«

»

Mai 04

Der Wasserskorpion (Nepa Cinerea)

„Ihhh,Pfuii was ist das??“  diesen Ausruf hat vielleicht schon jemand am Wasser gehört wenn Kinder im Uferbereich schnorcheln. Entweder hat sich eine Libellenlarve, ein Gelbrandkäfer oder ein Wasserskorpion in den Haaren verfangen und klettert eher unästhetisch am erstarrten Kind herunter. Ist man so nett und teilt dem Kind noch mit, dass es sich um ein Wasserskorpion handelt, gehört der Teich wieder dem Angler.

So dramatisch wie von mir hier geschildert ist dies sicherlich nicht. Da der von mir erwähnte Wasserskorpion zur Unterart der Heteroptera gehört. Klingt spektakulär und dabei bleibt es schon. Übersetzt ist es der eher unapetittliche Name: Wanze. Hier eine erwähnte Teilordnung oder pauschal geschrieben eine von den vielen lustigen Arten der Wasserwanzen (Nepomorpha). In meinem Fall die vom Kind abgefallene Skorpionswanze (Nepidae). Wenn ich ehrlich bin gefällt mir dieses Insekt. Es hat etwas unheimliches im Aussehen und bringt Unwissenden den gebührenden Respekt. Sein Vorkommen hat der Wasserskorpion in Europa bis Asien.

In unseren Gefilden, bevorzugt er die Flachwasserzonen am Ufer, deshalb auch die fiktive Einleitung mit „im Haar“ und so. Langsam bist stehende schlammige Gewässer sind sein gewählter und passender Lebensraum wo er vor sich „wandert“.

Mit einer Gesamtlänge von bis zu 35mm macht er schon Eindruck beim homo sapiens (Menschen). Wenn er ihn als Beute attackiert. Okay, der letzte Satz war etwas Spaß. Die eigentliche Größe liegt bei max. 25 mm weitere 10 mm macht das zweiteilige Atemrohr aus. Der Wasserskorpion erreicht eine Breite von max. 10mm. Sein Körper ist flach gedrungen und kräftig im Aussehen.  Welche Farbe soll ich ihn zuordnen? grau-bräunlich und hellsandig wäre meine Entdeckung gewesen. Der Kopf  sieht etwas grusselig aus, leicht dreieckig mit kugelförmigen wachsamen Augen und einen kleinen Saugrüssel. Stark vergrössert nichts für ein niedliches Gemüt und schon gar nicht einladend zum Waldbad. Aber so gefährlich und Alienhaft sehen fast alle Insekten unter der Lupe aus! Wie von einem anderem Stern.

Mein Wasserskorpion hat Flügel,dennoch musste ich in Erfahrung bringen, niemand hat ihn je fliegen sehen. Somit gehen die schlauen Entomologen davon aus, sie können es nicht. Und ich als Hobbyinsektologe glaube ihnen dies sogar. Richtig schwimmen kann mein Wasserskorpion auch nicht wirklich. Dazu fehlen ihm die Schwimmhärchen wie beim Gelbrandkäfer an den Beinen (ja er hat es nicht leicht!).  Mit einer Luftblase unter den Flügeln dümpelt er an der Wasseroberfläche im tieferen Wasser herum. Wo er allerdings nicht immer freiwillig ist.  Landet so evtl. auf den Kopf ahnungsloser Badegäste und bringt diese zum schüttelnden Ekel und wird erschlagen. Schade. Sonst befindet er sich schreitend am Ufergrund oder im „Ansitz“ auf  Wasserpflanzen, den „Atmungsschnorchel“ immer an der Wasseroberfläche zum Luft holen. Jetzt kommt der spannende Teil.

Das vorderste Beinpaar ist zu einem effektiven Fangapparat umgebildet. Na kommt dies jemanden bekannt vor? Richtig, Mantis Arten besser bekannt unter Gottesanbeterin verfahren ähnlich. Da aber Angler nicht zwangsmäßig Insektenkenner sind, war diese Frage überflüssig aber die Antwort treffend. Zurück.  Mit seinen Fangbeinen schnappt sich unser Ansitz jagende Wasserskorpion zur Nahrung, kleine Insektenlarven, Wasserflöhe, Kleinfische und Kaulquappen in dem er sie kräftig einklemmt und mit seinem Stechrüssel aussaugt. An so etwas finden nur andere Insektenfreunde und ich Gefallen, sonst keiner weiter  glaube ich.

Im Frühjahr paart sich das Weibchen und legt ihre Eier am Gewässergrund in rottiges vergammeltes Laub, Algen oder Holzresten im Ufer nahen Bereichen ab. Die Eier besitzen schon Atemfäden (meist 7Stck) um für ausreichend Sauerstoff zu sorgen also da schon sehr raffiniert unsere  Wanze. Im Zeitraum zwischen Mai und Anfang August schlüpfen die Larven. In ihren Häutungsstufen (5Stck) sind auch die Entwicklungsstadien des Wasserskorpions festgelegt. Mein Wasserskorpion ist also gegen September voll ausgebildet und bereit für Unruhe und dezimierung im heimischen Aquarium zu sorgen, sollte er da durch Futterkescherei einmal hingelangen. Im Normalfall aber wird er schon einige Jahre alt. Mehr würde ich über den Wasserskorpion gar nicht berichten wollen, sonst wird es zu fachlich,  somit Langweilig und es liest dann eh keiner zu Ende. Disskutiert doch bei uns im Forum mit über Themen, am und im Wasser!

 

Petri Heil Dominik.

Zur Werkzeugleiste springen