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Jun 24

Der Taschenkrebs (Cancer pagurus)

Wie eine große Ravioli sieht der Rand des Rückenpanzers der  in etwa 20 Arten von Taschenkrebsen aus. (Cancridae)Vom Atlantik (Lofoten) bis zur Küste von Marokko und der gesamten Nordsee ist der Taschenkrebs anzutreffen. Ja bis nach Sylt ist er schon vorgedrungen.  Steinige, sandige Böden in 20- 50m Tiefe sind sein nachgewiesener Lebensraum.

Es ist bestimmt gigantisch sich auf dem Meeresgrund zu lassen und schauen wie langsam von allen Seiten die großen Krebse auf die am Boden liegenden Fischfetzen zuwandern. Ein bisschen Hitchcock hätte ich da im Hinterkopf, langsam zerreißen sie mit ihren kräftigen Scheren die am Boden liegenden Fischkadaver. Die kleinen schwarz/grünen Augen wandern unaufhörlich hin und her während sie sich die abgetrennten Makrelenfetzen in das „Maul“ schieben. Verspielt reißen auch die kleinen bunten Lippfische an den Festmahl herum. Plötzlich da  aus dem Dunkeln nähert sich eine Gruppe Dornenhaie, angelockt vom ausströmenden Blut der Makrelen…….Was hat dies nun mit der Beschreibung zu tun?

Nichts.

Wäre doch eine schöne Dokumentation zum Sonntag. Okay zurück zur Sachlichkeit.

Nun habe ich gehört und gelesen, die Taschenkrebse seien nur sehr schwer auszumachen und man muss ihnen auf die Schliche kommen, dies mag auf Sylt im Wattenmeer so sein.  Ich kann dies für bestimmte Gewässerabschnitte in Norwegen nicht bestätigen. Wann wir auch immer unsere Stellkörbe zum Hummerfang ausbrachten, unter 10 Stück auf zwei Körbe kamen wir nicht. Neben den unzähligen Seesternen schickten wir sie verärgert auf den Grund des Meeres zurück. >>Wie bitte???<< höre ich im Geiste einige verwundert fragen. >> So eine Delikatesse!!<< Richtig, auf den Meeresgrund. Wie bereits erwähnt fingen wir so viele, womit dieser absolute Gaumenschmaus zur Gewohnheit wurde. Dieser Zustand sollte so nicht bleiben. Kommen wir aber zu den Äußerlichkeiten.

Merkmale:

Wie erwähnt ist der Rückenpanzer vom Taschenkrebs am vorderen Teil  stark mit Kerben „gerändelt“. Wuchtige große Scheren (beim Männchen stärker ausgebildet) sind an den Spitzen schwarz eingefärbt. Die Beine sind an den letzten Drittel  „behaart“ und verlaufen spitz zu. Die Panzerbreite kann 30cm betragen und ein Gewicht von 6kg auf die Waage bringen.In Nahaufnahme betrachtet wieder ein Feuerwerk von perfekt ausgeklügelter Beschaffenheit. Die Gliedmaßen scharnierartig ineinander an den Gelenken verhakt und gegen „Störer“ eng abgedichtet. Bei jeder Bewegung dürften jenige abgestriffen werden. Gegen alle „Besatzungsmaßnahmen“ ist er Taschenkrebs nicht gewappnet. So kann man mit etwas Glück bei älteren Exemplaren, Muscheln und Polypen am Panzer erkennen.(Foto über Merkmale, links unter dem geriffelten Panzerrand)

Wozu die Haare an den Hinterbeinen sind ? Ich habe nur eine Ahnung, nicht das Wissen . Es könnte sich um eine Wasserverdrängungshilfe beim „schwimmen“ handeln (wie beim Menschen die Taucherflossen) denn wie bei den Schwimmkrabben fehlen ihnen die paddelförmigen Hinterbeine. Ist rein spekulativ von mir. Mutter Natur lässt wieder einmal grüßen.

Richtig ist das verloren gegangene Scheren nachwachsen. Fraglich ist für mich die Behauptung des Abwerfens der Scheren bei Fraßfeinden. Ich habe nach der Zubereitung versucht die Scheren eines ausgewachsenen Taschenkrebses zu lösen, dies war nur mit einem enorm hohem Kraftaufwand und Zuhilfenahme von „Werkzeug“  möglich. Im Handel werden die Scheren zusammengebunden, warum werden sie da nicht einfach abgeworfen?….. Es sei denn er kann sie irgendwie selbst „abtrennen“ ?? Egal. Mit diesen Scheren knackt er Muscheln. Artgenossen, kleine Fische und zerlegt Aas (tote Fische) auf den Gewässergrund und dies reichlich.

Fortpflanzung:

Jede menschliche Beziehung wäre hin, würden wir uns wie der Taschenkrebs vermehren. Die Eier die das Weibchen erst nach einem Jahr ablegt, werden mit dem genauso „alten“ Samen befruchtet, welchen das Weibchen also ebenfalls ein Jahr mit sich herum getragen hat. Stellt man sich vor nach einer gescheiterten Liebelei wird man dennoch nach einem Jahr Vater….lassen wir dass!

 

Verwendung:

Ich kenne den Taschenkrebs nur vor Ort, soll heißen selbst gefangen, zubereitet und verzehrt. Lebendig im Handel oder im weiterem wird der Taschenkrebs in Konserven und gekocht im Tiefkühler angeboten. Das meiste Fleisch steckt in dem von mir am Anfang erwähnten Scheren, die sich wirklich sehr schwer „brechen“ lassen. Grundsätzlich werden die Krebse im kochendem Wasser getötet und später warm oder kalt ihrer weiteren Verwendung zugeführt.

 

weitere Taschenkrebse:

Hier erwähne ich kurz nur die Jonahkrabbe und den kalifornischen Taschenkrebs.

 

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Petri Heil Dominik

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