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Sep 14

Salmoniden und deren Standplätze im Niederungsbach

Nachdem wir uns mit der Standplatzproblematik von Forellen in süddeutschen Gewässern beschäftigt haben, nun quasi als Fortsetzung etwas über die Gegebenheiten in norddeutschen Niederungsbächen.

Norddeutschland und Forellen, passt das überhaupt zusammen? Ich denke ja, es passt sogar sehr gut zusammen. Manche mögen da anderer Meinung sein, jemand schrieb sogar mal als ich in einem anderen Forum um Gewässertipps gebeten wurde :“ Der will einen Tipp zu einem Forellengewässer und nicht zu einem zugewachsenen Rinnsal!“
Sei es drumm, der Satz entstammt völliger Unkenntnis und stört weder mich noch die Forellen. Norddeutsche Forellengewässer sind etwas anders, sicher etwas gewöhnungsbedürftig, aber immer für eine Überraschung gut. Von einem Gedanken sollte man sich aber freimachen, es handelt sich bei diesen Gewässern keinesfalls um Besatzstrecken wie sie in anderen Teilen unseres Landes üblich sind, man muß deshab auch mit einer wesentlich geringeren Bestandsdichte an Forellen rechnen, dafür aber mit einer großen Vielfalt an Nebenfischen. Es gibt auch hier Ausnahmen, so gibt es hier einen Bach, der einen Massenbestand von kleinwüchsigen Bachforellen aufweist, der meistenteils feinsandige Bachgrund scheint nur ein geringes Nahrungsaufkommen zu bieten, Flohkrebse , die den Hauptanteil der Nahrung in den norddeutschen Niederungsbächen ausmachen, kommen dort nur in ganz geringer Zahl vor.Trockenfliegenfischer haben es an unseren Gewässern nicht so ganz leicht, da die Forellen hier sehr selten auf Anflugnahrung reagieren, nur in der recht begrenzten Zeit des Maifliegenschlupfes zeigen die Fische reges Interesse an dem sich ergebenden Nahrungsüberfluß, sonst halten sie sich recht verborgen und leben von Unterwassernahrung.
Außerhalb der Maifliegenzeit sieht man außer fingerlangen Döbeln und Ukeleis im Normalfall äußerst selten einen Fisch steigen.Bei fast allen dieser Gewässer handelt es sich um Abflüsse von Seen, es sind zwar zum Teil Quellgewässer, jedoch bieten die meisten Quellregionen dieser Flüsschen keine zusagenden Lebensbedingungen für Salmoniden, nicht etwa weil sie zu kalt oder zu sauerstoffarm wären, das Gegenteil ist der Fall sie sind meist sehr träge fließend und recht warm, zu warm im Sommer. Auch unmittelbar nach Austreten der von ihnen durchflossenen Seen, die sie ja als Oberflächenwasser verlassen entsprechen sie eher der Bleiregion, erst eine Weile später auf ihrem Weg, nachdem sie durch bewaldete Bereiche geflossen sind und aus den großen Torflagern der Wiesentäler genügend kaltes Tiefenwasser aufgenommen haben wird es für Salmoniden zunehmend wohnlicher im Bach, irgendwann erreicht jedes dieser Flüsschen eine oder mehrere Endmoränenschwellen, die ihm das nötige Gefälle verleihen. Ein solches Bächlein wie es durch die Wiesen mäandert.

So siehts aus dem Segelflugzeug aus:

und so mit den Füßen wieder auf der Erde.

Leider mäandern nicht alle Flüsschen so frei durch die Gegend, viele Strecken wurden um 1970 herum begradigt oder teilbegradigt, manchmal veränderte sich aber gerade durch die Begradigung der Zustand des Gewässers in einer Weise die für Salmoniden günstig ist, durch das Abschneiden der Flußschlingen verkürzte sich der Flußlauf, der Höhenunterschied den er zu bewältigen hatte blieb aber gleich, das bedeutete stärkeres Gefälle und damit eine Zunahme der Strömungsgeschwindigkeit. Durch die meist gleichzeitig durchgeführten Meliorationsmaßnahmen verstärkte sich auch der Zulauf von kaltem Tiefenwasser aus den Torflagern, was in heißen Sommern nicht ganz ohne Bedeutung ist. In den letzten Jahren hat sich allerdings vieles an den Gewässern getan, die Begradigungen verfallen langsam, es bilden sich zwar noch keine neuen Mäander, aber die Ufer sehen nicht mehr so eintönig aus, an etlichen Flüssen lässt man der Sache absichtlich ihren Lauf, einige Gewässer wurden auch, teilweise mit erheblichem Aufwand so gestaltet, daß sie quasi von Quelle bis Mündung wieder voll für Fische durchlässig sind, ein Angebot das von der Meerforelle in einigen Gewässern gern angenommen wird, oftmals ohne jegliche Besatzmaßnahme. Leider gibt es auch gegenteilige Dinge zu verzeichnen, manche ehemals verhältnismäßig frei fließenden Gewässer wurden vor wenigen Jahren verbaut, meist um Kleinkraftwerke zu betreiben. Dann ergeben sich derartig unschöne Bilder, wie hier an der Schilde. Was hier so idyllisch aussieht war einmal ein schnellfließender Bach mit autochonen Bachforellenbeständen, jetzt ist es kilometerlang ein stinkender Pfuhl. Ich stelle das Panoramabild des durch das Kleinkraftwerk enstandenen Staus mal als Link ein, eine Verkleinerung vermindert die Wirkung. Glücklicherweise hat sich einige Kilometer weiter oben noch ein Restbestand an Bachforellen erhalten, der scheinbar auch weiter lebensfähig ist. Aber schweifen wir nicht zu sehr ab.
Schaut man sich mal so einen mecklenburgischen Niederungsbach genauer an, dann sollte man als erstes mal die so schön für die Fischereischeinprüfung gelernte Einteilung der Gewässerregionen über Bord werfen, die Bäche wissen scheinbar davon nichts und machen was sie wollen.

Diese Bäche pendeln ständig zwischen der Bleiregion und der Forellenregion, die aber eher eine Art Barbenregion ist, wenn es denn Barben gäbe……..Ausnahme ist die Sude, da hat man vor 2 Jahren welche besetzt, dafür gibts da keine Forellen. Erst kommt also meist ein Stück Bleiregion, dann meist ein See, dann kommt ein Endmoränendurchbruch mit Forellenregion, dann wieder ein Stück Bleiregion und wieder eine Endmoräne………..die Kaulbarsch – Flunderregion ersparen sie sich auch meist gänzlich, da sie teilweise in die Elbe münden oder einfach so in die Ostsee plätschern, die Warnow macht hier eine Ausnahme, die hat so etwas ähnliches wie eine Kaulbarsch – Flunderregion, nämlich den Rostocker Hafen.Wenn man das so liest, dann wird man sicher denken, daß sich die Forellen meist in den Bereichen des stärkeren Gefälles in den Enmoränendurchbrüchen aufhalten, das ist nur teilweise richtig, dort findet man zwar Forellen, jedoch meist die kleineren Exemplare, die sich dort in den Rieselstrecken aufhalten, die größeren Exemplare beziehen lieber die anschließenden langsameren und teilweise begradigten Bereiche. Diese Bereiche sehen oft garnicht so nach Forelle aus, ich habe mich anfangs auch verleiten lassen hauptsächlich die schnelleren Bereiche zu befischen. Ich fing zwar zahlreiche, aber meist kleine Exemplare, bis ich mir einmal zufällig in der Maifliegenzeit mal einen langen begradigten, scheinbar völlig langweiligen Abschnitt ansah und dort Sternstunden des Fliegenfischens erleben durfte. Auch die durch stark abgeschattete Buchenmischwaldbereiche führenden Gewässerabschnitte, die auf den ersten Blick verlockend aussehen erwiesen sich als nicht sonderlich fängig, die Fische scheinen diese dunklen Abschnitte zu meiden, , nur da wo das Blätterdach lichter ist, kann man mit Fischen rechnen, wie zum Beispiel hier.

Oftmals sind es sogar die völlig freien Abschnitte, welche kaum oder nur sehr lückenhaft mit Uferbewuchs augestattet sind, welche gern von den Fischen angenommen werden.

Es handelt sich dabei fast immer um Abschnitte die etwas unterhalb eines Endmoränenbuckels liegen, diese sind meist etwa 2 – 3km lang, ab einer gewissen Entfernung von den meist bewaldeten Durchbrüchen hört dann aber oft der Salmonidenbestand auf, diese Abschnitte werden dann von anderen Fischarten, hauptsächlich Döbeln, Alanden, Hechten, Barschen bis hin zu Brassen dominiert. Das meinte ich mit dem oben angeführten ständigen Regionswechsel dieser Gewässer. Eigentümlicherweise gibt es in diesen Zonen , die der Bleiregion entsprechen, kleine Inseln, oftmals nur 50 – 100m lang, die aus irgendwelchen Gründen doch von Bachforellen bevölkert werden, meist sind diese Bereiche etwas flacher als der Rest des Baches. Wie ich überhaupt den Eindruck habe, daß tiefe Zonen zumindest in der wärmeren Jahreszeit von Salmoniden eher gemieden werden, eine Ausnahme stellt dabei die Äsche dar, die allerdings nur in einem einzigen Gewässer einen bedeutenden Bestand aufweist, der auf Besatzmaßnahmen zurückgeht. Die Äsche ist in unserer Region auf natürliche Weise nicht vorhanden, die Elbe und ihre Nebenflüsse bilden nach Norden hin die Grenze des natürlichen Verbreitungsgebiets. In den freien geraden Abschnitten, die anscheinend sehr langweilig aussehen findet man im Regelfall Bachforellen des etwas größeren Kalibers, meist über 40cm lang, teilweise bis 60cm, kapitale Einzelstücke von über 70cm kommen auch vor sind aber recht selten, die Bestände sind nicht sehr dicht, auch sind die Reviere der Fische recht groß. Zwischen den größeren Platzherren fristen kleinere Forellen ein Nischendasein, wobei sie mit schlechteren Einständen Vorlieb nehmen müssen, bei der Nahrungssuche, die oft zeitlich versetzt zu der der Großforellen ist, geistern sie jedoch oft in den Revieren der großen herum, verschwinden aber schlagartig wenn der Revierinhaber erscheint. So kann man oft am späten Vormittag zahlreiche Fische von 20-25cm beobachten, die einige Stunden später plötzlich wie vom Erdboden verschluckt scheinen, dafür aber in Abständen von 30-50m plötzlich große Fische zu steigen beginnen. Überhaupt sollte man die tageszeitlichen Aktivitäten einer genaueren Beobachtung unterziehen, da sie oft Schlüssel zum Erfolg sind. Es kann passieren, daß man, wenn erlaubt einen Bereich mit der Spinnrute sehr intensiv absucht und nicht die kleinste Reaktion bemerkt, geht man zufällig diesen Abschnitt eine Stunde später noch einmal durch, erscheint der gleiche, vorher tot wirkende Abschnitt, als Quell freudigen Forellenlebens. Einen gewissen Nachteil haben diese Bereiche, durch ihre Offenheit sind die Forellen extrem mißtrauisch und es ist sehr schwierig sich ihnen zu nähern. Auch sind diese Abschnitte oft nicht die gesamte Saison gut befischbar, da durch die Sonneneinstrahlung ein sehr reges Pflanzenwachstum einsetzt, das etwa ab Mitte Juni an manchen Stellen flächendeckend sein kann. So bescheren sich diese Bereiche selbst eine zusätzliche Schonzeit.
So einfach gehts leider nicht immer……….. Andreas in Aktion.

So könnten die Standplatz und Fressplatzbedingungen in solchen Abschnitten aussehen, zu beachten ist, daß die Einstände an den Wasserpestpolstern sich natürlich unter diesen befinden, es ließ sich nicht so gut darstellen.

Der Nachwuchs bevölkert meist andere Bereiche das Flusses, oft sind es die schnellfließenden Bereiche am Ende der Moränendurchbrüche, meist etwas unterhalb der Laichplätze.

Das soll jetzt aber nicht heißen, daß in den bewachseneren und kurvigen Zonen wie in diesen hier:

keine Fische zu Hause wären, Voraussetzung aber scheint mir ist, daß der Bach etwas Licht bekommt.
Diese kurvigen und abwechslungsreichen Bereiche können es aber in sich haben, teilweise ist das Wasser in der Strömungsrinne sehr tief und der flachere Schwemmkegel auf der Kurveninnenseite ist schlammig oder besteht aus feinem Schwemmsand und ist nicht tragfähig, auch sind die Ufer teilweise sehr schwer begehbar, da sie zum einen oft üppig bewachsen sind zum anderen sehr sumpfig sein können. An einigen Flüssen wie zum Beispiel an der Nebel gibt es an einigen Bereichen sehr tückische Hangmoore, die recht steile Böschung dieser Moore aus der auch bei größter Trockenheit ständig Wasser austritt, ist so weich, daß man seinen Arm ohne weiteres in die Böschung stecken könnte, es ist etwas eigenartig anmutend, daß oben auf der Böschungskante Getreide angebaut werden kann. Der Bach hat an diesen Stellen das Torflager, das hier mehrere Meter mächtig sein kann durchschnitten, und seine Sohle befindet sich am Grund des Torflagers und verläuft auf der wasserundurchlässigen Sperrschicht(Ton oder Tonmergel), diese Stellen sind sehr mit Vorsicht zu genießen, der Boden ist nur direkt am Wasser zumindest einigermaßen tragfähig am sichersten ist Waten, wenn es die Wassertiefe zulässt. Teile dieser Strecken sind aber für die Beanglung gesperrt, da sie völlig zu Recht zu Naturschutzgebieten besonderer Bedeutung erklärt wurden, haupsächlich wegen der dort vorkommenden teilweise einzigartigen Pflanzenwelt. Diese Bereiche bieten auch meist die tiefsten Stellen des Gewässers, sodaß ein 5m breiter Bach schon mal einen 3m tiefen Kolk aufweisen kann. Die umfangreichen Torflagerstätten haben auch noch eine recht positive Nebenwirkung, starke Wasserstandschwankungen, wie man sie aus dem Mittelgebirge kennt, wenn sich große Niederschlagsmengen ergeben, gibt es in norddeutschen Niederungsbächen kaum, die Torflager wirken wie große Schwämme und bilden so einen Puffer, auch starke Wassertrübungen durch Regengüsse sind meist nicht zu erwarten. Die meisten Bäche sind wie man auf den Bildern sieht leicht „naturtrüb“ nur die Nebel besitzt in bestimmten Monaten fast absolut glasklares Wasser. Stellen wie diese lassen schon erahnen, daß man am rechten Ufer am besten wohl auf allen Vieren vorwärts kommt, auch sind sie fliegenfischerisch schwierig zu händeln, da man selbst keinen guten Standplatz findet.

Natürlich gibt es auch wesentlich einfacher zu befischende Bereiche. In manchen Gegenden wird über die Einbringung von Totholz als Einstand und zum Schutz vor Kormoranen diskutiert, das macht hier die Natur noch weitgehend selbst, sei es durch die zahlreichen Biber.

oder einfach durch natürliches Leben und Sterben.

Noch ein paar Worte zur Befischung dieser Gewässer, wie ich schon zu Anfang schrieb handelt es sich nicht um Besatzgewässer, die Forellenbestände sind völlig autochon und haben Stämme mit bestimmten Eigenschaften gebildet, manche Autoren sprechen sogar von der Niederungsforelle, so ist eine der Eigenschaften die diese Stämme haben ihre recht gute Wärmeverträglichkeit.
An Salmonidenarten kommen auf natürliche Weise nur die beiden Formen Bachforelle und Meerforelle vor, einige Gewässer besitzen einen teilwandernden Bestand, die Äsche ist wie schon geschrieben Anfang der 70er Jahre künstlich angesiedelt worden und konnte sich nur im Flüsschen Nebel sicher ansiedeln, in einem anderen Gewässer gibt es noch einen sehr geringen Bestand, der ebenfalls auf die damaligen Besatzmaßnahmen zurückgeht. Die Regenbogenforelle kommt nur sporadisch vor, entweder als Flüchtling aus Zuchtanlagen oder im Herbst als Aufsteiger aus der Ostsee, wobei sie auch dort meist aus Netzgehegen entwichen ist, einen offiziellen Besatz in freie Gewässer gibt es nicht, er wäre auch verboten, ab und an hört man aber von illegalen Besatzaktionen in einzelnen Bereichen.
Bis in die 70er Jahre hinein wurde die Regenbogenforelle noch besetzt, erwies sich aber meist als ungeeignet, da sie stets nach Erreichen der Geschlechtsreife in einer Größe von 25-30cm stromab abwanderte, legalen Besatz mit fangfähigen Fischen gab es nie.

Einige der Bachforellenpopulationen dürften eventuell noch nie nachhaltig durch menschliches Zutun beeinflusst worden sein, bei anderen ist es zumindest schon sehr lange her(über 100 jahre), so etwa bei dem Flüsschens von dem die meisten Bilder hier stammen, der Schaale, dabei ist dieses Flüsschen nicht mal als Salmonidengewässer klassifiziert worden. Durch seine geographische Lage ist dieser Bach in den letzten 50 Jahren ziemlich unberührt geblieben, da er in unmittelbarer Grenznähe verlief und sich so jeglicher Bewirtschaftung entzog.
Vielen Dank an meinen Angelkollegen Andreas Hebben(AndreasSH) für die tollen Schaalebilder, sowie das Bild vom Schildestau .

Wolfgang

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