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Sep 03

Auf Zander mit dem Köderfisch

Der Bericht richtet sich in erster Linie an alle Anfänger und jene, die es schon oft probiert hatten einen Zander im Fluss zu fangen und des öfteren leider leer ausgegangen sind. Da der Zander ein sehr vorsichtiger und launischer Bursche ist, sind es nicht selten nur Kleinigkeiten, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Insofern können in meinem Beitrag auch einige Aspekte für den fortgeschrittenen Angler interessant und lesenswert sein

Mein Heimatgewässer ist ein etwa 45 km langer Abschnitt der Lune, eines zum größten Teil sehr eintönig und geradlinig verlaufenden Flusses. Die Wassertrübung ist enorm, so dass sich die Zander hier ziemlich wohl fühlen. Die Gewässertiefe beträgt im Durchschnitt 2,0 m – 2,5 m. Buhnen findet man bei uns leider keine. Es herrscht meistens eine mäßige Strömung, was für uns den Vorteil hat, dass zum Angeln keine 100 gr. Bleibomben benötigt werden. Unter diesen Bedingungen gestaltet sich das Angeln für die meisten Anfänger problemlos und angenehm.

An dieser Stelle möchte ich auch betonen, dass es sich um meine persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen an meinem Heimatgewässer handelt. Hier einen Vergleich mit den großen Strömen wie der Elbe, oder dem Rhein zu ziehen wäre sicherlich nicht angebracht, obwohl einiges auch für die obengenannten Flüsse zutreffen mag.

Gerät
Sicherlich ist es durchaus möglich einen 16 Pfünder mit einer leichten Grundrute sicher und ohne Probleme auszudrillen. Es wird auch bestimmt der eine, oder andere Kollege unter uns, was das Gerät angeht, eine völlig andere Auffassung vertreten. Ich selbst gehöre aber zu der Sorte der Angler, die mit möglichst wenig Gerät eine große Bandbreite der anglerischen Möglichkeiten abdecken möchte. Aus diesem Grund empfehle ich euch Teleskopruten mit einem Wurfgewicht von bis zu 100 gr. und einer Gesamtlänge von etwa 3 m. Diese sind vielseitig anwendbar und da wir mit einem KöFi angeln, ist es durchaus möglich, dass wir einen größeren Aal an die Angelrute bekommen! Diesen gilt es dann schnellstens aus seinem Element zu befördern. Besitzt unsere Rute genügend Rückrat, wird es uns ohne weiteres gelingen. Als Rollen eignen sich alle soliden, mittelgroßen Stationärrollen mit eine Schnurfassung von ca. 150 m/0,30 mm. Ich selbst verwende Freilaufrollen mit denen ich bei Bedarf auch in stark fließenden Gewässern angeln kann. Als Hauptschnur kommt eine 30er monofile Schnur auf die Rolle. Für das Vorfach empfehle ich eine 28er. Benötigt werden wir noch Rutenhalter und Einhänge-Bissanzeiger, die ich mir selbst aus Eisendraht und Ü-Eiern baue.

Wer die Zeit am Wasser etwas entspannter verbringen möchte, der greift zu elektronischen Bissanzeigern, die das Angeln aus meiner Sicht doch erheblich angenehmer machen.

Köderfische
Grundsätzlich sollte man sich daran orientieren, welche Kleinfische in dem jeweiligen Gewässer in das Beuteschema der Zander passen. Es gibt aber keine Regel ohne Ausnahme. Wer hier experimentierfreundlich ist, wird schnell herausfinden was die Zander bevorzugen. Als Universalköder empfehle ich euch (7 cm – 10 cm) fingergroße Rotaugen. Diese müssen aber zuerst gefangen werden! (Es sei denn, man kann sich diese beim freundlichen Fischzüchter nebenan günstig besorgen). Um die kleinen Rotaugen zu fangen benutze ich eine leichte Steckrute 2,5 m / Wg.30 gr. Eine kleine Stationärrolle und dünne monofile Schnur sind hier Pflicht. Geangelt wird mit einer einfachen Posenmontage.

Anfang Mai, kurz vor dem Ende der Raubfischschonzeit „opfere“ ich an einem Wochenende ein paar Stunden meiner Zeit, um die Köderfische zu fangen. Der Anfänger braucht bei diesem leichten Gerät sicherlich etwas Übung, damit er ohne Probleme mit seiner Montage auf die gewünschte Weite kommt. Doch nach einigen Würfen dürfte er schon etwas Gefühl für das Gerät bekommen haben. Zum Fang der Kleinfische verwende ich grundsätzlich den Allround-Köder, die Maden. Angeködert wird mit einer bis höchstens zwei Maden. Zum Anködern benötigt man dünndrahtige und sehr scharfe Haken, weil die Hakenspitze am After der Made nur ganz wenig durch die relativ zähe Außenhaut hindurchgeführt wird. Sticht man zu tief oder quer durch den Körper, ist es mit der Beweglichkeit der Made vorbei. Nachdem die Montage ausgeworfen wurde, ist es sehr wichtig, dass der Köder nicht zu schnell in Richtung Gewässergrund absinkt. Daher verwende ich möglichst wenig, oder am besten gar kein Bleigewicht. Nach dem Auswurf warte ich ein paar Sekunden, um dann schließlich die Montage mit 1 bis 2 Kurbelumdrehungen ein Stück einzuholen. Dies bewirkt, dass der Köder ein wenig steigt, um dann wieder im Zeitlupentempo abzusinken. Dieses Spielchen wiederholt sich solange, bis der Köder am Ufer angekommen ist. Sollte aber die kleine Pose in der Zwischenzeit auf Tauchstation gehen, warte ich noch einen Bruchteil der Sekunde ab und setzte dann einen gefühlvollen und nicht zu starken Anhieb.

In vier bis fünf Stunden fange ich im Durchschnitt 40 bis 60 kleine KöFis, die sofort waidgerecht getötet werden. Zuhause werden sie anschließend in kleine Gefrierbeutel (5 Stück pro Beutel) verpackt und dann in der Gefriertruhe aufbewahrt.

Wann und Wo?
„ Flusszander sind Nomaden“. Dieser berühmte Satz eines bekannten Raubfischexperten deckt sich weitgehend mit meinen persönlichen Beobachtungen. Ein Fluss besteht nicht nur aus dem Hauptstrom, sondern auch aus all seinen Nebengewässern. In diesen gibt es mehr ruhigere Stellen, als im Hauptstrom und die Strömung ist dort meistens auch schwächer. Ab etwa Ende Juni bis November bevorzugen die Flusszander den Hauptstrom, wo sie auch auf Beutejagd gehen. In diesen Monaten ist die Chance einen Prachtzander gerade in diesen Bereichen zu fangen viel größer, als in den Nebenflüssen. Sie ziehen meistens in kleinen Trupps umher, sodass mehrere Fänge an einer Stelle keine Seltenheit sind. Wird es kälter wandern die Flusszander in die ruhigeren Nebengewässer und verbleiben dort bis sie abgelaicht haben bis etwa Ende Juni. Deswegen sollten wir direkt nach dem Ende der Schonzeit gerade dort unser Glück versuchen.
Weiterhin sollten wir uns fragen zur welcher Tageszeit die Aussichten erfolgversprechend sind? Grundsätzlich ist hier die Dämmerungsphase und die ersten Stunden vor Sonnenaufgang die beste Zeit, um einen Stachelritter auf die Schuppen zu legen! Während des Tages werden unsere Erfolgsaussichten enorm steigen, wenn der Himmel stark bewölkt ist, da Zander sehr lichtscheu sind. Aus diesem Grund lohnt es sich immer wieder seinen Köder direkt im Schatten zu platzieren. Auch während des Tages wirft die nicht zu hoch stehende Sonne entlang des einen oder anderen Ufers immer ein bisschen Schatten auf die Wasseroberfläche. Wer es dort versucht, wird auch oft dafür belohnt!

Wo sind die Hotspots?

Da das Wasser in den meisten Flüssen aufgrund der Strömung sehr trübe ist, müssen wir uns bei unserer Suche nach den Top-Plätzen vorerst einzig und alleine darauf verlassen, was wir mit bloßem Auge über der Wasseroberfläche beobachten und erkennen können. Versunkene Bäume, Brückenpfeiler, Einläufe, Steinpackungen am Ufer, ausgespülte, tiefe Außenkurven, ruhige Innenkurven, Mündungen von Altwassern und Zubringern und Stellen an denen wir Kleinfischschwärme vermuten sind immer einen Versuch wert.

Ist man auf sich alleine gestellt wird es sicherlich einige Zeit dauern, bis man sich einen Überblick über die Bodenstruktur in bestimmten Flussbereichen verschaffen wird. Hierfür sollte man auch ab und zu mit der Spinnrute und Gummifisch losziehen! Dabei verschafft man sich einen guten Eindruck über jede Unregelmäßigkeit in der Bodenstruktur und lernt das Gewässer von der anderen und unbekannten Seite besser kennen. Natürlich sollte man auch immer wieder ein Gespräch mit anderen Anglern führen, um vielleicht etwas wissenswertes zu erfahren. Wenn ich euch noch einen guten Rat geben kann:
Angelt nie mehr als zwei Mal an der selben Stelle! Versucht immer wieder neue Top-Plätze zu finden! Nur so könnt ihr die nötige Erfahrung sammeln und bleibt auf Dauer erfolgreich.

Vorgehensweise und Montage
Kommen wir nun zum wie ich finde wichtigsten Teil. Zusammenfassend lässt sich hier sagen, dass folgende Aspekte für den Erfolg entscheidend sind:

Der Köderfisch muss unbedingt etwa 10 cm bis 30 cm über dem Grund schweben!
Der Zander muss unbedingt widerstandslos und ungehindert mit dem Köder im Maul abziehen können!
Der aufgezogene Köderfisch darf nicht krumm wie eine Banane angeboten werden!
Am Angelplatz ist die absolute Ruhe angesagt!
Wer diese Punkte immer im Auge behält wird meistens nicht leer ausgehen.

Als Montage verwende ich stets eine einfache Laufbleimontage. Das Bleigewicht sollte gerade so schwer gewählt werden, dass es den KöFi am Grund halten kann und nicht von der Strömung mitgerissen wird. Ich verwende nur Durchlaufbleie in Olivenform und achte stets darauf, dass das Blei wirklich problemlos auf der Schnur gleiten kann. Das Vorfach sollte bekanntlich etwas dünner als die Hauptschnur und nicht länger als 40 cm sein. Der Haken sollte einen möglichst großen Hakenbogen haben. Dazu eignen sich hervorragend Karpfen-, b.z.w. Aalhaken der Größe 2.

Jetzt müssen wir den kleinen KöFi nur noch richtig „attraktiv“ präsentieren. Ich ziehe den Köderfisch mit der Ködernadel in der Art und Weise auf, dass der Haken aus dem Maulwinkel des Fischchens herausschaut (mit der Hakenspitze in Richtung Schwanzflosse ). Die Vorfachschnur kommt etwa 1,5 cm bis 2 cm vor dem Schwanzflosseansatz wieder seitlich heraus und ich führe diese noch einmal 1 cm weiter hinten durch den KöFi durch. Dies sorgt dafür, dass der Köder nicht verkrümmt und stets natürlich präsentiert wird.

Als nächstes müssen wir noch dafür sorgen, dass der KöFi genügend Auftrieb hat, damit er knapp über dem Gewässergrund schwebt. Sind unsere Köderfische aus der Gefriertruhe noch nicht ganz aufgetaut, so sind sie noch recht steif und die noch verbliebenen Eiskristalle sorgen für den nötigen Auftrieb. Nachdem die Köder 20 min. im Wasser waren und kein Biss erfolgte, hole ich diese wieder heraus und spritze in die Bauchhöhle des Fischchens mit einer gewöhnlichen Nadelspritze etwas Luft hinein.

Nachdem der Köder an der richtigen Stelle platziert wurde, wird die Rute mit der Spitze nach unten und in Richtung Montage schräg auf zwei Rutenhaltern aufgestellt. Der Rollenbügel wird geöffnet, die Schnur wird in einem Gummiclip am Rutenblank fixiert und der Einhängebissanzeiger wird befestigt! Ab jetzt heißt es nur noch warten.

Zu aller Letzt muss ich euch noch daran erinnern, dass der Zander ein ausgesprochen scheuer und misstrauischer Fisch ist. Aus diesem Grunde sollte die absolute Ruhe und Stille am Angelplatz herrschen.

Ich hoffe mit meinem Bericht konnte ich euch meine Art des Angelns mit totem Köderfisch etwas näher darstellen. Vielleicht waren meine Ausführungen an manchen Stellen zu detailliert. Ich denke aber, dass es gerade für den Anfänger von großer Bedeutung ist, ein gewisses Vertrauen in seine Technik und Vorgehensweise zu entwickeln. Dies wird ihm meiner Meinung nach nur dann gelingen, wenn er die von mir beschriebenen Aspekte immer im Auge behält.

Ich wünsche euch allen viel Erfolg!

Zanderstruck

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