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Sep 04

Barsche in der kalten Jahreszeit

Im Herbst beginnen die Barsche in tiefere Gewässerabschnitte zu ziehen. Sie verlassen ihre Sommerstandplätze, um ihren Futterfischen zu folgen. Meist findet man die Barsche jetzt in Grundnähe.

Der beste Platz, um den Stachelrittern jetzt im See nachzustellen, sind Scharkanten, Barschberge und versunkene „Hindernisse“, wie Bäume, Felsen usw.
Man kann davon ausgehen, dass, je kälter das Wasser wird, der Winter seinem Höhepunkt näher rückt und die Barsche um so tiefer stehen!
Im Fluss sollte man sich an tiefere ruhigere Abschnitte, Scharkanten, Hafenbecken, Altwasser, Steganlagen und Buchten halten, um Erfolg zu haben.
Auch umgestürzte Bäume und andere Hindernisse im Wasser locken Barsche magisch an. Dort sollte es selbst im Winter keine großen Probleme geben, Barsche zu überlisten!
Nun, da wir wissen, wo wir die Barsche suchen müssen, bleibt noch die Frage offen, mit was wir sie fangen sollen, oder wollen!
Für die an Seen angelnden Spinnfischer unter uns bietet sich natürlich das Angeln mit Kunstködern vom Boot aus an.
Dazu würde ich eine 2,6-3 m lange Rute mit einem Wurfgewicht von etwa 20 gr. mit sensibler Spitze empfehlen. Dazu eine angepasste Stationärrolle mit 150 m 0,08-0,10 mm (2-3kg Tragkraft) geflochtener Schnur, nicht nur bei Angeltiefen über 10m. Durch die geflochtene Schnur haben wir in der Tiefe eine wesentlich bessere Bisserkennung und Ausbeute, als mit einer monofilen Schnur. Wobei allgemein im Winter durch das klare Wasser nicht auf ein monofiles Vorfach von ca. 80-150 cm. in 0,16-0,18 mm. verzichtet werden sollte! Besonders eignet sich für das Vorfach Fluorcarbon Material, da dieses nahezu den gleichen Lichtbrechungsfaktor wie Wasser hat und somit für unsere stacheligen Freunde nahezu unsichtbar ist.
Müssen wir nicht so tief angeln, bietet sich natürlich eine monofile Füllung der Rolle an. So verhindert man, das Aussteigen von Fischen, aufgrund der nicht vorhandenen Dehnung bei mulitifilen Schnüren. Ein weiterer Aspekt ist die schlechtere Sichtbarkeit der Monoschnur unter Wasser. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sollte man grundsätzlich auf monofile Schnur setzen, da diese, im Gegensatz zur geflochtenen nicht gefriert.
Als Köder kommen kleine Barschpilker genauso in Frage, wie 5-10 cm lange Twister, oder Vertikalwobbler. Selbstverständlich sollte man nicht die Gummifische vernachlässigen.
Hierbei eignen sich besonders Modelle in 6-10 cm und natürlichen Farben.
Sollten wir uns für einen Barschpilker entschieden haben, besteht noch die Möglichkeit, auf der Hauptschnur, falls erlaubt, 2-3 Twister, oder ein Barschpaternoster zu montieren.
Da Barsche sehr futterneidisch sind, kommt es schon einmal vor, dass wir zwei oder sogar drei
Stachelritter gleichzeitig drillen müssen.
Eine besondere, wenn auch nicht weit verbreitete Art den Winterbarschen nachzustellen, ist mit der Mormyschka.
Diese kleinen, glitzernden Gebilde bestehen aus einem Haken, an denen, ähnlich den Twisterbleiköpfen, ein Blei-, Kupfer-, oder Messingkopf angelötet bzw. der Haken dort eingegossen wird.
Auf den Mormyschkahaken kommt ein kleiner Wurm, oder ein bis zwei Maden.
An die 0,14-0,18 mm monofile Hauptschnur angeknotet, wird die Montage auf den Grund des Gewässers gelassen. Dort beginnt man mit kleinen Zupfern die Barsche auf den Köder aufmerksam zu machen. Sind andere Fische wie zum Beispiel Rotaugen am Angelplatz muss man sich nicht wundern, wenn ein solches am Haken hängt, denn ursprünglich wurde dieser Köder in der ehemaligen UdSSR als Rotaugenköder entwickelt.
Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass dies der optimale Köder für das Angeln am Eisloch ist!
Gefischt wird die Mormyschka an einer speziellen Eisangel am Eisloch, oder mit einer sehr kurzen Pickerrute unter „normalen“ Verhältnissen. Dabei sollte man die feinste Spitze wählen, die man hat. Die Rolle mit 100 m 0,16-0,18 mm monofiler Schnur ist ausreichend für diese Art der Angelei. Je feiner mit der Mormyschka geangelt wird, umso erfreulicher wird am Ende des Tages der Blick in den Fischkorb ausfallen.
Für die Flussangler unter uns bietet sich das twistern an. Der Twisterkopf sollte gerade so schwer sein, dass man grundnah Angeln kann.
Auch wenn die Barsche im Winter nicht so schnell und aktiv jagen, wie in der wärmeren Jahreszeit, so sollte man zwischendurch den Twister oder Gummifisch beschleunigen und somit den Jagdtrieb der Barsche wecken. Mit den Farben muss man etwas experimentieren. Ich tendiere aber eher zu natürlichen Farben, da Barsche im Winter etwas zwischen die Zähne haben wollen und nicht (nur) aus reinem Futterneid, oder Aggression auf unseren Köder beißen.
Gute Farben sind Silber, Grau, Schwarz mit Glitter und gedeckte „unnatürliche“ Farben wie Dunkelrot, Lila und Blau.
Es kann einem natürlich passieren, dass die Barsche an einem sonnigen Wintertag eher auf Schockfarben wie Gelb, Japanrot, Rot-schwarz, oder allgemein mehrfarbige Twister und Gummifische stehen.
Da diese Art Köder nicht sehr viel kosten, kann man sich getrost verschiedene Farben und Größen mit an das Wasser nehmen.
Für diese Art der Angelei auf winterliche Barsche eignen sich leichte Jigruten und leichte Spinnruten mit sensibler Spitzenaktion.
Die Rolle sollte 150 m 0,18-0,20er Monoschnur fassen. Wenn es die Temperaturen erlauben, greifen wir auf geflochtene Schnur zurück. An deren Ende wir allerdings ein Mono-Vorfach montieren, um die schnurscheuen Barsche nicht zu verschrecken.

Ein Spinner muss in den meisten Fällen schnell geführt werden, wodurch er eher ein Köder für die wärmere Jahreszeit ist.
Manchmal jedoch fängt er auch im Winter, wenn wir ihn tief und langsam genug führen können. Hierbei eignen sich besonders Modelle in den Größen 2-3, im besonderen die Modelle von Mepps, da sie sich auch bei langsamem Zug drehen.

Die Naturköderangler unter uns sollten es mit einem ca. 5 cm langen Köderfisch, Laube oder Rotauge, an der feinen Pose, knapp über Grund probieren. Dabei wird der Köderfisch mit einem Einzelhaken am Rücken beködert. Es schadet auf keinen Fall, wenn wir diesem Köderfisch durch etwas zupfen Leben einhauchen!
Man kann den ohnehin schon großen Reiz eines duftenden Fischchens noch erhöhen, wenn man um den Hakenschenkel etwas Alufolie wickelt, diese etwas abstehen lässt und sie dadurch in der Strömung beziehungsweise durch unseren Zug verführerisch glitzert und wedelt.
Auch bei dieser Methode kann man noch ein bis zwei Seitenarme, mit Köderfisch oder Wurm bestückt, montieren.
Hierbei können wir, je nach Verhältnissen, eine Matchrute, eine Floatrute, oder unsere feine Spinnrute vom Jiggen einsetzen. Eine kleine Stationärrolle, die wir im Sommer auch auf Forellen einsetzen, ist die beste Wahl.
Der Allroundköder schlechthin ist der gute alte Tauwurm!
Besonders, wenn unsere Angeltour in die Schonzeit anderer Raubfische fällt, allen voran dem Zander. In manchen Gebieten darf in dieser Zeit ohnehin nicht mit Kunstködern oder Köderfischen geangelt werden.
Hierbei bietet sich die „Hosenköderung“ an, wobei wir ein paar Zentimeter des Wurmes herabhängen lassen und dieses Stück sich schön bewegen kann.
Den Wurm bieten wir an einer feinen Pose mit ca. 5-10 gr. Tragkraft, einem ca. 80-150 cm langen monofilem (Fluorcarbon) 0,16 mm Vorfach an.
Eine ebenfalls viel versprechende Methode ist, wenn wir den Tauwurm mit einem leichten Durchlaufblei oder kleinem Tiroler Hölzl über den Grund zupfen, ähnlich dem twistern. Bei der Rutenwahl kommt es auf die Strömung an, die wir vorfinden. Haben wir keine, bis kaum Strömung, kann man auch hier die Pickerrute einsetzen. Sie zeigt die Bisse sofort und sehr fein an, sodass man schnellstmöglich reagieren kann. Benötigt man mehr Gewicht und muss weiter auswerfen, bietet sich eine leichte Spinnrute in 2,6-3 m mit 20 gr. Wurfgewicht an.
Bei beiden Methoden sollte man nach einem Biss die Rute senken und etwas Schnur geben.
Nachdem der Barsch abzieht, kann man den Anhieb setzen und der Drill kann beginnen. Ein Köderfisch am Planseesystem, oder an einer Laufblei Montage über den Grund des Flusses, mit Pausen gezupft, dürfte auf alle Fälle zum Erfolg führen.
Gerade, wenn der Stoffwechsel unserer Fische durch die kalten Temperaturen weit runtergefahren ist, begutachten sie ihre Beute oft länger, bis sie sich entscheiden können, zuzuschnappen.
Beim Angeln mit natürlichen Ködern kann und sollte man den Köder ruhig für ein paar Sekunden bis zu einer halben Minute ruhig am Boden liegen lassen. Oft kommt gerade in der Ruhephase oder beim Wiederbeschleunigen des Köders der Biss!
Ist es erlaubt, würde ich empfehlen eine Rute auf Grund zu legen und mit der zweiten Rute aktiver den Barschen nachzustellen.
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Zum Schluss noch ein paar Tipps für die erfolgreiche Barschjagd.
Wenn wir gestern an einer Stelle noch wunderbar gefangen haben, könnte man heute einen Schneidertag erleben. Barsche ziehen auch im Winter auf der Suche nach Nahrung umher. Selbst Temperaturänderungen von 2-3°C veranlassen die Fische zu einem Stellungswechsel. Hat man an einer Stelle keinen Erfolg, sollte man sich nicht zu lange auf diesen Platz konzentrieren und sich an anderer Stelle auf die Suche nach den Barschen machen.
Die Köder sollten nicht so schnell wie im Sommer geführt werden, wenn auch Zwischensprints oft den Beißreflex auslösen. Je kälter das Wasser im Laufe des Winters wird, desto langsamer werden auch die Fische und unsere Köderführung.
Nun wünsche ich euch viel Erfolg bei der Jagd auf die Stachelritter!

Christian Kasbauer

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