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Sep 05

Im Bann des Zanders

..Pieeeeep….pieeep….
Mein Bissanzeiger schoss es mir durch den Kopf. Schnell lief ich zu meiner Rute, nahm sie in die Hand, klappte den Bügel um und schlug an.. Der hängt, dachte ich und ohne groß nachzudenken drillte ich den Fisch ans Ufer. Im Uferbereich sah ich es: Dort vor mir, einen Meter entfernt im Wasser, lag mein erster Zander und das an meiner Rute. Ein unvergesslicher Moment in meinem bis hierhin noch recht jungen Anglerleben….

Von dem Tag an war der Fluch gebrochen und ich fing viel häufiger Zander. Dieser Fisch zog mich immer mehr in seinen Bann und es war einfach eine Herausforderung, ihn zu fangen.

Mein allererster Zander

Ich weiß noch ziemlich genau, wie ich die ersten zwei Jahre, in denen ich probiert habe, mit Köderfisch einen Zander zu überlisten, sehr viel herumexperimentiert habe, um einen zu fangen. Meine Montagen waren dabei sehr oft abenteuerlich gestaltet. Bisse bekam ich zwar immer genug, aber irgendwie bekam ich es nie hin, dass der Fisch auch hängen blieb.
Dies führte dazu, dass ich von Sofortanschlagsystemen mit drei Drillingen bis hin zu nur einem Einzelhaken die verschiedensten Montagen ausprobierte. Aber nie war ich erfolgreich. Das war meistens sehr frustrierend, vor allem dann, wenn der Angelfreund neben mir immer Bisse bekam und Fische b. z. w. Zander fing und zu mir meinte, dass ich auch schon noch meinen ersten erwischen werde…. Dies munterte mich auf und ich fieberte immer mehr dem Tag entgegen, an dem es so weit sein sollte…

Dieser Tag kam dann auch etwa 1 ½ Jahre später…
Es war eine kühle Novembernacht, das Licht des Vollmondes durchbrach nur sehr schwach die einzelnen Nebelbänke. Wir angelten zu dritt: Marcel, dessen Vater Josef und ich. Jeder fischte mit zwei Ruten, die alle mit Köderfisch bestückt waren.
Marcel und Josef hatten beide jeweils schon einen Biss verschlagen und ich dachte, dass dies wieder eine solche Nacht wird, in der alle anderen fangen, nur ich nicht. Aber ich täuschte mich zum Glück… Kurz nach 21 Uhr hörte ich dann meinen Bissanzeiger und die anfangs beschriebene Szene nahm ihren Lauf… am Ende war ich super happy.

Seit diesem Tag habe ich dann auch mehr Vertrauen in mein Material und meine Montage gewonnen, so dass ich mit einem viel besseren Gefühl in die folgenden Angelsessionen gehen konnte…

Nun möchte ich euch mal meine recht einfache und simple „Erfolgsmontage“ vorstellen. Zuerst möchte ich gerne das Gerät vorstellen!

Zum Ansitzangeln mit Köderfisch auf Zander verwende ich mittlerweile nur noch Ruten mit einer Länge von ca. 350-380 cm und einem Wurfgewicht von ca. 30 gr. bis 55 gr., die eine Spitzenaktion mit ein knallhartes Rückgrat haben (z.B. Sportex Carat Zander), oder aber Ruten, die eine parabolische Aktion besitzen (z.B Sportex Kev Float).
Als Rolle benutze ich die Shimano Baitrunner GTE 5000, wobei ich aber den Freilauf ausschalte und mit offenem Schnurfangbügel fische. Da ich den Freilauf nur in den wenigsten Fällen (z.B. bei starker Strömung, oder bei Bissen von kleineren Raubfischen, etc.) verwende, reicht eine gute und stabile Stationärrolle mit Front-, oder Heckbremse und einem Schnurfassungsvermögen von ungefähr 170 m 0,25 mm Schnur aus, da man lieber ein paar Meter mehr Schnur als zu wenig draufhaben sollte.

Als Schnüre verwende ich nur monofile Leinen, weil sie sich dehnen und somit auch nicht zu hart sind. Ihr braucht aber keine Sorge zu haben, dass der Anschlag zu „schwach“ durchkommt, mit einer Monofilen bekomme ich auch den Anschlag noch gut durch. Weitere Vorzüge liegen darin, dass sie sich dehnen. Eine geflochtene Schnur hat den Nachteil, dass sie dehnungsarm ist. Wenn die Bremse nun noch relativ hart eingestellt ist, kann der Fisch sich schneller verletzten, als bei einer monofilen Schnur. Denn die Gefahr bestünde, dass sich der Zander hinten im Rachenbereich verletzt und bleibende Schäden erleidet. Wenn ich den Drill etwas härter gestalte, kann es leicht passieren, dass der Zug auf das Vorfach so groß wird und ich dem Zander unbeabsichtigt die Innereien ein wenig hervor hole…
Welche Monofile man am Ende verwendet ist letztendlich egal, denn bestimmt hat dort jeder seine eigenen Favoriten. Bei mir ist es die Berkley Iron Silk.

Nun wollte ich euch meine Montage ein wenig genauer erläutern. Ich fische meist mit einer einfachen Posenmontage, da diese einige Vorteile gegenüber der Grundmontage hat. So kann ich z.B. mit einer Pose den Biss schneller und besser erkennen als mit einem Blei auf Grund und ich kann sehen, ob der Fisch zieht und wenn ja, wohin.

Als Posen verwende ich bevorzugt feststehende, oder Laufposen, meist in den Gewichtsklassen 8 bis 20 gr., da ich teilweise eine größere Distanz erreichen möchte. Einige werden nun vielleicht denken, dass dies leicht übertrieben sei und die Zander eher verscheuchen würden. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass dies nicht passiert und ich mehr Bisse bekam, wenn ich weiter ausgeworfen habe. Dies ist jedoch teilweise jahreszeitlich abhängig. Montiert werden die Schwimmer „ganz normal“ mit Gummis bzw. mit Fadenstopper. Meine Bleie wähle ich meist eine Nummer leichter, als die Tragkraft der Pose zulässt.
Einige fragen sich jetzt vielleicht, warum ich nicht das Eigengewicht des Köderfisches berücksichtige, aber dies kann man getrost vernachlässigen, da meist der Köderfisch ein klein wenig auf dem Grund aufliegt.

Als Vorfach verwende ich eine 0,25 mm starke Monofile. Ich benutze kein Stahlvorfach, weil die Hechtgefahr in meinem Vereinsgewässer sehr gering ist und häufig auch untermaßige Fische beißen (Mindestmaß: 55 cm). Wenn diese tief schlucken, kann ich eigentlich nur noch abschneiden. Bei einem Stahlvorfach geht dies aber sehr schlecht, und da der Zander ein sehr empfindlicher Fisch ist, hat es auch keinen Zweck, den Haken „raus zu operieren“, da die Chance, dass der Fisch stirbt, sehr hoch ist. Aber wenn an euren Gewässern eine höhere Hechtgefahr herrscht, dann verwendet lieber ein dünnes Stahlvorfach.

Des weiteren fische ich meist mit Einzelhaken in den Größen 4 bis 3/0. Kommt auf die Größe meiner Köderfische an… ich nehme meistens nur Butthaken, weil sie einen sehr langen dünnen Schenkel haben und somit verrutscht der Köderfisch nicht so schnell. Ich verwende immer nur einen Haken pro Köder und schlage relativ früh an, denn so verringere ich die Chance enorm,einen kleineren Zander zu verangeln….Aber die Posenmontage ist nicht die einzige Montage, die an verwenden kann, man kann natürlich auch eine Grundbleimontage verwenden. Wenn ich mal mit einer solchen fische, was aber relativ selten vorkommt, weil die Pose die oben genannten Vorteile hat, verwende ich meist ein 20-35 gr. schweres Laufblei ( meist Anti-Tanglebleie), welches ich frei auf die Hauptschnur fädele. Vorfach und Haken bleiben gleich.

Nun aber zum wichtigsten überhaupt: dem Köder.

Hierbei gibt es oft unterschiedliche Meinungen und ich schreibe nur von meinen Erfahrungen und denen von Freunden.
Welche Fischart man verwendet, hängt vom Gewässer ab. Ich verwende eigentlich immer die, die ich am besten bekomme, oder wenn ich auswählen kann, die, die am häufigsten in dem Gewässer vorkommen, weil die Zander diese Fische auch höchstwahrscheinlich kennen und nicht so schnell Verdacht schöpfen, als bei einer anderen Art, die der Zander nicht aus diesem Gewässer kennt.

Aber Achtung: In vielen Gewässern darf man keine Edelfische als Köderfische verwenden, auch wenn es sie am häufigsten in dem Gewässer gibt.

Zu der Größe der Köderfische gibt es wieder viele unterschiedliche Meinungen. Eine recht bekannte Faustregel besagt, dass man im Sommer eher kleine Köderfische verwenden soll, weil die Zander sich auf Jungfische zum Fressen eingestellt haben, im Winter eher größere, da die Fische ihren Stoffwechsel herunterfahren und sich nicht so viel bewegen. Da ist es für sie natürlich günstiger, einen größeren Fisch zu fressen, als mehrere kleinere. Meine Erfahrung aber ist, gerade im Herbst/Winter 05/06, dass ich mit kleineren Köderfischen mehr Bisse bekam und mehr Zander fing. Aber hierbei geht Probieren über Studieren. Ich verwende am liebsten ca. 12 cm lange Rotaugen, die ich, wie alle meine Köderfische, mit der Ködernadel aufziehe, sodass der Haken kurz hinter dem Kopf sitzt. Denn normalerweise frisst der Zander und alle anderen Raubfische ihre Beute mit dem Kopf voran.

Nun aber noch etwas zu der Tageszeit:

Die Tageszeit, in der der Zander am besten beißt, ist von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich. Bei mir ist der beste Zeitraum das ganze Jahr über die Dämmerung und die Nacht bis ca. 3-4 Uhr morgens. Das heißt aber nicht, dass tagsüber keine Zander beißen. Vielleicht ist an euren Gewässern am Tag die beste Zeit. Auch hier gilt: Probieren geht über Studieren und die Beißzeiten können von Monat zu Monat variieren. Es kommt auch auf die Jahreszeit und das Wetter an.

Als letzten Punkt wollte ich nun noch etwas zu dem Gewässer sagen:
Man kann eigentlich mit der von mir beschrieben Methode alle Gewässer befischen. Am liebsten befische ich aber kleine Seen und Weiher mit einem guten Zander bzw. Raubfischbestand. Der Rhein kann aber ebenso befischt werden, nur sollte man sich für die Posenmontage strömungsarme Bereiche suchen, oder aber die Grundbleimontage verwenden. Gegebenenfalls schalte ich den Freilauf an meinen Rollen ein.

Ach ja und nicht vergessen, nicht nur Zander mögen Köfi, sondern auch
Welse, Hechte & Co.

Ich hoffe, ich konnte mit meinem Beitrag euch ein bisschen weiterhelfen.

Würde mich freuen, wenn jemand meine Methode ausprobiert und mir davon berichtet, wie es war. Vielleicht fangt ihr ja somit auch Euren ersten Zander.

Petri Heil

Tim Schmidt

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