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Sep 03

Indianerfischen

Man kennt sie, die kleinen ruhig dahin fließenden Wald und Wiesen Rinnsale. Meist sind diese Bäche sehr eingewachsen, so dass man nie auf die Idee käme, dort zu fischen. Warum auch? „An so einem Bacherl gibt’s eh keine Fische“ so, oder so ähnlich hört man es oft von den alten Hasen. Aber wer glaubt, in solchen Bächen kann man keine Fische fangen, der hat oft weit gefehlt. Gerade in diesen Bächen können zum Teil kapitale Bachforellen ihr Schattendasein fristen. Besonders wenn in der Nähe eine Fischzucht von diesem Rinnsal mit Wasser gespeist wird

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich meine erste Session an einen solchen Bach startete. Am Anfang war ich selber noch sehr skeptisch. Diese Skepsis legte sich aber schnell, denn nach nur fünf Minuten hatte ich den ersten Fisch.
Ich buxierte meine Wasserkugel sehr schön in Richtung unterspültes Ufer. Und siehe da – eine sehr schöne Bachforelle mit guten 35 cm hing am Haken. Wenn das nicht ein Anfang ist!

Dieser Tag fing ja schon gut an, aber er sollte noch besser werden. Einige Stellen weiter machte ich eine sehr schöne Regenbogenforelle in ihrem Standplatz aus. Was für ein schönes Tier! Mit einer geschätzten Länge von 50 cm wirklich ein Riese im Bach. Erst nach dem zweiten Wurf war mein Köder auf Ideallinie. Und schon war mein Fischfetzen mit einem gewaltigen Schwall inhaliert worden. Ein kräftiger Schlag ging durch meine Rute. Leider war der Drill nicht von langer Dauer. Die Forelle steuerte in ein Hindernis und schlitzte aus.

Wie ich erst später erfahren habe, sind in der Fischzucht, die sich oberhalb vom Gewässer befindet, ein paar Tage zuvor einige große Forellen ausgebüchst.

Kurz vor Ende war das Glück aber wieder auf meiner Seite. An einer ganz unscheinbaren Stelle bekam ich einen gewaltigen Schlag in meine Rute. Der Fisch nahm sofort Schnur und flüchtete, soweit es die Gegebenheiten ihm zuließen.
Sehr heftig versuchte die Forelle den Haken loszuwerden. Nach einer Weiteren kurzen Flucht konnte ich aber die Regenbognerin dennoch landen. Stolze 47 cm, das ist für ein solches Gewässer schon kapital!

Das Gerät
Natürlich, so ein Gewässer bedarf einer besonderen und angepassten Angeltechnik. Denn an einem gerade mal 100 cm breitem Bächlein kann man nicht so angeln, wie man es von einem Fluss, oder vom Teichfischen gewohnt ist. Zum Beispiel müssen die Würfe, wenn man sie so nennen kann, extrem präzise sein. Aber wenden wir uns jetzt der Technik zu!

Fische, die in so einem Kleinstgewässer vorkommen sind sehr scheu! Was auch kein Wunder ist, sie machen ja fast nie Bekanntschaft mit Anglern. Herum trampeln, oder ruckartige Bewegungen sind absolute Tabus für diese Fischerei. Um hier einen Fisch zu fangen muss man „Indianer Fischen“!

Als Gerät für solche Gewässer eignen sich sehr kurze Ruten um 180 cm Länge, besser wären sogar 160 cm und einer eher weicheren Aktion. Ich setze ganz bewusst so kurze Ruten ein. Nur mit einer kurzen Rute kann man sich ohne große Probleme an die Standplätze heranpirschen. Ein Wurfgewicht von 10 Gramm ist vollkommen ausreichend. Als Rolle empfehle ich eine sehr kleine Stationärrolle bespult mit 100 Metern 0,20er monofiler Angelschnur.

Was man noch braucht, ist gar nicht viel und bei fast jedem Forellenfischer schon fixer Bestandteil. Wichtig sind ein paar Vorfachhaken der Größe 8, 6, und 4. Ein paar kleine Wasserkugeln, Wirbel, Schrotbleie. Einen Kescher sollte man auch nicht vergessen, denn man weiß nie was beißt.

Die Montage
Die Montage ist so simpel wie genial. Auf die Hauptschnur wird die Wasserkugel aufgefädelt und am Ende wird der Karabiner angeknüpft. Auf das Vorfach zieht man eine halbe Elritze auf, die nicht all zu groß gewählt werden sollte. Auf das Vorfach klemme ich 3-5 Schrotbleie, je nach Strömung.

Die Technik
Mit der richtigen Technik braucht man auch nicht lange auf die ersten Fischkonakte zu warten. Ich schleiche mich ein paar Meter oberhalb einer viel versprechenden Stelle an. Wobei hier die Betonung auf dem Wort „schleichen“ liegen sollte.

Mit einem gezielten Schwung bringe ich die Wasserkugel in Position, und versuche, sie auf den richtigen Kurz zu bringen. Dabei habe ich die Schnur immer zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger eingeklemmt, um ja keinen Biss zu verpassen. Ab und zu kommen die Bisse schon beim heran treiben der Wasserkugel. Dann merkt man meist nur ein leichtes Zupfen in der Schnur.
Ist die Wasserkugel über dem Hot-Spot hinweg getrieben kurble ich diese langsam ein. Meist in dem Moment, in dem das Vorfach nicht unter Spannung ist, kommt der Biss.

Solle man nach 2-3 Würfen an einem Platz keinen Biss haben, kann man mit ruhigen Gewissen zum nächsten Platz weiter schleichen. Entweder war in diesem Spot kein Fisch, oder er hatte einfach keinen Hunger.

Ihr seht, das Angeln in Kleingewässern ist gar nicht schwierig. Versucht es doch einfach mal selber.

Lukas

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