapfen geht, greife ich zum kleinen Spinner oder Blinker. Da die Elbe oft sehr trübes Wasser führt, sind hier auffällige Farben ganz klar Trumpf. Gummifische in grünen, gelben und weißen Farben sind meiner Meinung nach erste Wahl. Es gibt aber auch Tage, da ist man besser mit dunklen Farben beraten, z.B., wenn das Wasser klarer wird durch wenig Schifffahrt und Niedrigwasser.

Man sollte die Gummifische im Bereich zwischen zwei Buhnen an unterschiedlichen Stellen anbieten. Top Stellen sind die Strömungskante, der Bereich um den Buhnenkopf bis hin zum Ufer sowie der Prallhang einer Buhne und die Kehrströmung. Ich habe oft Angler beobachtet, die bis zum Buhnenkopf gelaufen sind, drei Würfe gemacht haben und dann sofort zur nächsten Buhne gelaufen sind. So macht man zwar Strecke, aber es kann passieren, das man an den Fischen “vorbeiangelt”. Während der Zander die Strömungskante, die Kehrströmung und den Bereich um den Buhnenkopf herum liebt, stehen die meisten Hechte doch eher am Prallhang. Rapfen rauben tagsüber oft im Bereich des Buhnenkopfes. Ich möchte dies aber nicht verallgemeinern, da es immer wieder Ausnahmen gibt.

Solltet Ihr mal Lust bekommen, euer Glück an der Elbe zu versuchen, hier ein kleiner Tipp:
Gummifische und Wobbler, die Grund nah geführt werden, solltet Ihr 3-5 Meter vorm Ufer schnell in Richtung Mittelwasser bzw. Oberfläche führen. Wenn man mit dem Köder in die Steinpackung gerät, war es das meistens. Ein Zander oder Hecht, der dem Köder grundnah gefolgt ist, nimmt ihn nach meinen Erfahrungen auch im Mittelwasser. Da braucht man kein Risiko einzugehen, denn die Materialschlachten in der Packung verderben sehr schnell den Angeltag, bis es so weit ist, das man dass Handtuch wirft. Um die Grundbeschaffenheit zu erkunden reicht der billigste Gummifisch in eurer Kiste, ein 15 Euro – Wobbler ist dafür etwas zu teuer. Also lieber erst den Gewässergrund abtasten und dann den Wobbler benutzen.

Wenn es dämmert, gehe ich meist zum Ansitzangeln mit Köderfischen auf Zander über. Dort suche ich mir dann immer einen Hot Spot, entweder die erste oder letzte Buhne im Buhnenfeld, eine Nebengewässer oder Altarmmündung. Da ich die Fische nicht mehr aktiv suche, spielt jetzt die richtige Platzwahl eine große Rolle.

An der Elbe gibt es jedes Jahr, wenn es wärmer wird, eine regelrechte Krabbenplage. Die Aalangler können ein Lied davon singen. In manchen Nächten hat man kaum ausgeworfen, da knabbert schon der erste Plagegeist am Köder herum. Ich habe es mit Auftriebssystemen versucht, aber irgendwie haben es die Biester doch immer wieder geschafft, mir die Köder zu klauen. Ich lasse mich davon aber nicht mehr abschrecken, kontrolliere auch wenn es nicht beißt, alle 15 min den Köder. Wichtig ist, das man in diesen Nächten ausreichend Köderfische mitnimmt, sonst kann man schnell einpacken. Aber es gibt auch Nächte, da hat man Ruhe vor ihnen. Und dann gibt es nichts schöneres, als das die Knicklichtpose ein wenig zuckelt, dann seitlich abzieht und die fein eingestellte Bremse beginnt zu Summen.

Ich benutze keine komplizierten Grundmontagen, der Köderfisch wird mit der Ködernadel am Waidloch durchstochen und so aufgefädelt, dass der Haken aus dem Maul herausschaut. Dafür verwende ich normale Aalhaken. Darüber befindet sich ein Wirbel und über diesem das Blei. Ich verwende Bleie zwischen 10 gr. für ufernahes Angeln in geringer Strömung, sowie 40 gr. Bleie für das Angeln an der Strömungskante in starker Strömung.
Fürs ufernahe Angeln benutze ich 3 – 4 gr. Knicklichtposen, für die Strömungskante gar keine.
Bei Ruten und Rollen bin ich beim Ansitzangeln nicht sehr wählerisch, ich besitze für diesen Zweck zwei Karpfen – Teleruten, wegen der besseren Transportmöglichkeit, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin gegenüber Steckruten und einfache Stationärrollen. Wichtig bei den Rollen ist, dass sie eine sehr fein dosierbare Bremse besitzen, da man am Fluss nicht mit offenem Bügel angeln kann und die Zander auf jeder Art von Widerstand allergisch reagieren. Die Bremse sollte so leicht eingestellt werden, dass die Strömung es nicht mehr schafft, Schnur abzuspulen, das ist gerade genug, damit der Zander nichts merkt beim Abziehen.

Als Köderfische kommen hauptsächlich Lauben in Frage, da diese für mich den idealen Köderfisch auf Zander darstellen. Ansonsten eignen sich noch kleine Brassen, Rotaugen und Plötzen. Ab und zu verläuft sich auch mal ein Aal, das sind dann aber fast ausschließlich kapitale Exemplare.

Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass das Befahren mit dem PKW vielerorts verboten ist, da die Elbwiesen zum großen Teil als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind. Solltet Ihr also mal den Wunsch verspüren, dort zu Angeln, informiert Euch vorher, wo ihr mit dem Auto ans Wasser heranfahren dürft, denn es drohen sonst empfindliche Strafen. Man kann trotzdem mobil bleiben, am besten, Ihr nehmt ein Fahrrad mit, entlang der Elbe gibt es viele Radwege.

Ich hoffe, dass der ein oder andere hier doch ein paar Tipps zum Flussangeln entnehmen kann. Ich persönlich ziehe es gegenüber dem Angeln im Stillgewässer immer vor, weil es einfacher ist, einen Fluss zu lesen, als einen See, wenn man beide nicht kennt.

Zanderpapst

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