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Sep 04

Spinnfischen auf Kapitale Döbel

Spinnfischen auf Kapitale Döbel

In vielen unserer Gewässer ist er allgegenwärtig wird jedoch selten beachtet da er als Speisefisch nicht besonders beliebt ist, der Döbel oder Aitel.

Oft wird er nur als Beifang beim Angeln auf Hecht oder Rapfen gefangen, dabei ist er ein ausgezeichneter Angelfisch der einen tollen Drill am leichten Gerät liefert und nicht immer einfach zu befischen ist. Gerade die grösseren Exemplare sind äusserst misstrauisch und lassen sich nur mit viel List und Tücke dazu überreden unsere Köder zu nehmen.

Der Döbel

Zunächst werfen wir einmal einen Blick auf die Eigenarten dieser Fischart denn hier gibt es im Vergleich zu anderen Fischen einige Besonderheiten zu beachten. Der Döbel zählt zu den Cypriniden, also zu den Karpfenfischen. Während kleinere Döbel noch mehr oder weniger Allesfresser sind, konzentrieren sich die Grösseren fast ausschliesslich auf Fische als Beute und sind somit eindeutig als Raubfische zu bezeichnen. Der Döbel hat ein sehr grosses Maul mit dem er erstaunlich grosse Beute schlucken kann. Trotzdem scheinen kleinere Köder auch bei grossen Fischen erfolgversprechender. Wie alle Cypriniden ist auch der Döbel ein wärmeliebender Fisch. Je wärmer das Wasser desto aktiver sind auch die Fische wobei ab einer Wassertemperatur von ca. 26 Grad die Aktivität wieder merklich nachlässt. Im Hochsommer sind die Abend- und Nachtstunden am vielversprechendsten. Im Winter ist das Angeln mit Naturködern wie Made, Wurm oder auch deftigen Ködern wie zB. Frühstücksfleisch erfolgreicher während in den warmen Monaten das Spinn- und Fliegenfischen die Methoden der Wahl sind. Döbel sind meist in Trupps unterwegs wobei scheinbar ähnlich grosse Fische einem solchen Trupp angehören. Ich habe allerdings festgestellt dass dies so nicht ganz stimmt. Oft stehen die grossen Exemplare etwas abseits des Trupps, meist im tieferen Wasser und greifen sich von dort lohnendere Beute ab. Das ist wohl auch der Grund warum oft nur die kleineren Fische gefangen werden.

typischer Döbeltrupp beim Sonnenbad im Flachwasser

Eine Eigenheit der Döbel ist ihre grosse Scheu. Oft verscheucht man den Trupp bereits beim Betreten des Ufers und bleibt deshalb Schneider. Aus diesem Grunde sind leises Anschleichen und äusserste Ruhe unverzichtbar wenn man erfolgreich Döbel fangen will. Hat man einmal einen Fisch aus dem Trupp gefangen kann man zunächst getrost den Platz wechseln denn die übrigen Fische sind nun gewarnt und garantiert für mehrere Stunden verschwunden. Es ist also sinnvoll sich vor dem Angeln mehrere, potentielle Standplätze der Fische auszusuchen um nach dem Drill den Angelplatz schnell und ohne suchen wechseln zu können. Dies gilt besonders für das Angeln in der Nacht. Im dunklen ist es kaum noch möglich die Standplätze der Fische zu finden. Das Angeln wird zum reinen Glücksspiel.
Kommen Döbel im Gewässer vor, sind ihre Standplätze oft nicht schwer zu finden. Im etwas klareren Wasser kann man die Döbel meist bereits im flachen Wasser sehen. Besonders gut sind überhängende Büsche, Bäume oder auch Brücken die Schatten auf das Wasser werfen. Gute Stellen sind auch stets Einläufe von Bächen oder Kanälen wo reichlich Nahrung angespült wird. Wie andere Fische auch bevorzugen Döbel strömungsärmere Bereiche, man trifft einzelne Exemplare jedoch manchmal in regelrechten Rauschen an, besonders wenn die Fische aktiv am rauben sind.

Wann sind Döbel kapital?

Ausser vielleicht beim Karpfen variiert bei kaum einem anderen Fisch das Gewicht so stark wie beim Döbel und das relativ unabhängig von seiner Länge. Ein 50cm langer Fisch kann trotzdem ein Gewicht von 3 kg und mehr haben, wobei sogar grössere Exemplare sehr schlank und damit auch entsprechend leicht sein können. Ich würde somit die Grösse eines Döbels nicht an seiner Länge sondern eher an seinem Gewicht fest machen. Prinzipiell kann man jeden Fisch über 2,5 kg getrost als kapital betrachten.

Kapitaler Döbel

Köder

Kaum ein anderer Fisch kann mit einem so breiten Köderspektrum beangelt werden wie der Döbel. Von der Fliege über Spinnköder bis hin zu Wurm und Made an der Pose oder auf Grund ist alles möglich. Ich möchte hier jedoch ausschliesslich auf das Spinnfischen eingehen welches besonders beim Angeln auf grössere Exemplare und im Sommer erfolgreich ist.
Im Prinzip beissen Döbel auf fast alles was sich bewegt wenn sie im Fressrausch sind, allerdings kann man damit nicht immer rechnen und wir müssen uns etwas einfallen lassen um die Fische zum Anbiss zu bewegen. Ich hatte sehr gute Erfolge mit kleinen Twistern und Wobblern, entgegen der Meinung einiger Angler halte ich von Spinnern und Blinkern jedoch überhaupt nichts. Gute Köder sind manchmal auch kleinere Streamer mit Bleikopf die mit einer leichten Rute gut geworfen werden können. Grundsätzlich sollten die Köder nicht grösser als 5cm sein und eine Untergrenze gibt es fast nicht. Ich konnte schon kapitale Fische mit einem 1cm langen Twister fangen. Die Köderfarbe scheint keine allzu wichtige Rolle zu spielen. Es gilt die allgemeine Regel; bei klarem Wasser gedeckte Farben und bei leichter Trübung darf es auch schrill sein. Rasselwobbler scheinen gerade im Sommer einen besonderen Reiz auf Döbel auszuüben. Auch eine kleine Einsteck-Rassel im Twister brachte mir schon so manchen Erfolg.

Schlanker Döbel auf Rasselwobbler

Köderführung

Bei der Wahl der Köderführung ist das Beobachten des Wassers von besonderer Wichtigkeit. Beobachtet man Raubszenen an der Oberfläche sind die Fische aktiv und man kann den Köder aggressiv führen. Wobbler und Gummis werden nah der Oberfläche ruckartig, schnell und vor allem unregelmässig geführt. Kommen Rapfen im Gewässer vor kann man so natürlich auch jederzeit mit einem Biss dieser Oberflächenjäger rechnen. Hat man einen relativ untätigen Döbeltrupp erspäht ist es sinnvoll die Fische zunächst zu überwerfen und den Köder etwas absinken zu lassen. So erreicht man die grossen Fische die im tieferen Wasser lauern und verscheucht nicht gleich mit dem ersten Wurf den ganzen Trupp. Hierzu bevorzuge ich nun Twister oder Gummifische die ich sehr variabel führen kann. Oft hat man so zunächst einige vorsichtige Anfasser. Hier darf man einfach die Geduld nicht verlieren denn meist nimmt irgendwann ein Fisch das nervende Etwas vehement und der Drill beginnt.

Gerät und Montage

Zum Gerät gibt es nicht allzu viel zu sagen. Da man mit relativ leichten Ködern fischt reicht eine feine Rute, wie sie auch zum Forellen- oder Barschangeln zum Einsatz kommt, völlig aus. Wichtig ist dass die Rute nicht zu schwabbelig ist um den Köder variantenreich anbieten zu können. Geflochtene Schnur macht die Köderführung einfacher, ist aber nicht zwingend notwendig da Döbel oft ufernah stehen und somit selten auf grosse Distanz gefischt wird. Keinerlei Kompromisse sollte man bei der Vorfachwahl eingehen. Gerade grosse Döbel beissen brutal an und können ein zu feines Vorfach mit Leichtigkeit zerlegen. Ich verwende hier sehr gerne Fluorocarbon mit einer Tragkraft von 6-8kg. Stabile Wirbel und Einhänger sollten selbstverständlich sein. Die Bremse der Rolle sollte fein einstellbar sein. Wegen der heftigen Bisse empfiehlt es sich diese etwas lockerer als sonst einzustellen um Schnur- oder gar Rutenbruch zu verhindern. Döbel erweisen sich im Drill als äusserst zähe Gegner. So träge sie im Winter auch sind, so explosiv verhalten sie sich im Sommer. Gestaltet man den Drill allerdings entsprechend besonnen wird der Fisch schnell müde und kann problemlos mit der Hand gelandet werden. Durch den dicken Kopf des Fisches lässt er sich sehr gut und sicher im Nacken halten. Da sich die Fische schnell erholen sollte man sich mit dem Abhaken nicht allzu viel Zeit lassen denn sonst droht ein wildes Gezappel das weder dem Fisch noch der Hand des Anglers gut bekommt. Wer einmal Schnitte von geflochtener Schnur oder gar einen Haken in der Hand hatte weiss wovon ich spreche.

Nun schaut euch in Eurem Gewässer doch einmal nach den Raubkarpfen um. Ich bin sicher Ihr werdet sie irgendwo entdecken und dann denkt an die Tipps in diesem Bericht. Döbel haben es einfach verdient nicht nur als Beifang angesehen zu werden denn sie liefern einen tollen Kampf und es ist alles andere als einfach gezielt grosse Exemplare zu fangen.

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